Ganz besonderes Konzert in der Kulturkommode

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(Foto: Michael Pohl)

von Martin Hammer

Osterburken. Als gewissenhafter Verfasser von Konzertkritiken hat man stets Zettel und Stift zur Hand, um sich Notizen als Gedankenstütze für den später zu schreibenden Artikel zu machen. Wenn nun aber der Rezensent im Laufe des Abends seine Utensilien beiseite legt, um sich ganz der wunderbaren Musik auf der Bühne widmen zu können, dann muss das schon ein ganz besonderes Konzert sein, dem er da beiwohnen darf. So geschehen beim Auftritt des „Cristin Claas Trios“ in der Alten Schule in Osterburken. Veranstalter war der Kleinkunst- und Kulturverein „Kulturkommode Osterburken e.V.“, der seit nunmehr 17 Jahren stets ein gutes Händchen für faszinierende Künstler aus allen Bereichen der Kleinkunst beweist. Allen Zuhörern, die an diesem Abend die Alte Schule besuchten, wird dieses Konzert noch lange in Erinnerung bleiben, denn dem „Cristin Claas Trio“ gelingt es, in seinen Liedern sowohl tiefe Melancholie als auch grenzenlose Lebensfreude auszudrücken – Musik für die Seele, die auf das Publikum überspringt und nachhaltig Eindruck hinterlässt.

Vor 14 Jahren bekam der Pianist und Komponist Christoph Reuter in einem Tonstudio ein Demo von Cristin Claas zu hören. Begeistert von ihrer Stimme, rief er sofort den befreundeten Gitarristen Stephan Bormann an und schlug vor: „Mit Cristin zusammen müssen wir mal was machen!“ Was unter Künstlern normalerweise so unverbindlich daherkommt, wie wenn man heutzutage jemandem via Facebook die Freundschaft anbietet, so Reuter augenzwinkernd, wurde glücklicherweise bei den drei Ausnahmemusikern Realität. Seither kreieren sie gemeinsam im „Cristin Claas Trio“ ihren ganz eigenen und unverwechselbaren Stil irgendwo zwischen Soul, Pop und Jazz, den sie auch gerne als „Songpoesie“ bezeichnen, und haben mit ihren mittlerweile sechs CDs und über 800 Live-Auftritten weit über Deutschland hinaus eine begeisterte und stets wachsende Fangemeinde gewonnen.

Hinreißende Balladen finden sich genauso im Programm wie Up-Tempo-Nummern mit lateinamerikanischen Rhythmen. Die Texte sind nicht nur in englischer und deutscher Sprache verfasst sondern auch in einer lautmalerischen Fantasiesprache; ihre Inhalte werden jedoch immer unzweifelhaft durch die mitreißende Musik des Trios transportiert, die beim Zuhörer die gesamte Bandbreite der Gefühle bedient. Dass dabei von verträumten Blicken bis hin zu beschwingtem Kniewippen alles möglich war, lag nicht nur an der ausdrucksstarken Stimme von Cristin Claas sondern auch an der Professionalität der Instrumentalisten. Stephan Bormann, einer der gefragtesten Begleitgitarristen Deutschlands, sorgt mit souveräner Rhythmusarbeit und detailverliebter Fingerfertigkeit bei seinen Soli an Akustik- und E-Gitarren für den nötigen Drive. Christoph Reuter (unter anderem als musikalische Begleitung bei Live-Auftritten mit dem Kabarettisten Eckart von Hirschhausen unterwegs) wiederum gelingt es, an seinen Tasteninstrumenten ein ums andere Mal wunderschöne Harmonien zu zaubern und selbst bekannten Volkslieder mit jazzigen Anleihen neues Leben einzuhauchen. Darüber hinaus bereichert er das Trio auch an diversen Percussionsinstrumenten – und das kann durchaus auch mal der Reißverschluss einer aus dem Publikum geliehenen Weste sein.

Bestens unterhalten wird man bei einem Auftritt des „Cristin Claas Trios“ nicht zuletzt durch die humorvolle Kommunikation zwischen Zuhörern und Musikern; auch der charmanten Einladung Cristins zum Mitsingen kann man sich kaum entziehen. Standing Ovations waren am Ende der Dank für ein eindrucksvolles Konzert, dessen positive Stimmung das Publikum mit Sicherheit noch einige Zeit begleitet.

 

Infos im Internet:

www.kulturkommode.de

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