2. OB-Check Mosbach – Vision, Wirtschaft, Wandel

Michael Jann

(Foto: pm/Archiv)

Mosbach. Als einziger Kandidat steht Amtsinhaber Michael Jann am Sonntag, den 29.06.14, auf dem Stimmzettel der Oberbürgermeisterwahl in Mosbach. Der Wahlausgang ist somit bereits im Vorfeld klar, denn ohne Gegenkandidat wird OB Jann für weitere acht Jahre auf den Chefsessel im historischen Mosbacher Rathaus gewählt. Dennoch war er bereit, sich den Fragen des NOKZEIT-(Ober)Bürgermeister-Checks zu stellen.

Gestern erläuterte Michael Jann warum er der richtige Oberbürgermeister für Mosbach ist. Heute stellt er seine Visionen vor. Dabei hebt er hervor, dass Visionen nicht ohne die Themen Wirtschaft und Demographischer Wandel betrachtet werden können, weshalb er die Fragen 4 und 5 gleich mit beantwortet.

2. Welche Vision haben Sie für Mosbach Wo sollen die Stadt und ihre Ortsteile im Jahr 2022 stehen? Gerade die Diskussionen um die Neckartalkaserne und die damit einhergehenden Fragen zur Konversion, der Gartenweg und die Leerstände in der Altstadt, sind Zukunftsfragen denen ein neues Stadtoberhaupt begegnen muss. Was werden Sie tun, um mögliche negative Folgen zu vermeiden und positive Perspektiven für die Stadt und ihre Bürger_innen zu entwickeln?

4. Welche Akzente wollen Sie im Bereich der kommunalen Wirtschaftspolitik setzen? Was unternehmen Sie, um weitere Unternehmen in Mosbach anzusiedeln bzw. zu halten?

5. Der demographische Wandel betrifft Mosbach ebenso wie andere Gemeinden im Ländlichen Raum. Laut der Vorausberechnung des Statistischen Landesamts werden 2022 insgesamt etwa 2.000 Menschen weniger in Mosbach leben als heute. Darüber hinaus wird es zu massiven Verschiebungen in der sogenannten Alterspyramide kommen, sodass eine Seniorenkommune „droht“. Wie wollen Sie diesem Trend begegnen und damit die Prognose umkehren? Was werden Sie unternehmen, um dem alternden Mosbach gerecht zu werden? Was tun Sie für junge Menschen? Was macht die Stadt überhaupt für Neubürger_innen attraktiv?

OB Michael Jann: Zukunft braucht Herkunft. Deshalb ist es mir äußerst wichtig, Bewährtes nicht über Bord zu werfen, sondern vielmehr stetig zu verbessern und weiter zu entwickeln. Lassen Sie mich einige wenige Anmerkungen zu den von Ihnen aufgeworfenen Themenkomplexen machen. Seit Jahren sind wir bemüht, den Einkaufs- und Handelsstandort Mosbach voranzubringen. Aus diesem Grund gibt seit auch seit längerem ein Citymanagement und ein Stadtmarketing, das sich hervorragend bewährt hat. Städtische Aufgabe ist es, dem Handel eine attraktive Infrastruktur zu bieten. Vor Jahren gab es daher das Modell des Bussiness Improvement District, kurz BID genannt. Dies war als eine Vereinbarung zwischen Händlerschaft und Stadt zu verstehen, wobei sich insbesondere die Stadt zu gewissen Verbesserungen verpflichtete, um einen für den Kunden attraktiven Handelsstandort bieten zu können. In Mosbach hat das auch ohne eine vertragliche Vereinbarung funktioniert. Unter diese Maßnahmen fallen zum Beispiel die bereits erwähnte Pflastersanierung und Begrünung, als auch die neue Stadtmöblierung sowie die Umsetzung des Beleuchtungskonzeptes für die Altstadt. Natürlich spielt hier das Thema neue Altstadtsanierung eine gewichtige Rolle. Entstehen dadurch nicht nur energieoptimierte Immobilien, sondern auch im verstärkten Maße neuer Wohnraum in den Obergeschossen der Ladengeschäfte, die vornehmlich von jungen Leuten bezogen werden.

Die Erlebnismärkte und die Sommeraktionen – in diesem Jahr die Installation „Alltagsmenschen“ der Künstlerin Christel Lechner – unseres Citymanagements runden das Bild ab. Der Mosbacher Sommer ist zwar hauptsächlich ein Kulturevent, das aber zusätzlich der Belebung der Innenstadt dient und den Bekanntheitsgrad der Stadt auch weit über die regionalen Grenzen hinausträgt. Dies belegt unter anderem die Zentralitätskennziffer von 157,47. Eine Zentralitätskennziffer unter 100 drückt aus, dass Kaufkraft nach außen abfließt, eine über 100, dass Kaufkraft in die Gemeinde fließt. Unsere Kennziffer ist eine der höchsten in ganz Baden-Württemberg, was die Bedeutung des Einzelhandelsstandortes Mosbach klar zum Ausdruck bringt.

Dazu gehört auch die Entwicklung neuer Handelsstandorte, wie z.B. der am Gartenweg. Bereits das 2008 von Mosbach Aktiv und der Stadt Mosbach gemeinsam in Auftrag gegebene Einzelhandelskonzept beschreibt Mosbach als einen attraktiven Standort für Einzelhandel. Was jedoch fehlt sind großflächige Angebote von Geschäften mit Magnetwirkung in der ansonsten von kleinteiligen Ladenflächen geprägten Altstadt im Schnitt von nicht mehr als 200 m². Diese Abrundung wird jetzt mit den neuen Geschäften am Gartenweg erreicht. Im Übrigen wurde die Bebauung am Gartenweg von Anfang an im Einvernehmen mit Mosbach Aktiv, dem aktiven Gewerbe Elz Neckar und der IHK Mosbach entwickelt.

Die von Ihnen angesprochenen Leerstände kann ich allerdings nicht bestätigen, jedenfalls nicht der Weise, dass diese ein Problem für den Standort bedeuten würden. Zudem hat nicht jeder Leerstand etwas mit einem Tun oder Unterlassen der Stadt, ihres Gemeinderates oder Oberbürgermeisters zu tun. Leerstände können vielerlei Ursachen haben; zum Beispiel ein überkommenes Geschäftsmodell, geändertes Käuferverhalten durch vermehrtes Online Shopping, altersbedingtes Ausscheiden des Inhabers ohne Nachfolger oder überhöhte Mietforderungen eines Eigentümers und vieles mehr. Dies sind Dinge, die die Stadtverwaltung nur in geringem Maße oder gar nicht beeinflussen kann. In der 1 a Lage der Fußgängerzone sind mir jedenfalls nur drei Leestände bekannt, die allesamt unter eine der oben genannten Kategorien fallen. Im Vergleich mit anderen Mittelzentren stehen wir aber vergleichsweise sehr gut da, weil wir im Gegensatz zu anderen, eben gerade nicht auf eine Entwicklung auf der grünen Wiese gesetzt haben, sondern auf eine konsequente Entwicklung der Innenstadt. Aber auch in der ein oder anderen Großstadt finden sich Leerstände. Der Handel ist eben auch dort einem ständigen Wandel unterzogen.

Auch das Thema Kasernenareal hat den Gemeinderat und die Verwaltung und schließlich auch den Bürgerrat und die Bürgerschaft intensiv beschäftigt. Die jetzt gefundene Lösung, dass dort eine gewerbliche Nutzung gepaart mit den Themen Aus- und Fortbildung sowie einem eventuellen Forschungsansatz in Richtung neue Verwertungstechniken von Photovoltaikanlagen stattfinden soll, hat den Gemeinderat überzeugt, so dass ein einstimmiger Aufstellungsbeschluss für den erforderlichen Flächennutzungsplan erfolgte.

Zudem werden durch die mögliche Ansiedlung des bekannten Recyclingunternehmens neue Arbeitsplätze geschaffen und wertvolle innerstädtische Gewerbeflächen frei, die man künftig einer anderen Nutzung zuführen kann.

Die Beantwortung der Fragen, welche Visionen ich habe, wie ich dem demographischen Wandel entgegenwirken und welche Akzente ich im Bereich der Wirtschaftspolitik setzen will, möchte ich gerne im Zusammenhang beantworten, um Wiederholungen zu vermeiden, denn meiner Ansicht nach hängen diese Fragekomplexe alle miteinander zusammen, so dass der eine Teil nicht ohne den anderen beantwortet werden kann.

Die demographische Entwicklung ist kein spezielles Mosbacher Problem. Diese Entwicklung, dass wir „weniger, älter und bunter werden“ ist in allen entwickelten Volkswirtschaften der EU zu beobachten. Dieses Phänomen trifft allerdings die ländlichen Räume härter als die sogenannten Ballungsräume. Allein der Neckar-Odenwald-Kreis hat in den letzten zehn Jahren rund 10.000 Einwohner verloren. Daher würde ich es als etwas vermessen ansehen, diesen Trend umkehren zu können. Zudem gibt es hier auch keine Patenrezepte, sonst hätten alle schon mit den entsprechenden Gegenmaßnahmen begonnen. Meines Erachtens gibt es aber Möglichkeiten, den Trend zu verlangsamen, abzumildern und vielleicht sogar zum Stillstand zu bringen. Und damit meine ich ganz sicher nicht, abzuwarten bis die Talsohle erreicht ist. Dafür ist das Thema für uns alle zu brisant. Nein, es heißt jetzt gegenzusteuern und als Mittelzentrum im ländlichen Raum – aber mit allen Funktionen eines Oberzentrums versehen – haben wir gute Chancen dazu.

Aber das heißt für mich auch, dass wir auf allen Gebieten gut und attraktiv sein müssen. Insbesondere in den Bereichen Bildung und Betreuung und damit natürlich auch bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Wirtschaft und der Arbeitsplätze, bei Freizeit und Sport, Kultur und den außerschulischen Bildungsangeboten, der Gesundheitsversorgung, dem ÖPNV und dem Schienenpersonennahverkehr (SPNV), der Daseinsvorsorge für die jüngere wie auch die ältere Generation, um nur die wichtigsten Bereiche genannt zu haben.

Nur wer diese Komponenten in einem höchsten Maße bereithalten und weiterentwickelt, wird auch in Zukunft attraktiv bleiben.

Gerade bei Thema Bildung und Betreuung heben wir uns deutlich von anderen ab. Wir konnten bisher, trotz rückläufiger Kinderzahlen, alle 19 Kindertagesstätten erhalten, da es uns zusammen mit den kirchlichen und privaten Trägern gelungen ist, bisher wegfallende Kindergartengruppen durch jeweilige Kleinkindbetreuungsgruppen in der gleichen Einrichtung zu ersetzen. Von der Kleinkindbetreuung an über den Kindergarten und die Grundschule, bis hin zu allen weiterführenden Schularten, mit derzeit der Ausnahme der Realschule, gibt es in Mosbach durchgängig die Möglichkeit, sein Kind ganztägig betreuen zu lassen. An der Einführung der Gemeinschaftsschule arbeiten derzeit Verwaltung, Schulleiter, staatliches Schulamt und Gemeinderat. Ein nächster Schritt ist dann die Einbeziehung der Eltern und Schülervertreter. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist somit weitestgehend gewährleistet.

Ein weiterer Aspekt ist aber auch die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Zu besseren gesetzlichen Regelungen ist hier der Bund aufgerufen. Dies kann die Kommune nicht alleine lösen. Wichtig sind hier aber das Vorhandensein entsprechender ambulanter Pflegedienste und stationärer Einrichtungen, sowie die notwendigen Therapeuten, Ärzte, Fachärzte und stationären Gesundheitseinrichtungen vor Ort. Das Jahr 2019 rückt näher, bei der alle stationären Pflegeinrichtungen verpflichtet sein werden, nur noch Einbettzimmer vorzuhalten. Auch hier ist die Stadt Mosbach mit der Diakonischen Altenhilfe auf dem Weg, das Pfalzgrafenstift als gemeinsame Einrichtung entsprechend zu ertüchtigen. Eventueller Bedarf an weiteren stationären Plätzen kann in Zusammenarbeit mit entsprechenden Trägern in vertretbarer Zeit gedeckt werden.

Ein weiterer wichtiger Bildungsbaustein ist die Duale Hochschule Baden-Württemberg am Standort Mosbach. Hier können junge Mosbacher nicht nur Ihren Bachelor erwerben, sondern in absehbarer Zeit auch ihren Masterabschluss machen. Eine Weiterentwicklung auf stabilem Niveau von ca. 3.200 bis 3.500 Studenten am Standort Mosbach scheint wahrscheinlich, trotz entgegenstehender demographischer Entwicklung. Dies bedeutet aber trotz des Neubaus am Standort Lohrtalweg, dass die sich dort befindlichen Container nicht ganz abgebaut werden können. Dies ist eine weitere Chance für den jetzt schon bestehenden weiteren Standort Johannes Diakonie, wo bereits 200 Studenten in frei gewordenen Räumen des Berufsbildungswerkes unterrichtet werden. Für weitere Entwicklungen an diesem Standort bestehen gute Aussichten.

Diese Studenten sind natürlich auch hervorragende Nachwuchskräfte für unsere heimische Wirtschaft, womit wir beim nächsten Thema wären.

Ein Gradmesser für die Lage der Wirtschaft ist die Arbeitslosenstatistik bzw. die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer am Arbeitsort. Die Arbeitslosigkeit beträgt im Bezirk Mosbach auch im Mai 3,8 %. Dies sind sowohl Empfänger von Arbeitslosengeld I, als auch ALG II. Damit liegt der Bezirk Mosbach unter dem Landesschnitt und auch dem Schnitt der Arbeitslosigkeit im Neckar-Odenwald-Kreis. Zudem verfügt Mosbach über einen Einpendlerüberschuss von 4.000 Personen. 8.000 Personen fahren nach Mosbach, um dort einer Beschäftigung nachzugehen, während nur die Hälfte, also 4.000 Personen, aus Mosbach in andere Arbeitsorte fahren. Zudem hat die Stadt ihre Anzahl an sozial-versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen in den vergangenen drei Jahren von 11.633 auf 12.303 steigern können. Sinsheim hatte im Vergleich dazu in 2013 12.508 und Buchen 6.090 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. Deutlich über die Hälfte dieser Menschen sind im Bereich der sonstigen Dienstleistungen beschäftigt. Welche Betriebe verstecken sich hinter diesem etwas wenig aufschlussreichen Begriff? Es sind dies insbesondere die Unternehmen des Gesundheitssektors. Damit wird deutlich, welche Bedeutung diese Branche für den Arbeitsstandort Mosbach hat. Dazu zählen nicht nur die NOK Kliniken, die Ärzte und Therapeuten, sondern vor allem auch die Johannes Diakonie am Standort Mosbach, die größte Behinderteneinrichtung in Baden-Württemberg. Diese befindet sich derzeit in einem Umstrukturierungsprozess, den Stadt, OB und Gemeinderat sehr nahe begleiten. Als Stichworte seien hier nur Inklusion, Dezentralisierung und Ambulantisierung genannt, will heißen, dass künftig weniger behinderte Menschen am Komplexstandort leben werden, sondern vielmehr in kleinen Wohngruppen in Mosbach und vor allen Dingen in ihren Herkunftsorten. Deshalb gilt es, den Komplexstandort Johannes Diakonie vorausschauend weiterzuentwickeln. Hierzu sind wir in ständiger Abstimmung mit dem dortigen Vorstand. Ein wichtiger Baustein dieser Weiterentwicklung ist der Neubau der psychiatrischen Klinik mit nahezu 100 Betten und 140 Arbeitsplätzen.

Größtes Problem bei der Wirtschaftsförderung ist immer, den Betrieben anforderungs-gerechte Entwicklungsmöglichkeiten bieten zu können. Derzeit können wir diesen Bedarf über unser neu entwickeltes Gewerbegebiet im Weißen Feld II abdecken. Eine Erweiterung ist derzeit in Planung. Weitere Flächen, insbesondere für den flächenmäßig größeren Bedarf, stehen im Gewerbegebiet TECHNO auf der Asbacher Höhe zur Verfügung. Wie bereits erwähnt, könnten weitere innerstädtische Gewerbeflächen in einem mittelfristigen Zeitraum durch einen eventuellen Umzug der Fa. INAST frei werden, die durch Ausweisung eines entsprechenden Sanierungsgebietes neu geordnet werden könnten. Durch die Konzentration auf den Standort Neckartalkaserne, könnte die Firma am Standort Mosbach auf bis zu 200 Mitarbeiter aufwachsen.

Nach wie vor ist die Anbindung der Gewerbegebiete an die Datenautobahn ein schwieriges, aber essentielles Geschäft. Viele Betriebe sind aufgrund der heute üblichen Datenmengen auf schnelles Internet angewiesen. Zwar sind die Wohngebiete in Mosbach durchweg gut versorgt und künftig auch die Ortsteile Reichenbuch und Sattelbach, nachdem wir hier in das entsprechende Förderprogramm aufgenommen wurden, aber in die Gewerbegebiete wurden damals keine Kabel verlegt, da dort eben keine Fernsehnutzer zu erwarten waren. Leider sind die bürokratischen Hürden hier sehr hoch gelegt und die versprochene IT – Offensive der Bundesregierung lässt auch auf sich warten, so dass keine schnellen und umfassenden Lösungen verwirklicht werden können, obwohl man an kreativen Lösungen arbeitet.

Eine weitere Problematik für den Wirtschaftsstandort Mosbach ist die fehlende Nähe zur realen Autobahn. Auch dies wird kurzfristig nicht zu lösen sein, obwohl wir mit dem Neckar-Odenwald-Kreis, dem Rhein-Neckar-Kreis und auch dem Landkreis Heilbronn starke Verbündete haben, da auch deren Kommunen teilweise im Verkehrsschatten liegen. Am langsamen Ausbau der B 292 Richtung Sinsheim, erkennt man, dass hier noch dicke Bretter zu bohren sind. Dennoch entwickeln sich unsere Unternehmen derzeit stabil und zwar nach oben. Meine Maxime lautet nach wie vor, dass Wirtschaftsförderung Chefsache ist.

Genauso wichtig ist es für eine Stadt, attraktive und lebendige Vereine zu haben und darüber hinaus entsprechende Sport- und Freizeitmöglichkeiten bieten zu können. Deshalb haben wir zum Anfang meiner ersten Amtszeit die Arbeitsgemeinschaft Mosbacher Sportvereine gegründet. Diese wählt den sogenannten Sportbeirat, der die Arbeit des Gemeinderates und der Verwaltung aus Sicht der Vereine begleitet und unterstützt und somit als deren Interessenvertretung fungiert. Ebenso wurde die Stelle des Sportbeauftragten neu geschaffen. Er ist für alle Angelegenheiten des Sports zuständig, bündelt die verschiedenen Stellen der Verwaltung, die sich mit Sportangelegenheiten beschäftigen, so dass die Vereine einen nur für sie zuständigen Ansprechpartner haben. Derzeit befassen sich Verwaltung, Sportbeirat und Gemeinderat mit einem Sportentwicklungsplan. Hierzu werden zunächst Basisdaten zur Sport- und Vereinsstruktur erhoben. Diese Phase ist so gut wie abgeschlossen. In Phase II werden die Vereine befragt, welche zukünftigen Bedarfe gesehen werden. In der letzten Phase werden aus den zuvor gewonnenen Erkenntnissen Schlüsse zur zukünftigen Entwicklung der Vereine und des Sports abgeleitet und in ein Konzept überführt. Hier wird es insbesondere um neue zielgruppenorientierte Angebote und mögliche Kooperationen zur besseren Auslastung von Ressourcen gehen.

Das Kulturangebot zählt zwar zu den sogenannten weichen Standortfaktoren, ist aber meiner Meinung nach ein nicht zu unterschätzender Baustein einer attraktiven Kommune. Der Mosbacher Sommer ist mittlerweile zum kulturellen Markenzeichen Mosbachs geworden. Seine Ausstrahlung reicht weit über die Grenzen Mosbachs hinaus, insbesondere bei den großen Open Air Konzerten. Mit deutlich über 30 Veranstaltungen ist hier über die Sommermonate richtig was geboten. Aber auch die Badische Landesbühne trägt mit ihrem Theaterprogramm zur kulturellen Vielfalt bei. Selbst eine kleine, aber feine Kunsthalle ist bei uns zu finden. Es ist das Alte Schlachthaus im Stadtpark, wo der Kunstverein Neckar- Odenwald heimischen und international renommierten Künstler mehrmals im Jahr eine Plattform für hochkarätige Ausstellungen bietet. Das Stadtmuseum bietet neben seinen Dauerausstellungen mit drei gut besuchten Sonderausstellungen einen Blick in das Fenster der Geschichte Mosbachs und der näheren Umgebung. Die Stadtbibliothek mit ihrem umfangreichen Angebot an Büchern, Zeitschriften, Zeitungen, elektronischen Medien und pädagogischen Angeboten ist ein Anziehungspunkt für alle an Literatur Interessierten. Autorenlesungen und Buchwochen runden das Angebot ab. Übrigens ist die Stadtbibliothek Mosbach, die einzige, die mit hauptamtlichen Fachkräften besetzt ist und deshalb nicht nur Nutzer aus Mosbach, sondern aus dem gesamten Mittelbereich hat. Mit dem Umzug in die neue Mediathek im Gartenweg wird das jetzt schon gute Angebot noch erweitert werden können, da deutlich mehr Flächen zur Verfügung stehen werden. Vor allen Dingen die Arbeit mit Schülern kann dort intensiviert werden, gilt es doch den jungen Menschen Medienkompetenz, d.h. die richtige Nutzung von Internetmedien, zu vermitteln.


Mit dem Auszug der Bibliothek werden Räume im alten Hospital frei. Dies bietet eine enorme Entwicklungschance für unser auf viele Gebäude verteiltes Stadtmuseum sich dort zu konzentrieren. Dies hätte den Vorteil, dass insgesamt nicht mehr so viele ehrenamtliche Aufsichten gebraucht würden. Welche große Bedeutung unser Museum hat und wie sehr es in unserer Bevölkerung verwurzelt ist, zeigt die beeindruckende Zahl von 100 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die dort während der Öffnungszeiten ihren Dienst versehen.

Einen großen Beitrag zur kulturellen Vielfalt trägt auch unser Kultur- und Tagungszentrum Alte Mälzerei bei. Unzählige Eigen- und Fremdveranstaltungen aus den Bereichen Musik, Theater, Unterhaltung und gesellschaftliche Ereignisse finden dort jährlich statt. Derzeit überlegt man in der Verwaltung, wie man das räumliche Angebot insbesondere im Foyer noch verbessern kann. Ebenfalls werden derzeit Überlegungen angestellt, ob man zur Ergänzung der Tagungs- und Seminarräume noch ein dem entsprechendes Hotel errichtet.

Wichtige Kulturträger, aber auch außerschulische Bildungsträger, sind unsere Musikschule, Volkshochschule und die Jugendkunstschule. Dort werden jungen Menschen, Berufstätigen aber auch Senioren klassische Kulturangebote, musikalische Erziehung und Weiterbildung geboten.

Ein ganz besonders wichtiger Standortfaktor für unsere Bevölkerung ist eine gute und wohnortnahe Gesundheitsversorgung. Hier ist Mosbach als Mittelzentrum gut aufgestellt. Die Versorgung mit Haus- und Fachärzten ist gewährleistet. Das Ärztehaus am Standort der NOK Kliniken leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Entscheidend ist auch der Erhalt des Mosbacher Krankenhauses in öffentlicher Trägerschaft des Landkreises zur Versorgung unserer Bevölkerung. Gerade die Ambulanz ist in den Abendstunden, an Wochenenden und Feiertagen eine nicht wegzudenkende Einrichtung, die die Versorgung unserer Bürger in Notfällen sicherstellt. Dafür lohnt es sich meines Erachtens nach zu kämpfen. Mit dem Neubau der Diakonie Klinik ist auch die stationäre psychiatrische Versorgung umfassend, das heißt für alle Altersgruppen, sichergestellt.

Wie bereits eingangs erwähnt ist auch die verkehrliche Anbindung der Stadt von herausragender Bedeutung. Auch hier ist die Stadt Mosbach gut aufgestellt. Zahlreiche Busverbindungen wie auch die zwei Stadtbuslinien bieten angemessene Möglichkeiten inner- außerörtliche Ziele zu erreichen. Gleiches gilt für die S- Bahn Rhein Neckar und die hoffentlich zeitnah verkehrende Stadtbahn Nord in Richtung Heilbronn. Der Neckar als Schifffahrtsweg bietet Alternativen zum Straßen- und Schienentransport von Gütern.

Mangelhaft ist nach wie vor die Anbindung an die jeweiligen Autobahnanschlüsse Sinsheim, Heilbronn und Osterburken. Dies ist oftmals ein großes Hemmnis für die Ansiedelung von neuen Firmen in unserer Region. Im Bereich der B 292 in Richtung Sinsheim schreitet zumindest der dreistreifige Ausbau voran, wenn auch aus unserer Sicht immer noch zu langsam. Mit der Fertigstellung des Tunnels bei Adelsheim werden kürzere Fahrzeiten zum Anschluss Osterburken möglich. Nur in Richtung Heilbronn ist derzeit kein Silberstreif am Horizont erkennbar. Dort wäre die einzige vernünftige Lösung, Ortsumfahrungen zu bauen. Trotz erheblichen Drucks von öffentlicher wie auch privater Seite ist hier wenig Bewegung erkennbar. Hier muss man weiter am Ball bleiben.

Aus der Länge meiner Antwort wird unschwer erkennbar, dass es sich um komplexe Zusammenhänge handelt, wenn man das Thema demographische und zukünftige Entwicklungen angeht. Meines Erachtens führt hier nur ein ganzheitlicher und nachhaltiger Ansatz zum gewünschten Erfolg.

OB-Check auf NOKZEIT:

1. Warum Sie? – www.NOKZEIT.DE/1-oberbuergermeister-check-mosbach-warum-sie/

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