Windkraft: Vertrauen muss aufgebaut werden

Bioenergie-Region H-O-T startete viertes Forum zur Windenergie

Mulfingen. (pm) Das Thema Windenergie polarisiert und mobilisiert. Mit rund 200 Besuchern war die vierte Netzwerkkonferenz Windkraft der Bioenergie-Region Hohenlohe-Odenwald-Tauber (H-O-T) in Mulfingen fast schon traditionell sehr gut besucht und ein voller Erfolg. Die Diskussion um die regionale Nutzung der Windkraft hält die Region noch immer fest im Griff und bewegt die Menschen. Die Veranstaltung, die in diesem Jahr erstmalig in der Dreschhalle im Mulfinger Teilort Hollenbach abgehalten wurde, zog  Bürgerinnen und Bürger aus der gesamten Region an, die sich über die regionale Windenergienutzung und deren Chancen und Risiken informieren wollten.

Bereits am Nachmittag präsentierten beim „Windenergietag der Bioenergie-Region H-O-T“ namhafte Projektentwickler aus der Windkraftbranche, sowie die Landesanstalt für Umwelt, Messung und Naturschutz (LUBW) und das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg ihre Sichtweisen zum regionalen Ausbau der Windkraft. Durch das Programm führte Mulfingens Alt-Bürgermeister und Bioenergie-Botschafter Hermann Limbacher, der bereits direkt zu Veranstaltungsbeginn viele Interessierte in der Dreschhalle begrüßen konnte.

Herzstück der Netzwerkkonferenz war auch in diesem Jahr die abendliche Podiumsdiskussion, die unter dem Titel „Windkraft in der Region – Ist der Gegenwind berechtigt?“ stand. Sebastian Damm, Geschäftsführer der Bioenergie-Region H-O-T moderierte eine hochkarätige Diskussionsrunde mit den Gästen Klaus Mandel, Verbandsdirektor des Regionalverbands Heilbronn-Franken; Dirk Güsewell, Leiter der Geschäftseinheit Erzeugung / Portfolioentwicklung bei der EnBW AG; Dr. Till Jenssen und Dr. Helmut Wendel vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg als Vertreter für den erkrankten Ministerialdirektor Helmfried Meinel, sowie Irene Hertlein-Brand und Johanna Weber von der Bürgerinitiative Windkraft Mittleres Jagsttal.

Ein offener und bürgernaher Dialog auf Augenhöhe stand in diesem Jahr besonders im Vordergrund der Netzwerkkonferenz. So konnten sich die Menschen aktiv an der Diskussion beteiligen und damit einen echten Bürgerdialog ermöglichen. Früh wurde klar, dass vor allem die Frage nach einem von allen Beteiligten akzeptierten Ausbau der Windkraft die Region bewegt. Künftig muss mehr Vertrauen aufgebaut werden.

Für „sinnvolle Kooperation und eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Kommunen und Planungsinstanzen“ warb Klaus Mandel, Verbandsdirektor des Regionalverbands Heilbronn-Franken. Wichtig ist hierbei, dass sich alle Beteiligten gemeinsam auf den Weg machen und einen konstruktiven Dialog führen. Insbesondere die Belange der Bürger können in Planungs- und Genehmigungsverfahren bessere Berücksichtigung finden, wenn eine entsprechend aktive Beteiligung vorliege, so Mandel. Aus der Sicht eines Versorgers erläuterte Dirk Güsewell von der EnBW AG, dass für die Energieversorgung von morgen der Wind nach wie vor eine ganz entscheidende Rolle spiele. Mittlerweile erzeugt die EnBW mit rund 100 Anlagen an etwa 25 Standorten in Deutschland Strom. Der Energieexperte plädierte an die Verantwortung der Energiewirtschaft und dafür, dass Windkraftanlagen nur an solchen Standorten zum Einsatz kommen sollten, an denen „energetisch und ökologisch echte Vorteile geschaffen werden können“.

Irene Hertlein-Brand und Johanna Weber von der Bürgerinitiative Windkraft Mittleres Jagsttal setzen sich vor allem für eine angemessene und gesundheitlich unbedenkliche Abstandsregelungen von Windkraftanlagen zu Wohngebieten ein. Die Bürgerinitiative verfolgt dabei das Ziel, dass 1000 Meter als einheitlicher Mindestabstand eingehalten werden und bei Großanlagen ein Abstand des 10fachen der Anlagenhöhe als Richtwert definiert wird. Dr. Till Jenssen und Dr. Helmut Wendel vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg betonten das eine Veränderung des Landschaftsbilds in der Vergangenheit schon häufiger stattgefunden habe. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass man die „Bürgerbelange gründlich prüfe und gemeinsam auf eine Schonung des Landschaftsbilds hinarbeite“.

In der Diskussion wurde klar, dass die Energiewende und insbesondere der Ausbau der Windkraft eine Zukunftsaufgabe mit Zündstoff ist. Geänderte gesetzliche Bestimmungen, wie z.B. das Landesplanungsgesetz oder auch neue Regionalplanungsvorgaben haben zu tiefgreifenden Veränderungen geführt, die gleichzeitig auch viele Unsicherheiten hervorgerufen haben. Große Einigkeit unter den Diskutanten herrschte daher bei der Frage, wie es künftig in Sachen Windkraft weitergehen soll. Vorbehalte müssen sachlich abgebaut und Vertrauen aufgebaut werden. Dazu muss der konstruktive Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, gesellschaftlichen Gruppen und Bürgern stärker gefördert werden. Eine funktionierende Energiewende ist nur dann möglich, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: