Mahnwache zum 28. Tschernobyl-Jahrestag

Atomausstieg und Energiewende müssen dringend umgesetzt werden

Mosbach. (pm) Wie schon oft in den letzten 28 Jahren bildete sich auf dem Kirchplatz in Mosbach wieder ein Kreis von Menschen, um auf die bis heute nicht bewältigten Folgen der  Atomkatastrophe in Tschernobyl im Jahr 1986 aufmerksam zu machen. Zu der Mahnwache aufgerufen hatte die Initiative AtomErbe Obrigheim, die den Rückbau des Atomkraftwerks Obrigheim kritisch verfolgt und dafür höhere Sicherheitsmaßnahmen und mehr Transparenz fordert. Gertrud Patan von der Initiative bedauerte, dass es selbst zum Jahrestag kaum Informationen in den Medien darüber gebe, wie es den Menschen in der Region um das havarierte Atomkraftwerk geht und in welchem Zustand sich der Reaktor befindet. Sie hatte im Internet recherchiert und einen Artikel der Zeitung „Die Welt“ von Januar 2013 gefunden, in dem beschrieben wurde, dass der „Sarkophag“, der direkt nach der Katastrophe unter Lebensgefahr von russischen Soldaten errichtet wurde, inzwischen einstürzt und dass ein neues Gewölbe darüber gebaut wird, das 2015 fertiggestellt werden soll. Sie erinnerte sich auch an den 1. Mai 1986, an dem es nach einem nasskalten April erstmals schönes Wetter war. Viele Menschen hielten sich im Freien auf, gerade auch Familien mit Kindern. Auf dem Marktplatz in Mosbach fand damals noch die Maifeier der Gewerkschaft statt, an der viele Menschen teilnahmen. Die Warnung, dass man sich nicht draußen aufhalten sollte, weil eine radioaktive Wolke über Deutschland zog, kam erst am Tag danach.

Mahnwache 2014 04

(Foto: privat)

Mit der Mahnwache wurde auch auf die Gefahren der Atomenergie hingewiesen und die konsequente und beschleunigte Energiewende gefordert. Christine Denz, grüne Kreisrätin und im Vorstand der Bürgerenergiegenossenschaft, berichtete über die Probleme der aktuell beabsichtigten Änderung des EEG. Wind und Sonne seien die umweltfreundlichen Energieträger der Zukunft. Windstrom sei mittlerweile die billigste Form der Stromerzeugung bei den Erneuerbaren, und Photovoltaikstrom werde in kurzer Zeit konkurrenzfähig sein. Mit den zur Zeit beabsichtigten Änderungen des Erneuerbare Energiengesetzes (EEG) seien eine Begrenzung des Ausbaus und massive  Förderkürzungen verbunden. Die bisherige positive Entwicklung dürfe nicht abgewürgt werden, obwohl die Lobby der Energiekonzerne daran arbeite. Die Politik dürfe dem nicht nachgeben.

 Um 5 vor 12 wurde in einer Schweigeminute an die damals und heute unter den Folgen der  Atomkatastrophe leidenden Menschen gedacht, ebenso an die zukünftigen Generationen, die die Last des Atommülls werden tragen müssen. Danach verlegten die Teilnehmenden den Kreis der Mahnwache spontan für einige Minuten auf den belebten Marktplatz (Foto), wo sie von den Passanten und Passantinnen bestätigende Rückmeldungen bekamen.

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