Offener Brief zur DHBW Mosbach

Mosbach. Nachdem dieser Tage Diskussionen um eine Verselbständigung der bisherigen Außenstelle Heilbronn an der DHBW Mosbach hochkochten,  haben nun Prof. Dr.-Ing. Jürgen Kletti, Oberbürgermeister Michael Jann und Landrat Dr. Achim Brötel einen offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Ministerin Teresia Bauer verfasst, den wir nachfolgendend dokumentieren

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann, sehr geehrte Frau Ministerin Bauer,

bitte gestatten Sie, dass wir uns mit diesem gemeinsamen offenen Brief an Sie wenden.

Uns geht es dabei insbesondere um zwei Kernanliegen. Zum einen wollen wir Ihnen natürlich noch einmal unsere große Sorge um die zukünftige Weiterentwicklung am Standort Mosbach verdeutlichen. Genauso wichtig ist es uns aber auch, die bisher sehr emotional geführte Diskussion um die geplante Loslösung des Campus  Heilbronn wieder auf die Sachebene zurückzuführen. Wir sehen es dabei als unsere Pflicht an, Sie als politische Verantwortungsträger auf die drohenden Risiken für den Standort Mosbach hinzuweisen, die offenkundig mit der Autonomie des Campus Heilbronn verknüpft sind und ganz sicher nicht klein geredet werden können.

Wenn man die bisherigen Entscheidungen und Entwicklungen analysiert, wird schnell deutlich, dass die ohne jegliche Rückkopplung mit den zuständigen Gremien und den Verantwortlichen vor Ort getroffene Empfehlung des DHBW-Aufsichtsrats nicht nur vom Verfahren her völlig inakzeptabel zustande gekommen, sondern auch ohne eine ausreichende Prüfung der aus unserer Sicht existenziellen Risiken für die Region, insbesondere für die Unternehmen in der Hochschulregion Heilbronn, Main-Tauber, Hohenlohe sowie Neckar-Odenwald ergangen ist.

Bereits 2011 hatte der Rektor der DHBW Mosbach uns im Hochschulrat informiert, dass das explosionsartige Wachstum des Standorts letztlich zu Lasten der Qualität in der Lehre gehen würde, wenn es nicht zu einer Ablehnung von Studienplätzen komme. Davon hatte der Präsident der DHBW seinerzeit allerdings ausdrücklich abgeraten, weil eine Limitierung der Studienplätze aus seiner Sicht dem Image der DHBW bei den Unternehmen schaden könnte und die DHBW selbst auch keine etablierten Regeln habe, wie solche Ablehnungen ablaufen könnten. Daraufhin wurde umgekehrt, insofern also dem Präsidium folgend, die Organisationsstruktur der DHBW Mosbach an die bevorstehenden Herausforderungen angepasst, um doch ein weiteres Wachstum über die eigentlichen Kapazitäten hinaus zu ermöglichen und gleichzeitig den Aufbau in Heilbronn zu forcieren.

Konkret bedeutet das, dass die deutlich bessere Personal- und Ressourcenausstattung in Heilbronn seitdem zum Vorteil aller Campus im Sinne einer Solidar- und  Transfergemeinschaft für gemeinsame Aufgaben genutzt wird. Auf diese Weise entstanden nicht nur Synergien im Bereich der Lehre und Forschung, der Organisation sowie bei der Betreuung von Studierenden und Dualen Partnern. Geradezu beispielhaft war und ist vielmehr auch die Entwicklung des Modells einer Flächenhochschule, die insbesondere im Zusammenspiel und im gegenseitigen Austausch ihrer Standorte einen Mehrwert für die Studierenden, aber auch die Unternehmen generiert.




In einer konsequenten Fortentwicklung dieses Modells hat der Hochschulrat der DHBW Mosbach im letzten Jahr sogar beschlossen, bereits bestehende Studien- und Ausbildungsplätze gezielt nach Heilbronn zu verlagern. Dies ist in erster Linie und ganz ausdrücklich nicht zuletzt vor dem Hintergrund geschehen, die Finanzierung für alle drei Campus dadurch nachhaltiger zu gestalten.

Das in der Öffentlichkeit jetzt immer wieder für eine Verselbständigung des Campus Heilbronn angeführte Argument eines starken Wachstums gerade dort wird durch die nachprüfbaren Fakten im Übrigen nicht belegt. Im Gegenteil: Ohne die genannten Verlagerungen aus Mosbach und Bad Mergentheim wäre die Zahl der Studienanfänger am Campus Heilbronn in diesem Jahr sogar gesunken. Dass der Campus Heilbronn weiter gewachsen ist, liegt deshalb ausschließlich in dem geschilderten Prinzip der Solidar- und Transfergemeinschaft begründet. Dieses Prinzip basiert auf der ganz einfachen Grundannahme von Geben und Nehmen. Ein weiteres echtes Wachstum in Heilbronn, wie es derzeit vor allem in den Medien immer wieder als Begründung für die Autonomie herangezogen wird, müsste im Ergebnis deshalb zwangsläufig zu einer Kannibalisierung innerhalb der Region führen. Genau daran kann aber niemand gelegen sein.

Der Hochschulrat der DHBW Mosbach hat bislang alle Restrukturierungen im Sinne einer funktionierenden, erfolgreichen und effizienten Flächenhochschule voll und ganz unterstützt. Angesichts der räumlichen Nähe der drei Campus macht ein solches Modell auch absolut Sinn. Alles das war so zudem Gegenstand und regelmäßiger Bestandteil der Berichte aus Mosbach an die zuständigen Hochschulgremien sowie das Präsidium der DHBW und wurden von diesen immer ausdrücklich mitgetragen.

Irgendwelche Zweifel oder gar Kritik ist uns dabei nie zu Ohren gekommen. Umso überraschter sind wir deshalb jetzt, dass diese gerade eben erst sinnvoll miteinander verschränkten und gut funktionierenden Strukturen quasi aus heiterem Himmel plötzlich aufgelöst werden sollen. Wenn diese Trennung wirklich leistungsgerecht erfolgen soll, wäre nicht nur das Modell der Flächenhochschule zugunsten eines eigentlich überholten singulären Standortdenkens wieder obsolet, sondern es entstünden auch grundlos ganz erhebliche Kosten, die bei einer Beibehaltung des Status quo nicht anfielen.

Wir gehen zudem davon aus, dass dann auch die hohe Studierendenzahl an den Campus Mosbach und Bad Mergentheim im Rahmen der absehbaren Normalausstattung des Landes Baden-Württemberg nicht mehr zu halten sein wird oder statt dessen erhebliche Einbußen in der Qualität der Lehre hingenommen werden müssten. Beides träfe aber vor allem viele kleine und mittelständische Unternehmen im Kammerbezirk der IHK Heilbronn-Franken.

Dass der Wettbewerb um die besten Köpfe zunehmend schwieriger wird, bedarf heute keiner Begründung mehr. Durch die Autonomie des Campus Heilbronn würde dieser Konkurrenzdruck in der Region allerdings noch einmal unnötig weiter verschärft. Schon heute hat sich die Bewerberqualität deutlich verschlechtert bzw. die Bewerberheterogenität entsprechend vergrößert. Qualifizierten Nachwuchs für die Hidden Champions im Ländlichen Raum zu finden, kann daher sinnvollerweise nur gemeinsam im Schulterschluss aller drei Campus erreicht werden.

Es gibt viele gute Gründe, gerade mit Blick auf die Zukunft die Kräfte zu bündeln. Die Loslösung des Campus Heilbronn würde jedoch exakt das Gegenteil bewirken. Wir sind hingegen überzeugt, dass der Erfolg mittel- und langfristig nur über koordinierte, gemeinsame Aktivitäten gesichert werden kann. Diese Einsicht hat auch schon zu einer wesentlich intensiveren Kooperation zwischen den Rektoren der Hochschule Heilbronn und der DHBW Mosbach geführt.

Dadurch versuchen die Verantwortlichen, unsere gemeinsame 6-Campus-Region überregional ebenfalls noch sichtbarer zu machen. Eine solche Kooperation auf Augenhöhe mit einem echten Mehrwert aus der Summe von Stadt und Ländlichem Raum wäre bei einer Loslösung des Campus Heilbronn aber deutlich schwieriger oder gar nicht mehr zu erzielen sein. Alles in allem plädieren wir deshalb nachdrücklich für eine Beibehaltung der erfolgreichen Flächenhochschule mit dem Sitz in Mosbach. Eine autonome Lösung für den Campus Heilbronn wäre aus unserer Sicht hingegen nicht tragbar.

Wenn man abschließend auch noch bedenkt, dass die von interessierter Seite offenbar aktiv vorangetriebene Autonomiebewegung vollständig an den Gremien und der Leitung der DHBW Mosbach vorbei zum Ziel führen sollte, steht hier auch eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb der Region auf dem Spiel. Auch das bitten wir bei weiteren Maßnahmen und Entscheidungen zu berücksichtigen.

Gerne stehen wir Ihnen jederzeit auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung, bedanken uns schon im Voraus für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung und verbleiben im Übrigen wie immer

mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr.-Ing. Jürgen Kletti – Vorsitzender des Hochschulrates

Michael Jann – Oberbürgermeister

Dr. Achim Brötel – Landrat

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1 Kommentar

  1. Ein tolles Thema für Brötel und Jann, um sich als Kämpfer für den ländlichen Raum auszugeben, dafür wird gern auch die Realität ausgeblendet. Wenn es kein Thema gibt, dann wird eines zurechtgebogen, typisch für unsere konservativen Lokalpolitiker. Die Unterstellung, eine eigenständige DHBW Heilbronn würde plötzlich die selben Studienangebote wie in Mosbach einführen, ist infam bis infantil. Aber ohne diesen Unfug hätte man halt keine Schlagzeile und keine Gelegenheit sich selbst zu produzieren. Nüchtern und mit Verstand betrachtet ist die Verselbständigung der wachsenden Heilbronner Außenstelle sinnvoll und höchstens ein Schlag gegen die Eitelkeit eines Landrats und für diesen eine Gelegenheit, von wahren Skandalen abzulenken: Seinem Versagen als Chefaufseher der Kliniken.

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