8. NZ-BM-Check Obrigheim – Demographie

NZ Bewerber Obrigheim rathaus web

Fünf Bewerber wollen auf den Chefsessel im Obrigheimer Rathaus. Im Rahmen des NOKZEIT-BM-Checks werden Leser_innen die Menschen und ihre Ideen hinter den Wahlplakaten kennenlernen. Dabei gibt es weder durch Kürzungen, noch durch subjektive Zusammenfassungen eines Autors Verfälschungen, die zu einem völlig anderen Bild führen können. (Foto: K. Weidlich/privat) 

Obrigheim. Am 12. Oktober sind die Wähler_innen in Obrigheim, Asbach und Mörtelstein dazu aufgerufen, ein neues Gemeindeoberhaupt zu bestimmen. Aus fünf Bewerbern wird der Nachfolger von Bürgermeister Roland Lauer (CDU) bestimmt.

Am Dienstag, den 30. September, um 19:00 Uhr, hatten die Bürger_innen der Neckartalgemeinde die Möglichkeit, die Bewerber Dipl. Verwaltungswirt Richard Zorn (Jg. 1966) aus Mosbach, Dipl. Betriebswirt Christoph Klotz (Jg. 1980) Obrigheim, Dipl. Verwaltungswirt Raimund Horbas (Jg. 1975) aus Gaildorf, Dipl. Verwaltungswirt Achim Walter (Jg. 1969) aus Elztal und Bankbetriebswirt Christoph Lunczer (Jg. 1976) aus Obrigheim persönlich bei der offiziellen Kandidatenvorstellung in der Neckarhalle kennen zu lernen.

Da jedoch nicht alle Wahlberechtigten in der Neckarhalle Platz fanden oder Zeit hatten, an der Versammlung teilzunehmen und Zeitungsberichte in der Regel stark gekürzt und durch die Brille des Verfassers stark subjektiv sind, stellen wir die Bürgermeister-Kandidaten im Rahmen unseres NOKZEIT-BM-Checks vor. Auch Fragen von Leser_innen wurde in den Fragenkatalog aufgenommen. Aufgrund unserer Vorgabe, dass keinerlei Kürzungen vorgenommen werden, haben die Bewerber die Möglichkeit, sich direkt und authentisch an die Wähler_innen zu wenden. Durch die Kommentarfunktion können Leser_innen dann sogar unmittelbar reagieren und Impulse setzen.

Modus: Es gibt immer eine Frage, dann die Stellungnahmen der Bewerber, damit ein Vergleich möglich ist. Die Antworten werden zunächst in der Reihenfolge des Eingangs der Bewerbung veröffentlicht. Anschließend stellen wir die Aussagen in rotierender Reihenfolge vor, damit jeder Bewerber „oben steht“.

8.     Der demographische Wandel betrifft Obrigheim ebenso wie andere Gemeinden im Ländlichen Raum. Laut der Vorausberechnung des Statistischen Landesamts werden 2030 knapp 300 Menschen weniger in Obrigheim und den Ortsteilen leben als heute. Darüber hinaus wird es zu massiven Verschiebungen in der sogenannten Alterspyramide kommen, sodass eine Seniorengemeinde „droht“. Immerhin sind 2030 fast die Hälfte der dann in der Gemeinde lebenden Menschen über 65 Jahre alt. Wie wollen Sie diesem Trend begegnen und damit die, Prognose umkehren? Was werden Sie unternehmen, um der „alternden“ Gemeinde gerecht zu werden? Was tun Sie für junge Menschen? Wie wollen Sie Obrigheim und die Ortsteile überhaupt für Neubürger_innen attraktiv machen?

Raimund Horbas: Die Zahl der über 60-jährigen wird bis 2030 deutlich steigen, die Zahl der unter 20-jährigen wird weiter abnehmen. Das bedeutet für Obrigheim: wir müssen attraktive Angebote für Familien schaffen – z.B. in der Ganztagsbetreuung. Und wir müssen für unsere Seniorinnen und Senioren da sein. Wir müssen von den Erfahrungen der Senioren profitieren und dafür sorgen, dass sie in unserer Mitte einen Platz haben, an dem sie in vertrauter Umgebung alt werden können.

Ganz wichtig wird in Zukunft sein, die Bedürfnisse der älteren Generationen zu berücksichtigen. Ein jährliches Seniorenforum kann ermöglichen, mitzureden, mitzuwirken und mitzugestalten.

In den nächsten Jahren steht die soziale Entwicklung im Vordergrund. Kinder,- Jugend-, Bildungsarbeit. Familienfreundlichkeit. Seniorengerechtigkeit. In diesen Bereichen kann ich Erfahrung einbringen. Plätze für Kinder unter drei Jahren, aber auch Ganztagesplätze müssen bezahlbar und schnell realisierbar sein. Junge Familien brauchen Perspektiven. Das funktioniert durch familienfreundliche Grundstückspolitik und bezahlbare Bauplätze. Nicht Wachstum um jeden Preis, sondern behutsame und zielgerichtete Entwicklung der letzten Bauflächen. Investitionen in diese Zukunft sind gut angelegtes Geld – sei es in Spielplätze, Kindergärten und Schulen oder in eine aktive Jugendarbeit mit entsprechenden Räumlichkeiten.


Achim Walter: Es müssen viele Faktoren zusammenspielen, um dem demographischen Wandel entgegenzuwirken. Sanierung der Ortskerne und Familienfreundlichkeit sind dabei wesentliche Schlüssel. Das Bild einer kinderfreundlichen Gemeinde mit entsprechenden Kindergrippen, Kindergarten und Ganztagesangeboten sowie eine gute Versorgung mit Einzelhandelsgeschäften und Ärzten ist hier wichtige Grundvoraussetzung. Mit stabilen Gewerbesteuereinnahmen, einer soliden und zukunftsweisenden Wirtschaftsförderung entstehen Arbeits- und Ausbildungsplätze. Das zieht wiederum Einwohner bzw. Familien in die Gemeinde.
Die Vielfalt der drei Teilorte hat den Charme, neuen Einwohnern ein breit gefächertes Angebot an Wohnmöglichkeiten zu bieten, ganz entsprechend ihren individuellen Anforderungen an ein mögliches Wohnumfeld.


Christoph Lunczer: Mein Ziel ist, Obrigheim als Wohngemeinde voranzubringen. Wir müssen unseren Standort für junge Familien attraktiv halten und für bauwillige genügend Bauplätze bereit halten. So war die Nachfrage nach Bauplätzen bei den letzten beiden erschlossenen Baugebieten in Obrigheim und Asbach riesig. Dies ist zum einen auf die günstigen Bauzinsen zurückzuführen, zum anderen aber auf die guten Preise unserer Bauplätze. Nun gilt es noch, die bestehenden Baulücken in den Ortsgebieten zu belegen und die Vielzahl von privaten Baugrundstücken besser zu vermarkten, um ein unnötiges Wachstum der Gemeinde in der Fläche zu vermeiden. Neubürger werden auch nach Kindergärten und Schulen schauen – hier müssen wir bedarfsgerechte Öffnungszeiten und Betreuungsangebote anbieten. Die Breitband-Versorgung muss in allen Ortsteilen gewährleistet sein, um dadurch keinen Nachteil in der Attraktivität zu erleiden. Schaffen wir es, Neubürgerinnen und -bürger dadurch zu gewinnen, wird die Verschiebung zu einer „Seniorengemeinde“ nicht so stark ausfallen.

Auch für die Senioren gilt es, eine attraktive Gemeinde zu bleiben. So sind Überlegungen wichtig, ein Seniorenheim oder betreutes Wohnen in Obrigheim anzubieten. Barrierefreie Zugänge wurden bereits umgesetzt und müssen weiter ausgebaut werden. Es gibt den Generationenpark und den Seniorenclub Asbach – beides sind Angebote, die den richtigen Weg zeigen. Eine Idee von mir ist, einen „Generationentag“ ins Leben zu rufen, an dem sich Bürgerinnen und Bürger aller Altersstufen zwanglos zu Tanz, Spiel und Unterhaltung treffen. Kontakte zu knüpfen ist sehr bedeutend, damit wir einer Vereinsamung entgegenwirken.

Für die Jugend war ich stets besonders engagiert und bedauerte sehr, dass die „Jugendgruppe“ in Asbach eingeschlafen ist. Auch die Jugendarbeit in den Vereinen wird immer schwieriger, da immer weniger junge Menschen bereit sind, sich zu engagieren. Noch dazu ist die Konkurrenz verschiedener Sportarten und Angebote groß. Hinzu kommen Videospiele und Internet, die viel Zeit bei den jungen Menschen in Anspruch nehmen. Wir müssen also auch unsere Vorstellungen von Jugendarbeit an die Bedürfnisse der heutigen Jugend anpassen. So muss die Gemeinde heutzutage über facebook, twitter und Co. erreichbar sein, da dies die Kommunikationswege der Jugend sind. Ebenso könnte man über eine SWR3-Dancenight, ein Jugend-Sommerfest oder eine Netzwerk-Party nachdenken, um ein zeitgemäßes Event für die Jungen Menschen der Gemeinde anzubieten. Selbstverständlich sollte der Bürgermeister dann als gutes Beispiel vorangehen und an diesen Events teilnehmen.


Richard Zorn: Dem allgemeinen demographischen Wandel, wie ihn die Vorausberechnungen der Statistischen Landesämter aufzeigen, wird sich auch Obrigheim nicht entziehen können. Danach wird der Anteil der über 65-jährigen Bürgerinnen und Bürger an der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg im Jahr 2030 nahezu 30 % höher liegen als das heute der Fall ist.

Auch wenn eine solche Vorausrechnung nur eine mögliche Entwicklung auf Basis von getroffenen Annahmen aufzeigt und mit großen Unsicherheiten behaftet ist, so zeigt die Vorausrechnung einen Trend auf, gegen den Strategien entwickelt werden müssen, damit sich unsere Gemeinde von dieser erwarteten Entwicklung möglichst positiv abkoppeln kann.

Eine solche seriöse Strategie wird wohl niemand aus dem Ärmel schütteln können. Dazu gehört zuerst eine genaue Analyse der Ist-Situation, auf die man dann aufbauen kann.

Obrigheim muss auch weiterhin eine lebenswerte Gemeinde für alle Generationen bleiben. Deshalb gilt es, die Rahmenbedingungen für Kinder und Jugendliche, Familien aber auch Senioren an den jeweiligen Bedürfnissen und den zukünftigen Anforderungen auszurichten.

Das ist für mich wichtig und so habe ich es in meinen Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern und in meinen Informationsveranstaltungen immer wieder herausgestellt.

Dabei habe ich wertvolle Anregungen aber auch Hinweise auf Mängel erhalten. Es waren wertvolle Hinweise, ob es sich um Einkaufsmöglichkeiten, Arbeitsplätze in der Gemeinde, ärztliche Versorgung, die Öffnungszeiten der Kindergärten, den öffentlichen Nahverkehr und vieles andere mehr handelte.

Diese Anregungen werde ich aufgreifen und mit eigenen Ideen in einem sachlichen Vorgehen gemeinsam mit dem Gemeinderat und der Verwaltung Lösungen für die Zukunft finden.

Ich möchte aber Obrigheim zu einem Bildungsstandort ausbauen. Bildung beginnt bereits im Kindergarten. Dies bedeutet alle Bildungseinrichtungen, vom Kindergarten bis hin zu den weiterführenden Schulen, müssen für die Eltern ein Entscheidungsgrund für Obrigheim sein. Dies beginnt mit flexiblen und ausgedehnten Öffnungs- und Betreuungszeiten zum Nutzen berufstätiger Eltern.

Obrigheim muss eine attraktive Gemeinde für alle Generationen bleiben! Deshalb stehe ich für eine ständige Verbesserung der gesellschaftlichen und kommunalen Infrastruktur als eine verantwortungsvolle Aufgabe der Gemeinde.

Obrigheim muss weiterhin eine attraktive Adresse bleiben, wo junge Paare oder Familien mit Kindern, aber auch Senioren einen Lebensmittelpunkt haben oder sich suchen.

Das bereits vorhandene und vielfältige Freizeitangebot, gerade das aktive Vereinsleben in Obrigheim, möchte ich zu einem entscheidungsrelevanten Standortfaktor machen. Ob es junge Paare sind, die eine Familie in Obrigheim gründen wollen oder junge Unternehmen, die sich hier niederlassen, alle sollen davon profitieren.


Christoph Klotz: Mir sind die Prognoseergebnisse, die Sie verwenden, sehr gut bekannt. Das Schlimme an ihnen ist, dass sie bereits die jüngsten Neubaugebiete enthalten, die beispielsweise in Obrigheim und Asbach erschlossen und eben bebaut wurden.

Um eine Gemeinde für die die nächste Generation fit zu machen, muss ich dieser etwas bieten. Das fängt an mit Arbeitsplätzen. Ich spiele damit auf das Tech-N-O an, in dem sich leider keine Entwicklung erkennen lässt. Weiterhin muss unser Kinderbetreuungsprogramm sowohl in Kindergarten als auch Grundschule dem flexiblen Bedarf der Eltern angepasst werden, so dass diese eher Familie, Arbeit und ein eventuell notwendiges Pendeln verbinden können. Ein weiterer Faktor, der für mich große Bedeutung hat, ist das aktive Vereinsleben in unserer Gemeinde. Dieses muss besonders gefördert werden, um so ein starkes Wir-Gefühl zu schaffen. Weiterhin muss das Vereinsleben als Angebot unseres Standorts mit in das Angebot an junge Familien beziehungsweise Unternehmen integriert werden, um so den Standort interessanter zu machen.

Aktuell laufen für den Ortsteil Mörtelstein Vorbereitungen, um ELR-Mittel beantragen zu können. Wenn wir dies schaffen, könnten beispielsweise für eine Gebäudesanierung in Mörtelstein bis zu 40 Prozent Zuschüsse gewonnen werden. Das macht dann auch ein altes Haus für eine junge Familie finanziell hoch interessant. Dieses Angebot muss auch den Bürgerinnen und Bürgern in den anderen Ortsteilen zur Verfügung gestellt werden.

 

NZ-Bürgermeister-Check:

  1. Warum Sie? www.NOKZEIT.DE/nokzeit-stellt-buergermeisterkandidaten-vor/
  2. Gemeinderat www.NOKZEIT.DE/2-nz-bm-check-obrigheim-gemeinderat/
  3. Visionen www.NOKZEIT.DE/3-nz-bm-check-obrigheim-visionen/
  4. Führung www.NOKZEIT.DE/4-nz-bm-check-obrigheim-fuehrung/
  5. Haushalt www.NOKZEIT.DE/5-nz-bm-check-obrigheim-haushalt/
  6. Wirtschaft/TECHNO www.NOKZEIT.DE/5-nz-bm-check-obrigheim-wirtschafttechno/
  7. KWO www.NOKZEIT.DE/7-nz-bm-check-obrigheim-kwo/ 

Infos im Internet:

www.richardzorn.de

www.klotz-christoph.de

www.raimund-horbas.de/

www.achim-walter.info

www.christoph-lunczer.de/

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