Seit 60 Jahren ein glückliches Paar

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(Foto: Liane Merkle)

Mudau. (lm) Seit dem 11. März 1994 leben sie erst in Deutschland – und doch sind Olga und Jakob Arnold, die am heutigen Samstag in Mudau ihr Diamantenes Ehejubiläum feiern, eigentlich nur zurückgekehrt zu ihren Wurzeln. Denn die Großeltern des Jubilars, der am 16. November 1930 geboren wurde, stammten aus Korntal bei Stuttgart und sind mit der großen Russland-Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert in die autonome sozialistische Wolga-Republik ausgewandert, wo sie wieder in einem Korntal beheimatet waren. Ähnlich lief es bei seiner Olga, geb. Hahn, die ebenfalls in der Wolga-Republik im dortigen Erlenbach am 15. Februar 1932 das Licht der Welt erblickte und deren Vorfahren aus Erlenbach im Kreis Heilbronn stammten.

Die beiden erinnern sich, dass sie kurze Zeit deutsche Schulen besucht, ausschließlich Deutsch gesprochen und geschrieben haben bis dann der 2. Weltkrieg kam und sie mit ihren ganzen Familien – vom Säugling bis zu Urgroßmutter – innerhalb von 24 Stunden ihre Heimat verlassen mussten und teils über monatelange Irrwege nach Kasachstan gekarrt wurden.

Hier hatten sie absolut nichts und sollten auch nicht viel gelten. Man war auf die Gutmütigkeit und die Geduld der Kasachen angewiesen, lebte ohne Schul- oder Ausbildung, ohne Wohnung, Kleidung, Nahrungsmittel. Eine Zeit, die beide nur zu gerne vergessen würden, wenn sie könnten. Denn es gab nur eines: Hunger, Hunger, Hunger.

Doch dann sei es mit dem Regierungswechsel 1953 schlagartig besser geworden und endlich habe man das Leben auch als solches bezeichnen können. Und Jakob Arnold wurde für lange und sehr gute Arbeit mit der goldenen Verdienstmedaille der Sowjetunion ausgezeichnet. 1954 lernte er bei der Landarbeit seine Frau kennen und heiratete sie ganz schnell am 11. Oktober des gleichen Jahres. Die beiden bauten ein Haus und bekamen fünf Kinder, die noch heute schwärmen von ihrer wunderschönen Kindheit, der unkomplizierten Jugendzeit und der hervorragenden Ausbildung, die sie genießen durften. Sie hätten keinen Grund zum Klagen gehabt und wären gerne dort geblieben.

Das änderte sich schlagartig mit dem Zerfall der Sowjetunion. Auf einmal sollten Sie innerhalb eines Jahres Kasachisch lernen, andernfalls dürften sie ihre Berufe nicht mehr ausüben. Die Kinder entschieden 1992, nach Deutschland zurück zu gehen und die Eltern folgten ihnen zwei Jahre später, wo die ganze Familie in Helmstadt wieder vereint und glücklich war. Erst zwei massive Hochwasserkatastrophen ließen die eine Tochter mit Familie in Mudau eine neue Heimat finden und der Rest der Familien näherte sich bis Mosbach an. Besonders schwer war es für Olga und Jakob Arnold, die nun schon zum dritten Mal bei Null anfingen. Doch sie ließen sich nicht unterkriegen. Noch nicht einmal, als sie erst einer Tochter im Alter von nur 46 Jahren und dann einem Sohn, gerade mal 50 Jahre alt, ins Grab sehen mussten.

Seit 2011 leben die beiden nun sehr zufrieden bei der Tochter in Mudau. Jakob Arnold ist zwar sehr schlecht zu Fuß, doch er liest leidenschaftlich gerne und hat begonnen, Gedichte zu schreiben. Mutter Olga versorgt nur zu gerne den Garten und das Gewächshaus, putzt und kümmert sich um die Hühner. Diese Arbeiten sind für sie ein richtiges Lebenselixier. Zum diamantenen Ehejubiläum gratulieren die drei Kinder mit ihren Partnern, neun Enkel und drei Urenkel.

Unsere Redaktion schließt sich mit den besten Wünschen für Gesundheit den zahlreichen Glückwünschen gerne an. 

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