Wird das KWO in Buchen entsorgt?

Buchen/Obrigheim. (pm) Die Energiewende und der damit verbundene Ausstieg aus der Kernenergie beruhen auf einem gesamtgesellschaftlichen Konsens. Der Rückbau dieser Anlagen sollte aus verschiedenen Gründen „zeitnah“ erfolgen. Wir sollten es künftigen Generationen nicht zumuten, dass abgeschaltete (Kern-)Kraftwerke als Ruinen in der Landschaft verbleiben. Zudem verfügt Deutschland aktuell über ein sehr hohes technisches Knowhow in diesem Bereich. Diese Kompetenz und die dazugehörige Infrastruktur werden in gleichem Maße zurückgehen, wie die technische Nutzung der Kernenergie zurückgehen wird.

Von der Gesetzgebung sind die Entsorgungswege sehr genau im Atom- bzw. Abfallrecht geregelt. Im sog. Freigabeverfahren nach der Strahlenschutzverordnung wird sichergestellt, dass nur radioaktiv unbedenkliche Stoffe auf die „normalen“ Entsorgungswege des Abfallrechts dürfen. Beurteilungsgrundlage hier ist das De-Minimis-Konzept, nach dem die von den Abfällen ausgehende Strahlenbelastung nur einen Bruchteil der natürlichen Strahlenbelastung ausmachen darf.

Das Material verliert mit der Freigabe seine rechtliche Einordnung als radioaktiv. Dann gelten für die Entsorgung die Bestimmungen des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts.

Für diese Abfälle können auch die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger, also auch die AWN mit ihrer Deponie Sansenhecken, zuständig sein.

Da es sich hier, wie bereits erwähnt, um einen gesamtgesellschaftlichen Konsens handelt, muss aus Sicht der AWN dieses Thema landesweit betrachtet und gelöst werden. In Baden-Württemberg stehen an drei Standorten Kernkraftwerke zum Rückbau an. Diese Entsorgungsfrage kann nicht alleine von den regional ansässigen Deponien gelöst werden. Im Konsens mit der Geschäftsstelle des Landkreistages B-W wurde bereits ein Vorstoß unternommen, die Entsorgungswege landesweit zu thematisieren.

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1 Kommentar

  1. Leserbrief zur Emtsorgung des KWO in Buchen:

    Wer A(tomenergie) sagt, ….

    Wer A(tomenergie) sagt, muss auch B(eseitigung) sagen. Wobei Beseitigung nicht heißt, dass das Material weg ist, sondern nur zur Seite geschafft wird, z. B. auf eine Mülldeponie oder in ein „Zwischenlager“ oder „Endlager“, so dass es aus dem Blickfeld verschwindet. In dem auf der Deponie Buchen-Sansenhecken zu beseitigenden Abbaumaterial aus dem AKW Obrigheim sind immer noch gefährliche radioaktive Stoffe enthalten. Aber es gilt rein rechtlich nicht als Atommüll, sondern als „freigemessen“, denn der Gehalt an radioaktiven Stoffen liegt unterhalb bestimmter Grenzwerte. Diese sind von der Strahlenschutzverordnung vorgegeben.

    Man muss also unterscheiden: Das als Atommüll eingestufte Material, laut Genehmigungsunterlagen ca. 2.500 Tonnen, muss in extra dafür eingerichteten Lagern langfristig, d. h. über Tausende von Generationen aufbewahrt werden. Das gilt auch für die 342 hochradioaktiven abgebrannten Brennelemente, die noch für mehrere Jahre im AKW verbleiben werden und die Risiken beim Rückbau erhöhen.

    Aber auch das nicht als Atommüll geltende Abbaumaterial bleibt uns langfristig erhalten. Allerdings wird man bald nicht mehr wissen, wo es gelandet ist, denn nur etwa 2.000 Tonnen müssen auf der Mülldeponie gelagert werden, weil es „nicht recyclingfähig“ ist, aber „Von den 278.000 Tonnen Abfall werde der größte Teil recycelt.“
    Das bedeutet im Klartext, dass diese riesige Menge, die ebenfalls noch schwach radioaktiv belastet ist, frei verwendet werden darf, z. B. als Betonschrot im Straßenbau oder als eingeschmolzenes Metall für Gebrauchsgegenstände wie Autos, Heizkörper usw. Falls sich allerdings kein Abnehmer findet, muss auch dieses Material auf die Deponie.

    Wenn in den nächsten Jahren auch Neckarwestheim und Philippsburg zurückgebaut werden und danach alle weiteren Atomkraftwerke, kommen Millionen Tonnen von solchen immer noch radioaktiv belasteten Materialien auf die Umwelt, also auch auf die Menschen, zu.

    Es wird Zeit, dass angesichts dieser zu erwartenden radioaktiven Lawine die Gesetze für die anstehenden AKW-Rückbauten zum Schutz von Menschen und Umwelt ergänzt werden. Schon heute sind die flächendeckenden Strahlungswerte durch die künstlich erzeugten radioaktiven Stoffe höher als wenn es nur die Strahlen aus natürlichen Quellen gäbe.

    Am besten wäre, wenn alles Material aus Atomanlagen als Atommüll möglichst sicher an definierten bekannten Orten gelagert würde, wie es z. B. in Frankreich vorgeschrieben ist.

    Gertrud Patan, Schefflenz

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