Landrat besucht MAISADOUR

Landrat in Neckarmuehlbach

Landrat Dr. Achim Brötel besuchte eine Niederlassung einer der führenden europäischen Konzerne für Maissaatgut, der MAISADOUR Gruppe, in Neckarmühlbach. Mit dabei waren unter anderen die Kreisräte Annemarie Frey und Karlheinz Graner, Christian Eifler von der Bioenergieregion H-O-T sowie Bernhard Heim vom Fachdienst Landwirtschaft. Dr. Tobias Eschholz, Leiter der „Zuchtstation Neckarmühlbach“, informierte die Gäste über den Versuchsstandort. (Foto: LRA)

Neckarmühlbach. (lra) Noch vor 30 Jahren wurde kaum Mais im eher rauen Odenwälder Klima angebaut. Die damaligen Sorten der ursprünglich tropischen Pflanze hätten hier schlicht keinen Ertrag gebracht. Dank intensiver Forschung und Züchtung sind  – ohne Gentechnik – viele neue Sorten entstanden, unter denen der Landwirt ganz nach den jeweiligen Bedürfnissen aussuchen kann. Generell bringt Mais heute sehr viel mehr Ertrag als noch vor wenigen Jahrzehnten, ebenfalls ein Erfolg von Auswertung und Selektion. Und so hat es diese Nutzpflanze auch im Neckar-Odenwald-Kreis als Tierfutter oder als wichtiger nachwachsender Rohstoff insbesondere für Biogasanlagen zu einer festen Größe gebracht. Auf immerhin rund elf Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche bzw. auf 14 Prozent der Ackerflächen im Kreis wächst aktuell Mais.

Eine Niederlassung einer der führenden europäischen Konzerne für Maissaatgut befindet sich in Neckarmühlbach. Die MAISADOUR Gruppe hat ihren Sitz in Frankreich und erzielte 2012 1,37 Milliarden Umsatz, neben der Saatgutproduktion vor allem in der Lebensmittelproduktion und –vermarktung. In Neckarmühlbach befindet sich ein Versuchsstandort, an dem 10 festangestellte Mitarbeiter sowie ortsansässige Saisonarbeiter für die Feldarbeit beschäftigt sind. Diesem Standort stattete Landrat Dr. Achim Brötel einen Besuch ab. In seiner Begleitung waren Kreisrat Karlheinz Graner und Kreisrätin Annemarie Frey, außerdem Bernhard Heim vom Fachdienst Landwirtschaft des Landratsamtes sowie Christian Eifler von der Bioenergieregion H-O-T.




Dr. Tobias Eschholz, der Leiter der „Zuchtstation Neckarmühlbach“ und Denis Schnell von MAISADOUR Deutschland begrüßten die Gäste. In Neckarmühlbach wird kein Saatgut produziert. Auf dem Versuchsstandort werden die erfolgversprechenden Körnermais- und Silomaiszüchtungen angebaut, um in präzisen Feldversuchen deren Eigenschaften und Ertragspotential zu testen. „Der Standort zeichnet sich durch gute Boden- und Witterungsverhältnisse aus und liefert uns wertvolle Erkenntnisse, wie sich die Sorten unter den hiesigen Klimabedingungen behaupten“, erklärt Dr. Eschholz. Seit rund sechs Jahren widmet sich die Neckarmühlbacher Niederlassung auch dem Anbau und der Züchtung von „Biogasmais“, an den andere Anforderungen gestellt werden als zum Beispiel an Futtermais. Ein Thema, das den Landrat unter dem Stichwort erneuerbare Energien besonders interessierte.

In diesem Zusammenhang wurde auch die alternative Bioenergiepflanze „Durchwachsene Silphie“ angesprochen, die in der Energieregion H-O-T-(Hohenlohe-Odenwald-Tauber) als Ergänzung zum Biogasmais beworben wird. Diese gelb blühende und züchterisch bisher kaum bearbeitete Wildpflanze liefert einen ansehnlichen Biomasseertrag und dient zudem Bienen und anderen Insekten als Nahrungsquelle. Ein züchterischer Erfolg hinsichtlich des Ertrages und weiterer Eigenschaften könnte der Pflanze zum Durchbruch verhelfen. Der Vorschlag stieß bei Dr. Eschholz auf großes Interesse. Er wolle sich mit dieser bienenfreundlichen Pflanze beschäftigen und die Idee zur züchterischen Bearbeitung bei Maisadour einbringen.

Dass dem Mais ein eher negatives Image anhaftet, liege daran, dass außerhalb Europas überwiegend gentechnisch veränderte Maissorten verwendet werden. 

Auf Nachfrage von Dr. Brötel bestätigten Dr. Eschholz und Denis Schnell ausdrücklich, dass hier ohne Gentechnik ausschließlich durch „klassische Selektion“ gezüchtet wird – und das mit großem Erfolg hinsichtlich des Ertrages und der Sortenvielfalt. In Neckarmühlbach glaubt man an die Zukunft von Mais: „Trotz der enormen Fortschritte, die wir bei der Züchtung schon gemacht haben, hat Mais nach wie vor ein sehr großes genetisches Potenzial. Künftig werden spezielle Sorten auch mit weniger Dünger, Pflanzenschutz und Wasser hohe und sichere Erträge ermöglichen.“

 Maisfeld

(Foto: LRA)

 

Mais

Die ursprünglich tropische Pflanze wächst dank intensiver Züchtung mittlerweile auch in nördlichen Breitengraden und ist eine wichtige Nutzpflanze, die weltweit zur Ernährung, als Tierfutter und als Energiepflanze angebaut wird.

Als sogenannte „C4 Pflanze“ besitzt Mais die Fähigkeit, Sonnenenergie zu speichern und sogar nachts weiter zu wachsen. In Kombination mit einer langen Vegetationsphase (April bis Oktober) kann Mais enorme Erträge erbringen.

Eine Maispflanze kann sich selbst befruchten. Die Spitze der Pflanze, die sogenannte „Fahne“, bildet Pollen, der auf die Narbenfäden des Maiskolbens fällt. Dies ermöglicht sowohl eine Linienzüchtung (Selbstbefruchtung) als auch eine Hybridzüchtung (Fremdbefruchtung) und ist die Grundlage für eine sehr erfolgreiche Züchtungsarbeit, die in den letzten Jahrzehnten eine enorme Ertragssteigerung und Sortenvielfalt hervorgebracht hat.

 

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