Schaffung von Unterkünften das dringlichste Thema

Landrat sucht Partnerschaft mit Kirchen, Organisationen und Ehrenamt

Bei einem „Flüchtlingsgipfel“ im Landratsamt wurde jetzt darüber beraten, wie im Main-Tauber-Kreis der große Zustrom an Flüchtlingen bewältigt werden kann. Landrat Reinhard Frank hatte hierzu die Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche, der Liga der Freien Wohlfahrtspflege und der ehrenamtlichen Initiativen zur Betreuung von Flüchtlingen eingeladen.

Kreis-Sozialdezernentin Elisabeth Krug schilderte die aktuelle Entwicklung der Flüchtlingszahlen. Weltweit sind mehr als 50 Millionen Menschen auf der Flucht. In Deutschland werden für das Jahr 2014 mehr als 200.000 Asylanträge erwartet. 2015 werden es laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge voraussichtlich nochmals so viele Anträge sein. Nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel, der nach Steueraufkommen und Bevölkerungszahl berechnet wird, muss das Land Baden-Württemberg 13 Prozent der Asylantragsteller in Deutschland aufnehmen. Von dem Kontingent des Landes entfallen 1,3 Prozent auf den Main-Tauber-Kreis. Das bedeutet konkret, dass dem Main-Tauber-Kreis im Jahr 2015 voraussichtlich nochmals 400 Flüchtlinge zugewiesen werden. Dies war bereits im Jahr 2014 der Fall. Die Landkreisverwaltung ist dazu verpflichtet, diese Menschen für zunächst maximal 24 Monate in sogenannten Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen, zu versorgen und zu betreuen. Aktuell leben in den Gemeinschaftsunterkünften in Bad Mergentheim, Külsheim, Tauberbischofsheim und Lauda rund 300 Menschen. Die Kreisverwaltung geht derzeit von einem Bedarf von zusätzlichen 300 Plätzen bis Ende 2015 und 400 Plätzen bis Ende 2016 aus.

Landrat Reinhard Frank bezeichnete daher die Schaffung weiterer Unterkünfte als den wichtigsten und dringlichsten Aspekt der Flüchtlingsthematik. Er bat insbesondere die Vertreter der Kirchen, alle möglicherweise geeigneten Gebäude zu nennen, die für eine begrenzte Zeit entbehrlich seien. Dabei sollten der Kreisverwaltung auch Gebäude gemeldet werden, die nicht sofort zur Verfügung stehen: „Wir brauchen in der Planung ohnehin einen gewissen Vorlauf und wären froh, auch mittelfristige Perspektiven zu haben“, sagte der Landrat.

„In hohem Maße dankbar“ zeigte sich Landrat Frank für das große Engagement der ehrenamtlichen Helfer. In Bad Mergentheim besteht bereits seit vielen Jahren ein Arbeitskreis Asyl. In Külsheim hätten viele Engagierte nach der Eröffnung der Flüchtlingsunterkunft im Juni 2013 „Pionierarbeit“ bei der Betreuung in einem kleineren Ort geleistet. Geradezu überwältigend sei das Engagement der Tauberbischofsheimer in der vorübergehend eingerichteten Unterkunft auf dem Laurentiusberg. Auch in Lauda, wo zuletzt eine Unterkunft eröffnet wurde, werden aktuell ehrenamtliche Betreuungsaktivitäten vorbereitet. In Wertheim hat sich bereits ein Kreis von Interessenten zusammengefunden, obwohl noch nicht einmal der Standort der geplanten Unterkunft endgültig feststeht.

Kreis-Mitarbeiterin Sylvia Karner koordiniert beim Landratsamt die soziale Betreuung der Flüchtlinge. Sie machte deutlich, dass sie den Ehrenamtlichen als Anlaufstelle bei allen Fragen zur Verfügung steht: „Viele Themen müssen sehr deutlich geklärt werden“, sagte sie. Die Kreisverwaltung will den ehrenamtlichen Helfern baldmöglichst auch eine Broschüre mit den wichtigsten Informationen und Kontaktdaten an die Hand geben. In diesem Zusammenhang formulierte Landrat Frank das Ziel, die Kirchen, die sozialen Organisationen und die Ehrenamtlichen dauerhaft als Partner zu gewinnen. Der Landkreis werde zudem zusätzliche Stellen schaffen, zum Beispiel für Sozialbetreuer und Hausmeister in den Flüchtlingsunterkünften. Haupt- und Ehrenamt sollten künftig noch besser miteinander verzahnt werden. Daher wurde vereinbart, dass sich die Teilnehmer des Flüchtlingsgipfels künftig zweimal im Jahr im Landratsamt treffen werden, um gemeinsam über offene Fragen und neue Themen zu beraten.

Außerdem soll geprüft werden, ob eine „Jobbörse“ für Asylbewerber eingerichtet werden kann. Ziel ist es, den Flüchtlingen sinnvolle, gemeinnützige Beschäftigungen schon während des laufenden Asylverfahrens anzubieten. Viele Flüchtlinge seien bereit und willens, etwas zu tun. Landrat Reinhard Frank griff damit eine Initiative des ehrenamtlichen Asyl-Arbeitskreises in Tauberbischofsheim auf. Die Kreisverwaltung wird nun zunächst den sehr eng gesteckten rechtlichen Rahmen für eine Beschäftigung von Flüchtlingen genau überprüfen. Landrat Frank betonte jedoch, dass es „überall Lösungsansätze“ gibt und verwies zum Beispiel auf positive Erfahrungen mit der Beschäftigung von Flüchtlingen bei der Landesgartenschau 2014 in Schwäbisch Gmünd.

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Landrat Reinhard Frank (stehend) hat bei einem Flüchtlingsgipfel im Landratsamt mit Vertretern der Kirchen, der Liga der Freien Wohlfahrtspflege und des Ehrenamts diskutiert. Künftig will man sich zweimal im Jahr zum Gedankenaustausch treffen. (Foto: LRA)

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