„Schwachsinn“ im Mudauer Gemeinderat

Gemeinderat lehnt Renaturierung des Mud ab – Verkehrssituation in Langenelz ebenfalls Thema – Christbaum-Plantagen im Wartestand

Mudverdolung

Das namensgebende Bächlein Mud, laut Gemeinderat Michael Hemberger an 300 Tagen im Jahr trocken, scheiden sich im Gemeinderat Mudau derzeit die Geister. Gemeinderat Andreas Schölch befürchtete die größte Fehlentscheidung und bezeichnete die Öffnung der Mud als Schwachsinn. (Foto: Liane Merkle) 

Mudau. (lm) Die Gemeinde kann demnächst den Ausbau der Prof.-Albert-Schneider-Straße im Ortsteil Steinbach vornehmen. Wie in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates mitgeteilt wurde, liegen zwischenzeitlich die Zusagen für Förderungen aus Mitteln des Landes für den Straßenbau und aus dem Topf der Wasserwirtschaft für die Kanalsanierung vor. Die Gesamtbaumaßnahme beinhaltet den Straßenbau, Kanalsanierung und die Wasserversorgung. Nach Auswertung der Ausschreibung erhielt als günstigster Bieter die Firma Mackmull GmbH aus Elztal-Auerbach den Zuschlag zum Angebotspreis von 1.841.189 Euro sobald die Voraussetzungen durch die Mittelbewilligung vorliegen – wenn alles gut geht, ab Ende Juli. Gleichzeitig erhielt die Firma Netze BW aus Tauberbischofsheim den Auftrag zur Errichtung der Straßenbeleuchtung mittels Kofferleuchten mit LED-Bestückung in dieser Straße sowie dem Umfeld zum Angebotspreis von 81.321 Euro.

Planmäßig steht in diesem Jahr ein weiterer Erschließungsabschnitt für das Baugebiet „Brückengut III“ mit 14 Bauplätzen an ab dem oberen Kreisverkehrsplatz. Gleichzeitig wird die bestehende Wasserförderleitung zum Wasserturm Schloßau in die Fahrbahn der neuen Straße umgebettet. Diesen Auftrag erhält als günstigster Bieter die Firma Meny-Bau GmbH aus Mosbach zum Angebotspreis von 502.029 Euro. Mit der Erweiterung der Straßenbeleuchtung mit 10 Kofferleuchten (LED) Austausch von 16 Leuchten mit Quecksilberdampfbeschickung im Birkenweg wird für 22.480 Euro durch die Netze BW GmbH aus Tauberbischofsheim erfolgen.

Mit zehn Gegenstimmen gegenüber nur sieben Befürwortern wurde der Beschlussvorschlag der Verwaltung zur Beauftragung der Sanierung der Mudbachverdolung in Mudau in offener Bauweise zur Renaturierung abgelehnt trotz der angehängten Anträge der CDU-Bürgerliste, die im Vorfeld zum einen schriftliche Garantieren im Vorfeld forderten, dass den Anwohnern und Betrieben keine finanziellen oder sonstige Nachteile entstehen oder die Wirtschaftlichkeit gefährdet ist bzw. die 127.000-Euro-Förderung vom Ökokonto tatsächlich kommt.

Die Diskussionen im Vorfeld der Abstimmung waren heftig. Gemeinderat Michael Hemberger brachte sein Unverständnis über den Sinn einer Renaturierung der an 300 Tagen im Jahr trockenen Mud deutlich zum Ausdruck. Andreas Schölch befürchtete die größte Fehlentscheidung und bezeichnete die Öffnung der Mud als Schwachsinn. Ortsvorsteher Klaus Erich Schork gab das mittlerweile dritte einstimmige Veto der Ortschaftsverwaltung zur Öffnung der Mud in diesem Bereich bekannt und bezweifelt ernsthaft den Anteil des Ökokontos in Höhe von 127.050 Euro.

Wie Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger mitteilte, sieht die Verwaltung nach wie vor die Renaturierung als die kostengünstigste  und nachhaltigste Sanierungsart an im Sinne der Umsetzung des Gesetzes. Vorangegangen seien ausführliche Gespräche mit den Listensprechern der im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen sowie deren Bausachverständigen und Ergebnisse eingeholter Angebote. Neben der o.a. Renaturierung standen noch als Varianten eine Innenbeschichtung  und die Auskleidung mit glasfaserverstärktem Kunststoffrohr als Varianten zur Entscheidung, für die es jedoch keine Fachförderung gibt bei einem Gemeindeanteil in Höhe von 172.500 bis 454.250 Euro je nach Sanierungsart. Die Dipl.-Ingenieure Oswald Gehringer und Marco Rieß als Vertreter des Ing.-Büros Sack und Partner aus Adelsheim hatten den Sachverhalt der 430.000 Euro umfassenden Baumaßnahme in offener Sanierung bei einem Eigenanteil der Gemeinde in Höhe von 96.500 Euro erläutert.

Zustimmen konnte das Gremium der Auftragsvergabe zur Erstellung eines allgemeinen Kanalplans für die Gemeinde Mudau durch das Ing.-Büro Sack und Partner, nachdem Dipl.-Ing. Oswald Gehringer erläutert hatte, weshalb dieser unbedingt erstellt werden sollte. Um der in Mudau ansässigen Firma LeuBe die Möglichkeit zum Bau einer über die Grenzen des Bebauungsplanes hinaus gehenden Lagerhalle zu ermöglichen, beschloss der Gemeinderat eine Änderung des Bebauungsplanes „Weiler III“ im Anschluss an die Industriestraße. Die Planungsleistungen wurden an das Ing.-Büros für Kommunalplanung sowie das Büro für Umweltplanung Simon in Mosbach vergeben. Die anfallenden Kosten sind laut Beschluss von der Firma LeuBe zu erstatten.

Für insgesamt 13,78 Hektar Fläche, allein auf Steinbacher Gemarkung, liegen der Gemeinde derzeit Anträge auf Errichtung von Weihnachtsbaumkulturen vor, deren Einvernehmen allerdings gegenwärtig im Gemeinderat verweigert wurde. Bürgermeister Dr. Rippberger: „Eine abschließende Entscheidung zu diesen Anträgen erfolgt, wenn die in Arbeit befindliche Satzung über Weihnachtsbaumkulturen hinreichend konkret erarbeitet ist.“ Die Genehmigungsbehörde wurde gebeten, bis dahin keine Vorentscheidungen zu treffen. Derzeit wird die Satzung über das Anlegen von Weihnachtsbaumkulturen für die Gemarkung Steinbach vorbereitet. Die Bestandsaufnahmen sind weitgehend abgeschlossen, so dass mit einem ersten Entwurf bis zum Spätsommer gerechnet werden kann. „Um diese künftigen Satzungsregelungen nicht zu gefährden, kann die Gemeinde gegenwärtig kein Einvernehmen erteilen“, hieß es in der Begründung.

Aufgrund Anliegerbeschwerden und Anträge von Gemeinderäten der FUB sowie der CDU-Bürgerliste, soll die Verkehrssituation in der Amorbacher Straße und in der Ortsdurchfahrt Langenelz bezüglich der gefahrenen Geschwindigkeiten beruhigt werden (NZ berichtete). Da es sich dabei allerdings um eine Kreisstraße handelt, liegen bauliche Maßnahmen und Veränderungen im Verantwortungsbereich des Landkreises. Im Rahmen einer Verkehrsschau hatte man sich im Vorfeld bereits einen Überblick vor Ort gemacht und dies sowohl für eine Verkehrsüberwachung als auch für die Genehmigung eines Fußgängerweges.

Dringend empfohlen wurde das kräftige Zurückschneiden einiger Hecken, die die Sicht behindern. Festgehalten wurde auch die Tatsache, dass die Aufstellung von dauerhaften Geschwindigkeitsanzeigen von der Gemeinde Mudau zu veranlassen und mit einem Kostenaufwand von ca. 10.000 Euro (4-5 Geräte an den wichtigsten Ortseingängen) auch selbst zu finanzieren sei. Die Gesamtkosten für die 80 Meter Verlängerung des Gehweges in der Amorbacher Straße wurden mit 27.000 Euro ermittelt. Verstärkte Polizeikontrollen für Motorräder wurden zugesagt. Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in der Ortdurchfahrt Langenelz ist offensichtlich keine verkehrsrechtliche Entscheidung notwendig. Und eine mögliche Überquerungshilfe bei der Odenwaldhalle erfordert eine Ausweitung der Straßenbreite auf neun Meter und ist ausschließlich Angelegenheit der Gemeinde.

Ortsvorsteher Klaus Erich Schork ergänzte die Ausführungen des Bürgermeisters mit den Vorschlägen des Ortschaftsrates, der sich um die Finanzierung einer Geschwindigkeitsanzeige bemühen will. Außerdem plädiert man weiter für eine – zumindest Tageszeitabhängige – 30 kmh-Begrenzung sowie für einen Antrag auf Einrichtung einer Blitzersäule. Beschlossen wurde nun als Sofortmaßnahmen die Anschaffung der mobilen Geschwindigkeitsanzeige, das Schneiden der Hecken, Anlegen eines parallelen Fußweges durch den Bauhof sowie der Antrag an das Landratsamt für eine Blitzersäule.

Prof Albert Strasse

Der Ausbau der Prof.-Albert-Schneider-Straße kann beginnen. (Foto: Liane Merkle)

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