ELR-Vorkonzeption für Mülben präsentiert

Mülben. Im Rahmen einer Ortschaftsratssitzung wurde am Dienstag eine ELR-Grobanalyse bzw. Vorkonzeption vorgestellt. Hierfür waren vom Ingenieur-Büro für Kommunalplanung (IFK) Mosbach Architekt Bruno Kuk und Landschaftsarchitektin Ines Breiding nach Mülben gekommen, wo sie von Ortsvorsteher Peter Ihrig und Bürgermeister Markus Haas begrüßt wurden. Auch zahlreiche Bürger waren gekommen, um die Konzeption kennen zu lernen. Bürgermeister Markus Haas erläuterte, dass es für jeden Ortsteil eine solche Planung geben werde. Für Weisbach und Schollbrunn wurden die Ergebnisse bereits präsentiert.

Zunächst gingen die beiden Experten auf das Programm „Entwicklung Ländlicher Raum“ (ELR) der Landesregierung ein. In Orten des ländlichen Raums, so auch in Mülben, soll das typische Ortsbild erhalten und dabei Mängel beseitigen. Somit will das Programm den Ortskern stärken. Im Gegensatz zu früher gehe Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Es sollen also Baulücken geschlossen, leerstehende oder sanierungsbedürftige Gebäude in Wohnraum umgewandelt und somit auch der Abwanderung entgegen gewirkt werden. Das Konzept  will also die Entwicklung vom Bauerndorf zum Wohndorf begleiten.

Die Gemeinde muss begleitend ein örtliches Entwicklungskonzept mit der strukturellen Ausgangslage Mülbens formulieren. Darin werden Ziele und konkrete Projekte benannt. Das Konzept ist Voraussetzung für die entsprechende Antragsstellung beim Regierungspräsidium, erläuterte Bruno Kuk. Eigentümer im sogenannten „Altort“ werde für diverse Maßnahmen Zuschüsse bis zu 50 Prozent der Kosten gewährt, so Kuk. Neben Schaffung von Wohnraum durch Umwidmung, Modernisierung und energetischer Sanierung werde auch die Schaffung von Arbeitsplätzen gefördert.

Dass man sich in Mülben derzeit am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ beteilige, passe hervorragend zur Grobanalyse. Im Rahmen des ELR-Konzepts wolle man Altes bewahren und in die Zukunft transformieren. Daher gebe es einige Schnittstellen für beide Vorhaben.




Bereits im Vorfeld hatten Kuk und Breiding in Mülben die Bausubstanz ermittelt. So konnten sie im Bürgerhaus darstellen, dass es in der „Kleinen Schweiz“, so eine historische Bezeichnung des Mülbener Altorts aufgrund Schweizer Neusiedler nach dem 30-jährigen Krieg, momentan  119 Häuser stehen. 42 davon sind Wirtschafts- bzw. Landwirtschaftsgebäude und somit 77 Wohngebäude. Mit fünf Gebäuden gebe es in Mülben relativ wenig Leerstand, wusst Kuk zu berichten. An 23 Häuser hatten die Experten bei der Bestandsaufnahme Modernisierungsbedarf erkannt, elf Baulücken wurden lokalisiert und 24 Plätze bilden eine sogenannte Baureserve, die bei Bedarf aktivieren könne.

Anschließend erläuterte die Planer vom Büro IfK die konkreten Schritte. Ein Bauherr müsse nach einem Abstimmungsgespräch mit dem Dorfentwicklungsplaner Angebote für die anfallenden Gewerke einholen sowi eine Kostenzusammenstellung und eine zeichnerische Darstellung einreichen. Ab Oktober 2014 kann die Gemeindeverwaltung dann einen ELR-Sammelantrag beim Regierungspräsidium in Karlsruhe einreichen. Eine eventuelle Bewilligung gehe im Mai 2015 ein. Es gebe allerdings kein Recht auf einen Zuschuss. Allerdings sei die Einbindung in ein Gesamtkonzept wie es auch aus dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ resultiere, von Vorteil bei einer Bewilligung sein. Die Bauphase beginnge nach Erhalt der Zusage. Nach weiteren Abstimmungsgesprächen mit dem Dorfentwicklungsplaner während der Bauphase, erstelle der Bauherr eine Dokumentation und müsse Rechnungen sammeln, bis die Gesamtkostensumme des Antrags erreicht ist. Diese Unterlagen werden dann bei der L-Bank eingereicht.

Nach der Vorstellung der Rahmenbedingungen gingen Bruno Kuk und Ines Breiding auf mögliche kommunale Maßnahmen ein. So sei die Erneuerung der Fahrbahndecke mit dorfgerechter Straßenraumsanierung der Markgrafenstraße mit der Neugestaltung des Wanderparkplatzes „Hardenberg“ ebenso denkbar, wie die Aufarbeitung der historischen Viehtränke mit Platzausbildung in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kurpark. Weitere Maßnahmen die begleitend denkbar wäre, sei der Rückbau des Betonkastenprofils mit Renaturierung und Eingrünung des Höllbachs, Fußwegeverbindungen und punktuelle Begrünungsmaßnahmen.

Anhand von Fotos bereits realisierter Maßnahmen erläuterten Kuk und Breiding abschließend wie die Umsetzung eines solchen Konzepts konkret aussehen könnten und dadurch ortsbildprägende Gebäude erhalten und der ländliche Charakter eines Dorfes gestärkt werden könne.

Nachdem Bürgermeister Markus Haas und Ortsvorsteher Peter Ihrig den beiden Planer gedankt hatten, gab das Gemeindeoberhaupt bekannt, dass Ende Juni eine Kommission nach Mülben komme, um die Bemühungen im Rahmen von „Unser Dorf hat Zukunft“ zu bewerten. Hierzu sei die Bevölkerung herzlich eingeladen.

Bruno Kuk und Ines Breiding stellten sich danach anhand einer erstellten Karte den Fragen zum ELR-Grobkonzept, das in Diskussion und Abstimmung mit den Bürgern weiterentwickelt werden soll.

 500 ELR Konzept vorgestellt

Planerin Ines Breiding vom Ingenieurbüro für Kommunalplanung (IfK) Mosbach erläutert Bürgermeister Markus Haas und Ortsvorsteher Peter Ihrig das von ihr und Kollege Bruno Kuk erstellte Konzept für den Waldbrunner Ortsteil Mülben. (Foto: Hofherr)

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