„50 – 80 – 90 – so gelingt die Energiewende“

Ministerialdirektor Helmfried Meinel unterstreicht parteiübergreifenden Konsens für Klimaschutzgesetz

Neckar-Odenwald-Kreis. (pm)Spannend sei der Neckar-Odenwald-Kreis, so die spontane fachliche Wertung von Ministerialdirektor Helmfried Meinel, Amtschef im Stuttgarter Umweltministerium, bei seinem Besuch beim Grünen Kreisverband in Mosbach: „Hier sind beide Seiten der Energiewende gleichzeitig erlebbar.“

Mit dem 2005 erfolgten Ausstieg aus der Atomkraftnutzung und dem schrittweisen Einstieg in die Erneuerbaren Energien mit Wind, Sonne und Bioenergie stehe der Landkreis beispielhaft für beide Seiten der Energiewende. Neben der Stromerzeugung seien hier aber auch die Bereiche Verkehr und Wärme in den Prozess mit einzubeziehen.
Insgesamt müsse festgestellt werden, so Meinel in seinen Ausführungen vor interessiertem Publikum, dass die bisherigen Einspar-Anstrengungen durch die aktuelle Zunahme von Elektrogeräten, Autos und beheizbarer Wohnfläche weitgehend verpufft seien. Angesichts des begonnenen Klimawandels sei künftig jedoch eine absolute Senkung des Energieverbrauchs dringend erforderlich, um den weltweiten Temperaturanstieg auf 2°C zu begrenzen. Erklärtes Ziel sei es, Baden-Württemberg hierbei zu einer führenden Kraft zu machen. Mit rund 41.000 Arbeitsplätzen im Bereich der Erneuerbaren Energien trage die Energiewende auch wesentlich zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Baden-Württemberg bei.

„50 – 80 – 90“ lautet die Formel zum Gelingen der Energiewende im Land. 50 Prozent Einsparung durch Energie-Effizienz, 80 Prozent Anteil Erneuerbare Energien und 90 Prozent Minderung von CO2, das sind die Langfristziele für das Jahr 2050. Dem Klimaschutzgesetz der Landesregierung hätten im Landtag nicht nur die Regierungsfraktionen, sondern auch die CDU zugestimmt, betonte Helmfried Meinel. Dieses Klimaschutzgesetz gibt die Zielsetzungen für die nächsten Jahre vor. Bis 2020 sollen die Erneuerbaren Energien demnach 38 Prozent der gesamten Energieerzeugung ausmachen. Während die Bereiche Wasserkraft und Bioenergie bereits relativ ausgereizt seien, solle der Anteil der Photovoltaik noch verdoppelt werden. Versäumnisse der letzten Jahrzehnte müssten insbesondere bei der Nutzung der Windkraft aufgeholt werden, die im Land bisher nur ein Prozent betrage. Dabei werde dezentral nach tragfähigen und bürgernahen Lösungen gesucht. Nach den neuen Planungsvorgaben seien in Baden-Württemberg nun bereits 46 neue Anlagen genehmigt sowie 278 Genehmigungsverfahren begonnen worden. Etwa 200 Anlagen seien noch in der Vorplanung. Die Energiewende im Land werde dabei von rund 15.000 Mitgliedern in 140 Bürgerenergiegenossenschaften (BEG) vor Ort unterstützt. Angesichts dieser Zahlen zeigte sich Meinel zuversichtlich, das anvisierte Ziel von 10 Prozent Windkraft im Land bis 2020 zu erreichen.

Im Zusammenhang mit dem beschlossenen Atomausstieg und dem aktuellen Rückbau des AKW Obrigheim ging Helmfried Meinel anschließend auf die geplante Deponierung von jährlich 600 t freigemessenem Bauschutt aus KWO auf der Kreismülldeponie in Buchen ein. Zur zusätzlichen Sicherung der Messungen durch EnBW habe Umweltminister Untersteller der Bürgerinitiative die Beteiligung des Öko-Instituts Freiburg sowie die Hinzuziehung eines Gutachters nach Wahl der BI angeboten. Die anschließende Lagerung des freigemessenen Abfalls sei betrieblich wie wirtschaftlich dann Aufgabe des Landkreises.

In der sich anschließenden, von den Kreisvorsitzenden Hans-Detlef Ott und Christine Böhm moderierten Diskussionsrunde wurden neben regionalen Themenschwerpunkten auch der Emissionshandel sowie die jüngste EEG-Reform kritisch diskutiert.
In seinem Schlusswort sah Ministerialdirektor Helmfried Meinel die Energiewende als gesamtgesellschaftliche Aufgabe in Baden-Württemberg auf einem guten Weg. Die dabei entstehenden Kosten entlasteten künftige Generationen, die Ergebnisse müssten aber auch ihren Preis wert sein. Zur erfolgreichen Umsetzung brauche es engagierte „Kümmerer“ vor Ort, die die Energiewende dezentral mitgestalteten und begleiteten.

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: