Herzspezialist Göttfert geht in Ruhestand

24 Jahre als Chefarzt am Kreiskrankenhaus in Buchen

Goettfert Gerhard

Am Freitag findet im Casino des Krankenhauses  Buchen eine Feierstunde zur Verabschiedung von Chefarzt Dr. med. Göttfert in den Ruhestand statt. Der öffentliche Teil der Feier beginnt um ca. 15 Uhr. (Foto: pm)

Buchen. (pm) Wenn der gerade 65 Jahre alt gewordene Internist und Kardiologe Gerhard Göttfert Ende November in der Klinik für Innere Medizin zum letzten Mal die Tür seines Chefarztzimmers hinter sich zumacht, wird es ihm nach eigenen Worten nicht leicht fallen, „… von 100 auf 0 herunterzufahren“. Nach 24 Jahren verantwortlicher Behandlung herzkranker Patienten mischen sich bei ihm eine stille Genugtuung über das, was er für seine vielen Patienten tun konnte, und „etwas Sorge hinsichtlich der wirtschaftlichen Zwänge, die das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten zunehmend belasten.“

Bei den Patienten von Chefarzt Göttfert und großen Teilen der Bevölkerung im Einzugsgebiet des Krankenhauses Buchen mischt sich aus gleichem Anlass das Gefühl der Dankbarkeit mit dem Bedauern darüber, dass ein sehr kompetenter und zugewandter Arzt in Ruhestand geht.

Der in Rothenburg ob der Tauber geborene Mediziner fühlte sich mit der Neckar-Odenwald-Region schon immer verbunden und beschreibt es als „logisch“, dass er nach seinem Studium in Würzburg und Frankfurt/Main sowie seiner Assistenz-, Facharzt- und Oberarztzeit in Würzburg und Bad Mergentheim im Jahr 1989 die Chefarztposition für Innere Medizin am Krankenhaus Buchen anstrebte. Eine Besonderheit war es damals, dass er diese Leitungsposition im sogenannten Teamarztsystem zusammen mit seinem Kollegen Dr. med. Bernhard Spannagel übernahm. Göttfert und Spannagel hatten vorher sechs Jahre als Oberärzte der Fachrichtungen Kardiologie bzw. Gastroenterologie gemeinsam am Caritaskrankenhaus in Bad Mergentheim gearbeitet. Durch die Doppelbesetzung erhielt die Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus Buchen 1989 ein hohes Maß an medizinischem Fachwissen, was die Belegungszahlen bald deutlich ansteigen ließ: Aus den 1.500 stationären Patienten der Jahre 1989/90 sind inzwischen 3.900 pro Jahr geworden.

In seiner langjährigen Ära als Chefarzt erlebte Dr. Göttfert in der Kardiologie bedeutende Fortschritte, die er mit seinem Team großteils auch am Krankenhaus Buchen umsetzen konnte. Beispielhaft nennt er dafür die 1989 in Buchen eingeführte Echokardiografie, den Ultraschall des Herzens, der heute zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden für dieses Organ gehört.




Seit 1990 gibt es in Buchen die Herzschrittmacherbehandlung, und die Ambulanz betreut heute pro Jahr 700 bis 800 Patienten, die mit diesem hilfreichen Gerät leben. Auch der Einsatz erster Defibrillatoren zur Behebung von Herzrhythmusstörungen gehört zu den markanten Ereignissen in der Buchener Zeit  von Dr. Göttfert. Weiterhin erwähnt er die 2006 eingeführte Herzinsuffizienz-Sprechstunde und betont deren Bedeutsamkeit, da es für herzschwache Patienten mit ihrer medikamentösen Feineinstellung wichtig sei, regelmäßig und intensiv betreut zu werden. Auch die lebenserhaltende ärztliche Hilfe im Krankenhaus bei Herzinfarkten zeigt sich heute gemäß der von Dr. Göttfert genannten Zahlen deutlich erfolgreicher als vor 30 Jahren. Lag die Sterberate von Herzinfarktpatienten im Krankenhaus damals bei ca. 20 Prozent, so konnte diese Zahl bis heute auf 5 Prozent reduziert werden. Außerdem, so fügt Dr. Göttfert hinzu, seien Vorstufen des Infarkts heute besser erkennbar und besser zu behandeln als vor 20 oder 30 Jahren. Die konsequente medikamentöse Nachbehandlung habe darüber hinaus zu einer deutlich günstigeren Prognose von Herzinfarktpatienten geführt.

Auf dem Lebensweg des Menschen und Mediziners Gerhard Göttfert geht nun eine große Etappe zu Ende, an deren Anfang folgende Wünsche standen: „Ich habe mir als junger Chefarzt gewünscht, zusammen mit einem zuverlässigen Team eine qualitativ gute Medizin anbieten zu können und wollte dies kontinuierlich tun, um Vertrauen aufzubauen. Dabei war es mir besonders wichtig, auch einen persönlichen Kontakt zu meinen Patienten zu pflegen.“ Der scheidende Chefarzt hat sich diese Wünsche zusammen mit seinen Kollegen selbst erfüllt. Darüber hinaus wurden unter den Chefärzten Göttfert und Spannagel viele niedergelassene Ärzte der Region ausgebildet. Dass sie bis heute eine besondere Beziehung zum Krankenhaus in Buchen pflegen, ist so auch als Verdienst dieses Gespanns anzusehen.

Der wache Geist von Chefarzt Göttfert, sein tiefes Wissen um Menschen und ihre Krankheiten, seine Urteilskraft, sein Mitgefühl und seine feine Art der Ironie werden Mitarbeitern und Patienten fehlen. Entsprechende Bemerkungen wehrt er aber bescheiden ab und spricht lieber von einer gut geregelten Nachfolge: „Mit Chefarzt Dr. Mahler als Gastroenterologe und dem Leitenden Oberarzt Jeschke als Kardiologe ist die Kontinuität unserer Klinik sichergestellt, davon konnte ich mich in den letzten Jahren meiner Berufstätigkeit immer wieder überzeugen. Wenn man als Kapitän von Bord geht und sein Schiff in so kompetenten Händen weiß, ist das schon ein sehr beruhigendes und gutes Gefühl. Und wenn ich ein solches Gefühl anspreche, dann muss ich an dieser Stelle auch betonen, dass ich mich über den langen Zeitraum von 24 Jahren hier am Krankenhaus Buchen sehr wohl gefühlt habe.“

Seinen neuen Lebensabschnitt möchte Chefarzt Göttfert zunächst einmal mit der Pflege von Hobbys beginnen, für die er in der Vergangenheit wenig Zeit fand: Musik, Literatur, Geschichte und Sport: „Ich bin ein begeisterter Golfer und freue mich darauf, diese Leidenschaft nun etwas stärker kultivieren zu dürfen.“ Ob er die oft zu hörende Bitte erfüllt, seine Fähigkeiten den Patienten in einem anderen Rahmen weiter zur Verfügung zu stellen, lässt Gerhard Göttfert vorerst offen. 

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