Lagerung der Obrigheimer Brennelemente

KWO ENBW

Nicht nur die Lagerung des Betonmülls in Buchen, auch der Umgang mit den Kernbrennstäben des KWO sorgt derzeit für emotional geführte Diskussionen in den Kreisgemeinden und darüber hinaus. (Foto: EnBW)

Offener Brief der Grünen aus den drei Atomstandorten im Land zum Umgang mit den Kernbrennstäben an Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) 

Sehr geehrter Herr Minister Untersteller,

auf Einladung der atompolitischen Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion Sylvia Kotting- Uhl und Anregung des Kreisverbands Neckar-Odenwald haben sich die Standort-Kreisverbände am 07. November 2013 in Sinsheim getroffen, um gemeinsam eine tragbare Lösung für die Obrigheimer Brennelemente zu finden.

Denn immer wieder werden die Atomstandort-Kreisverbände mit der Frage konfrontiert, dass die Obrigheimer Brennelemente verlagert werden sollen. Doch diese Verlagerung könnte das geltende Transportverbot aushebeln.

Die Zwischenlagerung der abgebrannten Brennelemente aus den Atomkraftwerken ist seit dem Atomkonsens von 2001 für alle AKW in Deutschland geregelt – bis auf Obrigheim.

Obrigheim hat als einziges AKW ein sogenanntes Nasslager, in dem die 342 abgebrannten Brennelemente ohne weitere Behälter unter Wasser aufbewahrt werden. Aus technischen Gründen muss dieses Nasslager im Zuge des Rückbaus des seit 2005 abgeschalteten AKW aufgelöst werden.

Zwei Möglichkeiten kommen für den weiteren Umgang mit diesen Brennelementen in Betracht:

  1. Entweder wird auf dem Gelände des AKW ein Trockenlager nach dem Stand von Wissenschaft und Technik gebaut oder
  2. die Brennelemente werden in das Zwischenlager Neckarwestheim transportiert. 

Inzwischen hat die EnBW einen Antrag auf Transport gestellt. Sie, Herr Umweltminister, begrüßen das, folgt die EnBW damit doch Ihrem ursprünglichen Vorschlag von 2006. Ihr Beweggrund diesen Vorschlag zu machen, war das Ziel einen Atomstandort weniger in Baden- Württemberg zu haben. Allerdings könnte mit diesem Vorgehen das Prinzip der standortnahen Zwischenlagerung durchbrochen werden.

Die Grünen des KV Neckar-Odenwald haben sich zusammen mit der Initiative AtomErbe Obrigheim intensiv mit der Problematik beschäftigt. Die Beschlusslage im KV Neckar- Odenwald ist „Sicherheit vor Wirtschaftlichkeit“, jedoch ohne Festlegung auf einen bestimmten Weg. Ziel war es, mögliche Wege mit den Standortkreisverbänden zu erörtern, um zu einer gemeinsam tragfähigen Lösung zu kommen.

Da auch MdB Sylvia Kotting-Uhl ein großes Interesse an einer gemeinsamen Haltung in dieser Frage hat, lud sie die Kreisvorstände der Standortkreisverbände Anfang November zu einer Konferenz.




Als Ergebnis wurde festgehalten:

Die Sicherheit hat höchste Priorität beim Umgang mit Atommüll.

Für uns ist es sehr schwer zu akzeptieren, dass vom Prinzip der Transportminimierung abgewichen werden soll. Wir sind jedoch bestrebt, einen konstruktiven Beitrag zur Lösung dieser Frage zu leisten.

Ein Transport der Castoren aus Obrigheim nach Neckarwestheim würde einen Sicherheitsgewinn für die Region um Obrigheim bringen, aber nicht für die Region um Neckarwestheim. Im Gegenteil: es käme zu den zusätzlichen 15 einzulagernden Castoren noch das Transport-Risiko hinzu.

Für diese Risiko-Erhöhung muss es aus unserer Sicht an anderer Stelle einen Sicherheitsgewinn geben.

Wir fordern deshalb eine entsprechende Verkürzung der Laufzeit von Neckarwestheim 2.

Maßstab könnte die Anzahl der Castoren sein. D.h. die von Neckarwestheim 2 noch zu produzierende Müllmenge sollte so reduziert werden, dass ca. 15 Castoren weniger zu ihrer Aufbewahrung gebraucht werden. Die Castoren-Anzahl im Zwischenlager Neckarwestheim wäre dann nicht erhöht. Durch die Laufzeitverkürzung hätte die Bevölkerung einen Sicherheitsgewinn.

Für die EnBW steht dem ökonomischen Verlust durch eine Laufzeitverkürzung die Ersparnis der Investition in ein weiteres Zwischenlager gegenüber.

Sehr geehrter Herr Minister, mit diesem zwischen den Kreisvorständen und Kreistagsfraktionen der drei Atomstandort-Kreisverbände abgestimmten und von Andreas Roll, Co- Sprecher der LAG Gesundheit, unterstützten Vorgehen sind die Sicherheitsinteressen aller Landkreise gleichermaßen berücksichtigt. Im Sinne der Sicherheit der Bevölkerung bitten wir daher um die Berücksichtigung unseres Vorschlags.

Für weitere Gespräche und Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grünen Grüßen

für den KV Neckar- Odenwald Christine Böhm, Hans-Detlef Ott, Kreisvorsitzende und Simone Heitz, Fraktionsvorsitzende

für den KV Heilbronn Ulrich Schneider, Sprecher des Kreisvorstands, Armin Waldbüßer, Fraktionsvorsitzender

für den KV Karlsruhe-Land Gabriele Aumann, Gisa Behrenbeck, Pascal Haggenmüller, Ute Kratzmeier, Uwe Mersch, Andrea Schwarz, Kreisvorstand

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