Bergitta Victor macht gute Laune

von Martin Hammer

Berichtvictor

(Foto: Michael Pohl)

Osterburken. Wer an diesem sonnigen Oktoberabend nicht sowieso schon guter Laune in die Alte Schule in Osterburken kam, der verließ sie spätestens nach dem Auftritt von Bergitta Victor mit einem Lächeln. Selten erlebt man ein Konzert, das den Zuhörer dermaßen beglückt zurücklässt wie jenes des Trios um die auf den Seychellen geborene Musikerin – und dabei ist es völlig egal, ob man sich von der harmonischen Musik, den gefühlvollen Texten oder der überaus positiven Ausstrahlung von Bergitta Victor einnehmen ließ. Sollte man das Prädikat „Wohlfühl-Musik“ beschreiben wollen, wären die Lieder, die an diesem Abend zu hören waren, die besten Beispiele dafür: ein musikalischer Mix aus Soul, Pop und Reggae, das von einem bestens aufeinander abgestimmten und vor Spielfreude strotzenden Trio dargeboten wurde.

Dabei war es erst das dritte Konzert, bei dem Percussionist Max Grösswang aus dem österreichischen Linz als Teil der Formation agierte. Ein Umstand, der dem Trio nicht anzumerken war, denn Grösswang harmonierte hervorragend mit dem Hamburger Gitarristen Jakob Kleij, der sowohl bei treibend geschlagenen Akkorden als auch bei den filigran gezupften Passagen überzeugen konnte. Beide Instrumentalisten sorgten somit für den perfekten rhythmischen und klanglichen Teppich für die Kompositionen von Bergitta Victor.




Ihre Jugend verbrachte die Künstlerin in Tansania und in der Schweiz; zu ihrer emotionalen Heimat erklärt sie jedoch die Seychellen, den Inselstaat ihrer Herkunft, ein Palmenparadies im Indischen Ozean. Die musikalischen Einflüsse lassen sich allerdings auf allen ihren Lebensstationen finden – ein Grund für die stilistische Bandbreite der Sängerin mit der wohlig samtigen Stimme. Die Auswahl, die Bergitta Victor bei diesem Konzert den Zuhörern präsentierte, entstammte zu gleichen Teilen ihren drei Alben „Sesel“, „So happy“ und „On a journey“, was sozusagen ein „Best of“ der mitreißendsten, melancholischsten und eingängigsten Lieder der Seychelloise darstellte.

So unterschiedlich die Stimmungen der Songs, so unterschiedlich waren auch die Reaktionen des Publikums: von andächtig lauschend bei den wunderschönen Balladen, mit Beinen und Köpfen wippend bei den Reggae-Stücken bis lauthals mitsingend bei den Up-Tempo-Songs („Es muss auch Lieder geben, die ohne Tiefgang einfach nur Spaß machen“). Zumeist jedoch machen die Texte von Bergitta Victor durchaus Sinn, handeln von zwischenmenschlichen Beziehungen, selbst Erlebtem oder Beobachtetem und sind, so die Aussage der Künstlerin, eine Art „Seelenstriptease“ – zum Teil in Englisch, zum Teil in ihrer Heimatsprache, dem französisch angelehnten Seychellenkreol geschrieben.

Diese in sich stimmige Kombination aus Melodien und Texten, die den Bauch ansprechen, und den drei Musikern, denen es gelingt, diese musikalisch auf äußerst mitreißende und anrührende, mitunter Gänsehaut erzeugende Weise zu interpretieren, erzeugt beim Zuhörer automatisch ein durchweg positives Gefühl. Musik ohne Ecken und Kanten, könnte man sagen. Völlig egal, solange man sich dabei einen Abend lang so wohlfühlt und bestens unterhalten wird.

Infos im Internet:

www.kulturkommode.de

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