6. NZ-BM-Check Obrigheim – Wirtschaft/TECHNO

Bürgermeisterwahl am 12. Oktober – Kandidatenvorstellung auf NOKZEIT

NZ Bewerber Obrigheim rathaus web

Fünf Bewerber wollen auf den Chefsessel im Obrigheimer Rathaus. Im Rahmen des NOKZEIT-BM-Checks werden Leser_innen die Menschen und ihre Ideen hinter den Wahlplakaten kennenlernen. Dabei gibt es weder durch Kürzungen, noch durch subjektive Zusammenfassungen eines Autors Verfälschungen, die zu einem völlig anderen Bild führen können. (Foto: K. Weidlich/privat) 

Obrigheim. Am 12. Oktober sind die Wähler_innen in Obrigheim, Asbach und Mörtelstein dazu aufgerufen, ein neues Gemeindeoberhaupt zu bestimmen. Aus fünf Bewerbern wird der Nachfolger von Bürgermeister Roland Lauer (CDU) bestimmt.

Am Dienstag, den 30. September, um 19:00 Uhr, hatten die Bürger_innen der Neckartalgemeinde die Möglichkeit, die Bewerber Dipl. Verwaltungswirt Richard Zorn (Jg. 1966) aus Mosbach, Dipl. Betriebswirt Christoph Klotz (Jg. 1980) Obrigheim, Dipl. Verwaltungswirt Raimund Horbas (Jg. 1975) aus Gaildorf, Dipl. Verwaltungswirt Achim Walter (Jg. 1969) aus Elztal und Bankbetriebswirt Christoph Lunczer (Jg. 1976) aus Obrigheim persönlich bei der offiziellen Kandidatenvorstellung in der Neckarhalle kennen zu lernen.

Da jedoch nicht alle Wahlberechtigten in der Neckarhalle Platz fanden oder Zeit hatten, an der Versammlung teilzunehmen und Zeitungsberichte in der Regel stark gekürzt und durch die Brille des Verfassers stark subjektiv sind, stellen wir die Bürgermeister-Kandidaten im Rahmen unseres NOKZEIT-BM-Checks vor. Auch Fragen von Leser_innen wurde in den Fragenkatalog aufgenommen. Aufgrund unserer Vorgabe, dass keinerlei Kürzungen vorgenommen werden, haben die Bewerber die Möglichkeit, sich direkt und authentisch an die Wähler_innen zu wenden. Durch die Kommentarfunktion können Leser_innen dann sogar unmittelbar reagieren und Impulse setzen.

Modus: Es gibt immer eine Frage, dann die Stellungnahmen der Bewerber, damit ein Vergleich möglich ist. Die Antworten werden zunächst in der Reihenfolge des Eingangs der Bewerbung veröffentlicht. Anschließend stellen wir die Aussagen in rotierender Reihenfolge vor, damit jeder Bewerber „oben steht“.

6.     Welche Akzente wollen Sie im Bereich der kommunalen Wirtschaftspolitik setzen? Was unternehmen Sie, um weitere Unternehmen in Obrigheim bzw. im Technologie- und Gewerbepark Neckar-Odenwald (TECHNO) anzusiedeln bzw. zu halten?

Richard Zorn: Der Industriepark TECH-N-O auf der Asbacher Höhe ist nicht optimal belegt, obwohl sich die Gemeinde seit Jahren um Industrieansiedlungen bemüht. Diese Bemühungen gilt es intensiv fortzusetzen.

Es gilt, die gewählte Strategie und die umgesetzten Maßnahmen zu überprüfen und wahrscheinlich anzupassen. Allerdings in Abhängigkeit zu den anderen Partnern wie Mosbach oder Neckarzimmern.

Keinem Bürgermeister wird es bei der Standortsituation fernab der Autobahn und den Nachteilen gegenüber anderen Zentren gelingen, Firmen wie AUDI, Kolben Schmidt, Lidl & Schwarz oder ähnliche Unternehmen zur Ansiedlung einer Produktionsstätte in Obrigheim mit vielen neuen Arbeitsplätzen zu bewegen.

Für mich ist Wirtschaftsförderung Chef-Sache.

Es gilt die bisherigen Wege zu verlassen und zukunftsorientierte Wirtschaftsfelder ggf. auch im Dienstleistungsbereich in Obrigheim anzusiedeln.

Darüber hinaus gilt es neue oder interessierte Gewerbetreibende zu unterstützen und zu beraten, insbesondere im Dschungel der Bürokratie. Deshalb bin ich für eine eigene Wirtschaftsförderung

In den letzten Wochen habe ich mit vielen Unternehmern in Obrigheim Gespräche geführt. Diese Kontakte enden nicht mit dem Wahltag. Ich suche auch in Zukunft den Dialog mit allen Unternehmern und Gewerbetreibenden, ob groß oder klein, um mehr über ihre Probleme und Bedürfnisse zu erfahren und Anregungen aufzunehmen.

Insgesamt müssen in Obrigheim die Schwerpunkte neu ausgerichtet werden. Handel, Gewerbe und Dienstleistung müssen sich insbesondere von dem Angebot der Kreisstadt unterscheiden, um Obrigheim im Wettbewerb mit dem Umfeld attraktiv zu machen.


Christoph Klotz: Mir wurde aus unterschiedlichen Kreisen zugetragen, dass wir in der Vergangenheit tatsächlich mehrere Unternehmen verloren haben. Das darf nicht sein! Häufig wachsen Wirtschaftsstandorte ausschließlich dadurch, dass die Unternehmen am Standort expandieren. Unternehmen an unserem Standort mussten woanders expandieren. Ich kenne die Punkte gut, auf die ein Unternehmen bei einer neuen Standortwahl wert legt. Besonders an diesen müssen wir als Gemeinde arbeiten. Hier die Gesamtgemeinde interessanter zu machen, wäre gleichzeitig zum Wohl aller Bürgerinnen und Bürger. Das hat oberste Priorität.

Die Konstellation des Tech-N-O ist meines Erachtens, sagen wir bedenkenswert. Man hat sich hier vor etwa zwei Jahrzehnten für ein Konzept entschieden, das ich bereits damals, als junger Mensch mutig fand. Das war damals ok! Nach etwa fünf Jahren hätte man aber spätestens intensiv daran arbeiten müssen, ein neues, besseres und eben für Unternehmen interessanteres Angebot zu entwickeln. Hier sehe ich mit die größte Herausforderung, um unser Obrigheimer Dornrösschen aufzuwecken.

Gemeinsam mit den anderen Anteilseignern des Tech-N-O muss versucht werden, das Konzept neu zu gestalten. Das fängt beispielsweise mit dem Preis an. Wären die anderen Eigentümer bereit, die Fläche günstiger abzugeben? Die WiNO, die Wirtschaftsförderung Neckar-Odenwald-Kreis, die beispielsweise auch bezüglich öffentlicher Zuschüsse berät, bietet über ihre Homepage Gewerbefläche in Adelsheim, also in Autobahnnähe, an, die pro Quadratmeter zwischen 20 und 30 Euro kostet. In Osterburken kostet die Industriefläche 25 Euro. Für Fläche in unserem Tech-N-O werden 41 Euro aufgerufen. Ist das durch die tolle Aussicht und die Terrassenstruktur der Fläche gerechtfertigt? Eine Reduzierung des Preises wäre durch die Gewerbesteuer schnell wieder ausgeglichen. Weiterhin muss der Internetauftritt der Gemeinde und zwar aller Ortsteile verbessert werden. Unternehmen schauen bei der Standortwahl darauf, was neben der Industriefläche geboten werden kann. Hier sind wir bei der Kinderbetreuung, der Einzelhandelsstruktur, dem Ärzteangebot und bei den Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Alle diese Punkte und etliche mehr müssen mit in das Angebot an potenzielle Unternehmen einbezogen werden.

Mit diesem neuen und eben dann auch besseren Angebot muss direkt an Unternehmen herangetreten werden. Hier bieten sich beispielsweise Unternehmermessen an. Gleichzeitig sind hier die Bürgerinnen und Bürger gefragt, die sich direkt an mich wenden sollten, wenn sie vom Flächenbedarf eines Unternehmens erfahren, damit ich diesem Unternehmen schnellstmöglich ein Angebot unterbreiten kann.


Raimund Horbas: Zukunftstechniken wie schnelles Internet sind mir wichtig. Die Schaffung einer flächendeckenden Breitbandversorgung ist wichtig. Hier möchte ich im Falle meiner Wahl hartnäckig dranbleiben. Schnelles Internet ist nicht nur schön für das surfen im Internet, sondern hat auch etwas mit Bildungsgerechtigkeit für unsere Kinder und mit Standortvorteilen für unsere Wirtschaft zu tun.

Die ortsansässigen Firmen im Einzelhandel, im Handwerk und im Gewerbe möchte ich aktiv unterstützen, Kontakte pflegen und mich um gezielte Neuansiedlungen bemühen. Denn unsere Unternehmen schaffen nicht nur Arbeits- und Ausbildungsplätze, sondern leisten mit der Gewerbesteuer auch einen erheblichen Beitrag zu den Gemeindefinanzen.

Die Schaffung neuer Arbeitsplätze im Gewerbegebiet TECHNO setzt voraus, dass sich der Bürgermeister um die Unternehmen bemüht. Gute Wirtschaftsförderung wird aber auch von der ganzen Verwaltung wahrgenommen. Hierzu zählt Freundlichkeit, schneller Service und unbürokratische Handlungsweise. Das sind für mich die wichtigsten Voraussetzungen um sowohl für die Firmen als auch für die Bürgerschaft ein verlässlicher Partner zu sein.

Ich bin auch fest davon überzeugt, dass der Obrigheimer Bürgermeister die Interessen nicht nur vom eigenen Ort im Auge behalten, sondern auch überörtlich sein Engagement und seine Kraft entfalten muss. Und deshalb müssen wir auch unsere berechtigten Interessen gegenüber der Stadt Mosbach offensiv vertreten. Aus meiner Sicht geht das nur mit Emotion und Kompetenz – beides kann ich zusichern.


Achim Walter: Ich möchte in eine aktive Wirtschafts- und Gewerbebetreuung eintreten. Dieser Dialog soll auch dazu führen, weiteres Gewerbe anzusiedeln. In Bezug auf die Ansiedlung von Betrieben im Gewerbepark TECHNO ist die derzeitige Gewerbeansiedlungspolitik gemeinsam mit allen beteiligten Gemeinden deutlich zu verbessern. Wir brauchen ein aktives Zugehen auf Betriebe, zum Beispiel bei Messen oder ähnlichen Veranstaltungen. Aber auch eine regelmäßige, überregionale Beobachtung der Wirtschaftpresse bietet Ansätze, auf Unternehmen mit Expansionsbedarf gezielt zuzugehen.


Christoph Lunczer: Trotz des niedrigen Gewerbesteuerhebesatzes in Obrigheim gestaltet sich die Neuansiedlung von Gewerbe schwierig. Dies liegt an mehreren Faktoren. Im Einzelhandel und bei Gaststätten blieben bei einigen Geschäften die Umsatzzahlen zu niedrig, um in unserer Gemeinde zu existieren. Auch Ärzte gehen oft den bequemeren Weg in eine Stadt, da sich die Bedingungen für die „Landärzte“ in den vergangenen Jahren verschärft haben. Für produzierendes Gewerbe ist unser Standort relativ weit von Autobahnanschlüssen entfernt und ein Transport per Bahn oft nicht lohnend.

Für das Tech.N.O gelten besondere Voraussetzungen. So ist dieses Gewerbegebiet eine gemeinsame Investition mehrerer Gemeinden. Dazu wird die Vermarktung von Mosbach aus betreut. Änderungen sind hier nicht alleine durch Intervention unserer Gemeinde möglich. Trotzdem ist es nötig andere Wege zu gehen. Als Sofortmaßnahme für das Tech.N.O strebe ich hier, zusätzlich zur bisherigen Vermarktung, stark die Nutzung moderner Medien wie z. B. Facebook an. Über Facebook erreicht man schnell, günstig und zielgerichtet viele potenzielle Interessenten um die freien Plätze im Tech.N.O-Gewebegebiet anzubieten. Des Weiteren würde ich offen mit den beteiligten Kommunen das Gespräch suchen, um die Vermarktung zu intensivieren. Selbstverständlich greife ich auch gerne auf die Ideen aus der Bürgerschaft zurück. Bei den Einzelhändlern, Gaststätten und Ärzten müssen wir sowieso alle zusammen helfen: Nämlich genau diese Angebote vor Ort auch anzunehmen und diesen Menschen ihre Existenz zu ermöglichen.

NZ-Bürgermeister-Check:

  1. Warum Sie? www.NOKZEIT.DE/nokzeit-stellt-buergermeisterkandidaten-vor/
  2. Gemeinderat www.NOKZEIT.DE/2-nz-bm-check-obrigheim-gemeinderat/
  3. Visionen www.NOKZEIT.DE/3-nz-bm-check-obrigheim-visionen/
  4. Führung www.NOKZEIT.DE/4-nz-bm-check-obrigheim-fuehrung/
  5. Haushalt www.NOKZEIT.DE/5-nz-bm-check-obrigheim-haushalt/ 

Infos im Internet:

www.richardzorn.de

www.klotz-christoph.de

www.raimund-horbas.de/

www.achim-walter.info

www.christoph-lunczer.de/

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