Steinbach feiert Jahrhundert-Zeugin

Steinbach. (lm) Auf stolze 100 Jahre kann am heutigen Dienstag die in der Steinbacher Seniorenresidenz „Haus Theresa“ wohnhafte Hildegard Hedwig Wunderlich zurückblicken. Hier ist die Wahlmudauerin seit einem schweren Sturz vor rund sechs Jahren zuhause. Dennoch wird ihr das von ihr zeitlebens gelebte gesellige Miteinander nicht fehlen, das ihre 39jährige Tätigkeit im Gastronomiegewerbe geprägt und gefestigt hatte.

Geboren wurde die trotz ihres Alters noch sehr agile und geistig rege Jubilarin in Gottesberg in Schlesien als mittlere von drei Töchtern des Maurermeisters Hermann Jäger und dessen Ehefrau Klara. Als sie sechs Monate alt war, wurde der Vater zum Kriegsdienst abberufen und sie sah ihn erst wieder im Alter von sieben Jahren. Nach der Schulzeit teilte sie das Schicksal vieler ihrer Alterskameraden und war lange Zeit arbeitslos, bis sie mit 18 Jahren zunächst in den sogenannten Bauten (Hütten) und dann in einem großen Hotel mit 380 Betten im Riesengebirge eine Anstellung fand. Dort lernte sie dann auch ihren Herbert kennen, der hier seinen Urlaub verbrachte. Eine Blitzheirat mit ihm im Oktober 1943 bescherte ihr, was sie eigentlich nie wollte, einen Mann aus der Gastronomie mit einem Hotel in Lublin. Während er zum Kriegsdienst verpflichtet wurde, führte Hildegard Wunderlich dieses Hotel, bis sie von den Russen vertrieben wurde und in ihr Elternhaus zurückkehren musste, wo sie in einer Brauerei eine Bürostelle fand. Doch auch hier setzte das russische Militär die Vertreibungen fort und es verschlug sie in das Sudetenland. Mit ihrer dritten Vertreibung, dieses Mal durch die Polen, kam Hildegard Wunderlich schließlich wie viele ihrer Landsleute nach Augsburg, wo sie ihren Mann als Kriegsversehrten im Lazarett wiederfand.




1946 eröffnete das Paar in Augsburg eine Trinkhalle, was einem heutigen Kiosk entspricht und danach übernahmen sie das große Cafe ,,Lowald“. Zwölf Jahre waren die Wunderlichs in Augsburg zuhause, bevor sie nach Mörs übersiedelten, wo Vater Jäger ein Hotel mit 80 Plätzen und sieben Fremdenzimmern für die beiden gebaut hatte. Auch hier waren sie zwölf Jahre sesshaft bis sie 1967 in Mudau ihre Wahlheimat fanden und glücklich waren. ,,Hier begann erst unser eigentliches Leben“, zitiert Hildegard Wunderlich ihren 1987 verstorbenen Ehemann. Von Mudau aus unternahmen die beiden lebenslustigen Rentner ihre schönsten Reisen ins europäische Ausland und darüber hinaus. Die ehemals im Mudauer Pommernweg beheimatete Jubilarin war im Seniorensport und im örtlichen VdK aktiv und ist heute noch förderndes Mitglied im Mudauer Musikverein. Einmal wöchentlich fuhr sie früher nach Amorbach zum Kegeln mit der Versehrtensportgruppe. Doch dieses Hobby musste sie mit der altersbedingten Abgabe des Führerscheins leider aufgeben, wenngleich sie mit den ehemaligen Kameraden bis heute verbunden blieb.Geistig fit hält sich die Jubilarin mit Kreuzworträtseln.

Ihren heutigen Ehrentag wird Hilde Wunderlich zusammen mit vielen Verwandten, darunter Neffe Helmut Göschel mit Frau Renate, aber auch mit Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger, Ortsvorsteher Georg Moser sowie einer Abordnung des VdK Mudau und vielen mehr feiern. Wir schließen uns den sicherlich zahlreichen Glückwünschen zum 100ten Geburtstag mit den besten Wünschen gerne an. 

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