Erntedank 2014 – zwischen Markt und Moral

Erntedank1005 006

(Foto: Liane Merkle)

Schefflenz. (lm) „Erntedank 2014 – zwischen Markt und Moral“. Unter dieser Motto stand nicht nur die Festrede von Dr. Clemens Dirscherl sondern wie den Grußwortrednern zu entnehmen war, die komplette Kreiserntedankfeier in der Oberschefflenzer Roedderhalle, zu der in Kooperation mit dem Bauernverband Neckar-Odenwald-Kreis auch die Kreislandfrauen, -senioren und –jugend zahlreiche Gäste und Ehrengäste eingeladen hatten. Darunter neben Landrat Dr. Achim Brötel und den Bürgermeistern Rainer Houck (Schefflenz), Klaus Gramlich (Adelsheim) und Thomas Ludwig (Seckach) auch die MdB Dr. Dorothee Schlegel und Alois Gerig sowie MdL Georg Nelius, Ehrenvorsitzender Siegfried Hornung, zahlreiche Vertreter aus Kreistag und Kommunen, Schulen, Landratsamt, Bio-Energie H-O-T, Kreisjägervereinigung und natürlich aus allen landwirtschaftlichen Organisationen, Institutionen und Vereinen, die Herbert Kempf als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes nach dem gekonnten musikalischen Auftakt durch den Musikverein „Frohsinn“ Oberschefflenz unter Leitung von Bernd Heß namentlich begrüßte.

Dabei hob Kempf hervor, wie wichtig der Dank am Ende eines Pflanzjahres sei. Genauso wichtig wie die Devise der Bauern, mit der Natur und nicht gegen sie zu wirtschaften. Sein Berufszweig stelle sich gerne allen Problemen im Stall oder ausgelöst durch die extremen Wetterkapriolen, doch appelliere er an die Verbraucher, sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein, für gute Lebensmittel auch kostendeckende Preise zu akzeptieren und sich gegen Ramschpreise auszusprechen.

„Wer weiter denkt, kauft näher ein“, stellte Landrat Dr. Brötel fest, der hervorhob, dass es nicht dem Billig-Discounter ums Eck, sondern den bäuerlichen Betrieben zu verdanken sei, dass unsere wunderbare Kulturlandschaft erhalten bleibe. Ein Mehrwert, der allen mehr wert sei sollte. Des Weiteren schaffe Landwirtschaft im wahrsten und besten Sinne „Erdung“ im Hinblick auf den Wert des Lebensmittels, der landwirtschaftlichen Arbeit, aber auch der Wertschätzung der Schöpfung insgesamt.

Bürgermeister Rainer Houck zeigte sich als Gastgeber der diesjährigen Neckar-Odenwald-Tage stolz und dankbar, dieses traditionell fröhliche Fest für alle Sinne mit unzähligen Helfern und dem Wissen ausrichten zu dürfen, dass die Odenwälder Bauern Teller wie Tank gleichermaßen gut bewältigen. Der Festredner des Tages – Dr. Clemens Dirscherl, Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerkes in Württemberg mit Sitz in Waldenburg-Hohebuch – ging in seinem Referat „Erntedank 2014 – zwischen Markt und Moral“ zunächst auf die grundsätzlichen Definitionen ein. Denn Spannungsfelder gäbe es überall im Leben und letztlich sei es wichtig, dass Geben und Nehmen sich die Waage halten, dass – wie in einer Ehe – die Balance gehalten werde. Es gebe weder Gut- noch Schlechtmenschen, nur einige neunmalkluge Moralisten mit einseitigen Sichtweisen. Da wir in Deutschland eben das Privileg hätten, dass der Bedarf an Nahrungsmittel schon überdeckt sei, berge das gleich mehrere „Gefahren“ in sich. Zum einen genüge es nicht mehr, satt zu sein. Man werde moralistisch, entweder bezüglich Tierschutz oder in Richtung ökologischer Nachhaltigkeit. Das würde wirklich armen Drittländern niemals einfallen, denn bekanntlich kommt immer zuerst der Hunger und dann die Moral.

Aus Erfahrung wisse er, Dr. Dirscherl, zwei Dinge ganz genau. Wenn er landwirtschaftlichen Besuchern aus nachweislich armen Ländern die modernen Stallungen unserer deutschen Bauern zeigt, dann können die nur staunen über das Maß an Sauberkeit, Großzügigkeit, Hygiene usw. Und wenn er mit jungen deutschen Landwirten spreche, dann werde deutlich, dass diese nur zu gerne bereit wären, alle Forderungen der Verbraucher zu erfüllen. Doch sie möchten ihrerseits dazu auch in der Lage sein können, zum einen in Form erfüllbarer Rahmenbedingungen und dann auch finanziell.

Dr. Dirscherl selbst wünschte sich, dass aus Verbrauchern Kunden werden, die – wie der Ausdruck schon sagt – kundig und für gute Ware auch bereit sind, einen anständigen Preis zu zahlen. Für ihn ist der Markt der Ist- Zustand, die Moral der Soll-Zustand, und beide sollten sich einander annähern und vor allem immer im Gespräch bleiben. Denn im Gespräch und in der Politik seien dann Lösungsansätze möglich mit einer Grundlinie an Werten, die man wieder schätzen lerne im Denken und Danken.

Wie einfach es sein kann, sich des eigenen Glücks bewusster zu werden zeigten in ihren Worten zum Erntedank Renate Streng als Vorsitzende der Kreislandfrauen und Erna Herkel als Vorsitzende der Landfrauen Schefflenztal auf, bevor Alois Gerig in seiner Funktion als 2. Vorsitzender des Kreisbauernverbandes die Gedanken des Festredners unterstützte, der die Parallelen zwischen einer Landwirtschaft, die in Deutschland nur noch zwei Prozent der Bevölkerung ausmache – und der Kirche aufgezeigt habe.

Musikalisch umrahmt durch den Musikverein überreichte er danach die Erntegabe an Regina Feil, Heim- und Pflegedienstleiterin des DRK-Pflegeheims „Luise von Baden“. Diese freute sich schon jetzt auf die Leckereien, die die Freitags-Therapie-Kochgruppe daraus zaubern werde. Mit dem Badnerlied  und einem Dank an alle, die zum Gelingen des Nachmittags beigetragen hatten, schloss der offizielle Teile des Kreiserntedankfestes.

 

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: