„Heiße“ Ausbildung für Feuerwehrleute

Heisse ausbildung

(Foto: pm)

/Buchen. (lra) So stellt man sich eine Hölle im Kleinformat vor: Steht die Tür des mobilen Brandübungscontainers offen, schlagen beinahe die Flammen heraus, kombiniert mit einer unerträglichen Hitze. Ein täuschend echtes Szenario also, das Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren im Kreis zwei Wochen lang in Buchen erwartet hat. 150 Feuerwehrleute, die alle vorab den Atemschutzgerätelehrgang absolviert haben, sind mit voller Ausrüstung in diese kleine „Hölle“ gegangen und übten hier jeweils lange 20 Minuten lang in Zweiergruppen den Einsatz unter annähernd realistischen Bedingungen.

Übungen bestimmen das Leben einer Feuerwehrfrau oder eines Feuerwehrmannes, um fit für den Ernstfall zu sein. Allerdings können das meist nur „Trockenübungen“ sein, deren Bedingungen den echten Brandfall nicht wiedergeben. Der Brandcontainer dagegen, der der EnBW gehört,  kommt dieser Realität recht nahe, wenn auch ohne Rauchbildung. Und stellt so eine willkommene und lehrreiche Abwechslung im Übungsalltag dar.

Unter den 150 Feuerwehrleuten aus rund 30 Wehren des gesamten Kreisgebietes, die in zwei Wochen und mit Unterstützung vieler freiwilliger Helfer der Buchener Feuerwehr die Übung durchlaufen haben, waren auch fünf Frauen. Das ist nicht selbstverständlich, denn die Ausbildung ist körperlich sehr anstrengend. Das bestätigt Heike Stumpf von der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzach. Die 44jährige Heilerziehungspflegerin ist körperlich fit – aber auch bei ihr stieg der Puls von 67 im Ruhezustand auf 98. Wohlgemerkt gemessen, nachdem sie sich umgezogen und die Nachbesprechung hinter sich hatte. Auch der Blutdruck hatte entsprechend reagiert.




Das Einsatzszenario sieht wie folgt aus: Im Untergeschoß einer Wohnung brennt ein Stromverteiler. Über eine Treppe gelangt man in die „Wohnung“, die ebenfalls in Flammen steht und wo ein Gasbrand vermutet wird. Wie das Einsatzteam vorgeht, ob die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften und die Körperhaltung stimmt, wie im Team kommuniziert und die Lage weitergemeldet wird, ob zu viel Wasser eingesetzt wird (von dem ein Liter bei der Hitze zu 1700 Litern Wasserdampf wird, das die Schutzkleidung durchdringen und zu Verbrennungen führen kann) – das alles können Gruppenführer und Helfer in einem „Beobachtungsstand“ gefahrlos mitverfolgen.

Heike Stumpf und ihr junger Partner Pierre Herre haben die Aufgaben gut gemeistert. Direkt im Anschluss ziehen sie die Schutzmasken vom Gesicht, um sofort zu besprechen, was im Ernstfall vielleicht noch verbessert werden kann.

Die Feuerwehrfrau ist erleichtert und auch ein bisschen stolz. Puls und Blutdruck, deren Messung ebenso Standard ist wie regelmäßige arbeitsmedizinische Untersuchungen, Notfalltrainings und Unterweisungen im Atemschutz, normalisieren sich wieder. Als Tochter eines Feuerwehrkommandanten aus Schwabhausen hatte sie nie großes Interesse an der Feuerwehr. Bis sich mit 39 wohl doch „die Gene“ durchgesetzt haben und sie bei der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzach eingetreten ist. In den letzten fünf Jahren hat sie alle Lehrgänge durchlaufen, die sich ihr geboten haben. Einschließlich der „heißen Ausbildung“. „Ich schätze die Gemeinschaft. Und ich lerne hier auch fürs Leben. Zum Beispiel, möglichst immer Ruhe zu bewahren. Im Brandfall, aber auch im Beruf oder im Privatleben“, erklärt die Mutter von zwei Kindern strahlend. Und nimmt einen großen Schluck aus der Flasche. Denn wie hatte Klaus Theobald von der Freiwilligen Feuerwehr Buchen, der federführend für die organisatorische Durchführung der Übungen war, schon vorab erklärt: „Nehmt die Übung ernst, trinkt ordentlich und setzt dann im Ernstfall um, was ihr gelernt habt.“   

 

 

 

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