Grünspecht ist Vogel des Jahres 2014

Stabile Bestände in Baden-Württemberg / Baumann: Grüner Specht mahnt grünen Minister

(Clip: NABU)

Stuttgart (pm) Einen farbenprächtigen Gesellen hat der NABU zum Vogel des Jahres 2014 gewählt: den Grünspecht (Picus viridis). „Der grüne Specht soll den grünen Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz ein Jahr lang daran erinnern, sich für seinen wichtigsten Lebensraum einzusetzen: die Streuobstwiesen“, sagt der NABU-Landesvorsitzende Dr. Andre Baumann. Da jeder zweite Hochstammobstbaum Deutschlands und rund zehn Prozent der europäischen Streuobstbestände in Baden-Württemberg stehe, habe das Land eine besondere Verantwortung für diesen Lebensraum und die Arten, die dort ihre Heimat finden. Seit 1950 sind nach Angaben des NABU-Bundesfachausschuss Streuobst 250.000 bis 300.000 Hektar Streuobstbestände in Baden-Württemberg verschwunden, so dass heute nur noch rund 130.000 Hektar übrig sind. Minister Bonde hat angekündigt, 2014 den Aktionsplan Streuobst vorzustellen.

Der Grünspecht ist nicht bedroht und steht daher nicht auf der Roten Liste der bedrohten Vogelarten. Sein Bestand ist in Baden-Württemberg mit 8.000 bis 11.000 Brutpaaren stabil. Grünspechte leben vor allem dort, wo es Streuobstwiesen gibt: am Oberrhein, im Albvorland, und im Mittleren Neckarraum. In alten hochstämmigen Obstbäumen zimmert er Höhlen zum Brüten. Er ernährt sich von Wiesenameisen, die er mit seiner zehn Zentimeter langen klebrigen Zunge aus den Ameisenhaufen zieht. Am seltensten hört man sein charakteristisches Lachen im Schwarzwald und in Oberschwaben. „Das liegt daran, dass es seiner Lieblingsspeise, den Ameisen, dort zu kalt ist. Zudem wachsen dort viele Fichten, die der Grünspecht nicht gerne bewohnt. Er bevorzugt eben knorrige, dicke und hochstämmige Obstbäume“, erklärt Baumann. Grünspechte kommen auch in Parkanlagen und lichten Wäldern vor, die alte Bäume und Wiesenflächen mit Ameisen aufweisen – sofern dort keine Pestizide eingesetzt werden.




Damit die Bestände der Grünspechte auch weiterhin stabil bleiben, fordert der NABU das Land auf, Streuobstwiesen als „geschützte Biotope“ auszuweisen. Diesen gesetzlichen Schutz genießen derzeit beispielsweise Orchideenwiesen und Feldhecken, nicht aber Streuobstwiesen. „Uns droht der Verlust vieler Streuobstwiesen, sei es, weil sie weiterhin für Neubaugebiete vernichtet werden oder weil zu wenig junge Bäume nachgepflanzt und dauerhaft gepflegt werden“, erklärt Baumann. „Wenn wir unsere Streuobstwiesen weiterhin dezimieren, werden wir über kurz oder lang auch viele gefährdete Vogelarten wie den Wendehals, den Steinkauz, den Gartenrotschwanz gefährden – und den Grünspecht.“

Um den Bestand der Streuobstwiesen wieder um zehn Prozent zu erhöhen, wie dies auch CDU und SPD in der Nationalen Biodiversitätsstrategie fordern, pocht der NABU zudem auf eine bessere Förderung der Aufpreisvermarkter, Baumbewirtschafter und Landwirte. „Streuobstwiesen sind Kulturlebensräume und wir benötigen Menschen, die sie pflegen und für das Streuobst faire Preise bezahlen.“ Minister Alexander Bonde habe die Aufgabe, für die Förderperiode 2014 bis 2020 bei den Agrarförderprogrammen Gelder umzuschichten. „Es muss sich wieder lohnen, Äpfel aufzulesen, Bäume nachzupflanzen und sie zu pflegen“, sagt Baumann.

Mit dem Grünspecht habe der NABU bewusst einen Vogel gewählt, den man häufiger zu Gesicht bekommt und der keine Rarität in der deutschen Vogelwelt ist. „Wir wünschen uns sehr, dass dies so bleibt. Dazu sollte die Landesregierung Streuobstwiesen unter besonderen Schutz stellen sowie ein verstärktes Augenmerk auf naturnahe Parkanlagen und Schafweiden legen“, sagt Baumann.

Gruenspecht Vogel des Jahres 2014

(Foto: NABU/ R. Rössner)

Infos im Internet:

www.vogel-des-jahres.de

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