140 Kinder in Tagespflege

Jugendhilfeausschuss tagte in Schefflenz

Schefflenz. (lra) In „einem der schönsten Rathäuser im Neckar-Odenwald-Kreis“, in dem in Mittelschefflenz nämlich  fand die Sitzung des Jugendhilfeausschusses statt, zu der der gastgebende Bürgermeister, Rainer Houck, die Mitglieder unter Vorsitz von Landrat Dr. Achim Brötel begrüßte. Der Landrat stieg dann auch gleich in die umfangreiche Tagesordnung ein, die mit der Einführung und Verpflichtung der neugewählten Mitglieder des Ausschusses, der – im Gegensatz zu allen andern kommunalen Ausschüssen – Teil des Jugendamtes ist, begann. 14 Mitglieder unterschrieben die Verpflichtungserklärung, bevor weitere Formalien erledigt wurde: Kreisrat Jens Wittmann aus Fahrenbach (CDU) wurde als stellvertretender Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses bestätigt. Zudem wird er gemeinsam mit Kreisrat Joachim Mellinger aus Walldürn (SPD) auch künftig als Vertreter des Jugendhilfeausschusses im Arbeitskreis „Jugendhilfeplanung im Neckar-Odenwald-Kreis“ mitwirken. Später wurde noch über die Nachbesetzung des Kuratoriums Jugendfonds entschieden. Der Jugendfonds unterstützt Projekte im Bereich der Jugendarbeit im Landkreis. Die Entscheidung über die eingegangenen Anträge erfolgt durch Beschlüsse des Kuratoriums, dem als Vertreter des Jugendhilfeausschusses künftig Guido Zilling, Geschäftsführer des Diakonischen Werks im Neckar-Odenwald-Kreis angehören wird. Er folgt auf Reinhardt Löhlein, der aus dem Jugendhilfeausschuss ausgeschieden ist.

Erster inhaltlicher Tagesordnungspunkt war die Förderung der Kindertagespflege, die die Ausschussmitglieder immer wieder beschäftigt. Im April 2012 waren Einzelheiten der Zusammenarbeit in einem Vertag zwischen dem Landkreis und dem Tagesmütterverein Neckar-Odenwald-Kreis e.V. (jetzt: Tageselternverein Neckar-Odenwald-Kreis e.V.) festgelegt worden. Da die Vertragslaufzeit am 31.12.2014 endet, stand nun eine Überprüfung der bisherigen Regelungen an. „In diesem Bereich hat sich in den letzten Jahren unglaublich viel entwickelt. Es gibt ganz neue Betreuungsformen wie Kinder-TigeR oder ein Pflegenest, das Beitragswesen wurde angepasst. Allein 2014 ist die Zahl der in Tagespflege betreuten Kinder im Kreis  von 113 auf aktuell 140 geklettert. Da machen Anpassungen durchaus Sinn“, erklärte Dr. Brötel dazu. 

In vorab geführten Gesprächen war Einvernehmen zwischen dem Landkreis und dem Tageselternverein, auch in der Sitzung vertreten durch Michaela Neff, erzielt worden.  Der entsprechende Vertragsentwurf mit einer Laufzeit von zwei Jahren wurde von den Ausschussmitgliedern einstimmig angenommen. Kreisrat Jens Wittmann (CDU) lobte die Weiterentwicklung beim Ausbau der Kindertagespflege, schränkte aber auch ein: „Wir sind auf einem guten Weg, aber wir sind noch nicht gut genug.“ Er betonte den Stellenwert der Qualifizierung, die Tageseltern in verschiedenen „Modulen“ erlangen: „Qualifizierung bedeutet zusätzlich zur Betreuung auch gute inhaltliche Arbeit.“ Auf Nachfrage von Kreisrat Mellinger (SPD) erklärte Peter Roos vom Fachdienst Jugendhilfe des Landratsamtes, dass es im Kreis bisher keine Klage gegeben habe bezüglich des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige.

Breiten Raum nahm die Vorstellung der Beratungsstelle für Kinderschutz ein, die Pascal Heffner mittels einer Präsentation übernahm. Dr. Brötel hatte vorab erklärt, dass gerade in Ausschüssen immer wieder Wert auf inhaltliche Aspekte gelegt würde: „Hinter den allgegenwärtigen Zahlen stehen nämlich Menschen, denen wir verpflichtet sind.“ Beim Kinderschutz hat das Anfang 2012 neu gefasste Bundeskinderschutzgesetz umfassende Verbesserungen vorgeschrieben. Die Beratungsstelle für Kinderschutz ist im Neckar-Odenwald-Kreis ein konkreter Ausfluss dieser gesetzlichen Bestimmungen. In ihr sind ganz verschiedene Arbeitsbereiche –  Kinderschutzberatung, Frühe Beratung und Familienhebammen, Elternhaus-Unser Netzwerk Kinderschutz – und konkrete Projekte wie der Familienwegweiser, Fortbildungsangebote oder Familienbesuche zusammengefasst mit einem Ziel: Kein Kind soll durch das so geknüpfte Netz fallen. Jede Bedrohung für Körper und Seele soll möglichst frühzeitig erkannt und im Zusammenwirken mit den Eltern abgewendet werden.

Der Landrat lobte Pascal Heffner und seine Kollegin Melanie Wagner als „kleines, aber sehr effizient arbeitendes Team“, wenn gleich die Wirksamkeit von Prävention nicht wirklich messbar sei und es auch keine „hundertprozentige Garantie“ im Kinderschutz geben könne. „Wir sind dennoch sicher, dass unsere präventive Arbeit, mit der wir auf vielen Ebenen ansetzen, positive Auswirkungen hat auf die Fallzahlen und die Falldauer in der Jugendhilfe. Wir tragen dazu bei, strukturelle Gefahren abzubauen, besser mit den Eltern zu kooperieren und die berühmten „Dunkelziffern“ zu erhellen, “ so Pascal Heffner. Fakten bestätigen die Wirksamkeit der Arbeit: Im zweiten Jahr seit Gründung der Beratungsstelle haben sich die Beratungszahlen in den einzelnen Arbeitsbereichen durchweg um bis zu 50 Prozent erhöht – ein Zeichen auch für die gestiegene Sensibilität. Wie sehr das Thema die Ausschussmitglieder interessierte, bewies die sich anschließende Diskussion zu Details der Arbeit der Beratungsstelle für Kinderschutz.

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