Teilnehmerrekord beim 4. OFIRTA

Zusammenarbeit bei der Notfallversorgung optimieren können
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Helfer aus nah und fern nutzten die Pausen, um ihre Erfahrungen auszutauschen und die Vorträge zu diskutieren (Foto: Michael Genzwürker)

Buchen. (hg) Rund um die Uhr sind die First Responder, qualifizierte Ersthelfer, einsatzbereit, um in ihren Gemeinden die Zeit bis zum Eintreffen des professionellen Rettungsdienstes zu überbrücken und so teils unmittelbar lebensrettende Hilfe zu leisten.

Für diese wichtigen Helfer organisierten die Leitenden Notärzte im Neckar-Odenwald-Kreis in Kooperation mit dem Förderverein Notfallseelsorge/Notfallnachsorge am Samstag zum vierten Mal den OFIRTA – Odenwälder First Responder Tag. Dank der Unterstützung mehrerer Sponsoren und vieler engagierter Mitwirkender war die Fortbildung für die annähernd 200 Teilnehmer kostenlos. Wichtige Zielsetzung der Veranstaltung ist es, durch gemeinsame Fortbildung verschiedener Fachdienste die Zusammenarbeit bei der Notfallversorgung immer weiter zu optimieren.

Eine besondere Würdigung erfuhr das ehrenamtliche Engagement der Helfer durch die Anwesenheit und die Grußworte von Landrat Dr. Achim Brötel, der auch die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernahm, und Bürgermeister Roland Burger als Vertreter der gastgebenden Gemeinde und Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Buchen. Im Verlauf besuchte zudem die Bundestagsabgeordnete Dr. Dorothee Schlegel die Veranstaltung. Sie alle betonten den unschätzbaren Wert der rund um die Uhr verfügbaren, gelebten Nachbarschaftshilfe, mit der die Einsatzkräfte bei zeitkritischen Notfällen zur Verfügung stehen. Mehrere Sponsoren hatten Preise gestiftet, sodass die beiden Glücksfeen Anna und Lea Genzwürker dafür sorgten, dass sich 30 Teilnehmer über kleine und größere Geschenke freuen konnten.

Restlos begeistert von der zum wiederholten Male tollen Resonanz zeigte sich Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker, Sprecher der Gruppe Leitender Notärzte und „Cheforganisator“. „Der neue Teilnehmerrekord motiviert natürlich ungemein. Mit Teilnehmern auch aus Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ist es ja fast schon eine internationale Veranstaltung.“, schmunzelt er.

Für den Auftaktvortrag kehrte ein gebürtiger Buchener in seine Heimatstadt zurück. Dr. Wolfram Geier vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gab einen Einblick in seine Arbeit und stellte die „Bedeutung Kritischer Infrastrukturen bei Großschadens- und Katastrophenlagen“ sehr anschaulich dar. Auch die Rettungsdienste und Feuerwehren sind bei plötzlichen Stromausfällen betroffen, genau wie beispielsweise die Krankenhäuser. Als problematisch erweise sich in unserer modernen Welt ein Phänomen, das er als „Verletzlichkeitsparadoxon“ bezeichnete: je zuverlässiger alle Systeme um uns herum arbeiten, umso gravierender sind die Folgen, wenn sie plötzlich ausfallen. Vielen sei beispielweise im Alltag kaum bewusst, dass ohne Strom auch Tankstellen und Supermärkte plötzlich nicht mehr funktionieren können.

Seinen Vortrag zu aktuellen Entwicklungen im Rettungsdienst nutzte Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker, um über mehrere wichtige notfallmedizinische Themen zu informieren. Neben den Empfehlungen des Landesgesundheitsamtes zum Vorgehen bei Ebola-Verdacht, der Schlaganfallversorgung und dem Transport schwergewichtiger Patienten nahm er sich auch der Gefahren an, die von Kohlenmonoxid und Zyaniden ausgehen. Zusätzlich stellte er die „10 Thesen für 10.000 Leben“ vor, mit denen die Überlebensrate bei Kreislaufstillstand gesteigert werden sollen, und warb bereits jetzt für die Woche der Wiederbelebung im September 2015.

Einmal quer durch die Notfallmedizin ging es im sehr praxisnahen Vortrag „An was man alles denken soll … – Strukturierung der ersten rettungsdienstlichen Maßnahmen“ von Dr. Ralf Schnelle aus Stuttgart. Neben seiner Tätigkeit als Notarzt sowie als Autor von Fachbeiträgen und Büchern unterrichtet er an der DRK-Landesschule in Pfalzgrafenweiler. Gerade die Ausbildung ehrenamtlicher Hilfskräfte liegt ihm sehr am Herzen, weshalb er sich gerne die Zeit nahm nach Buchen zu kommen.

Unterhaltsam brachte er den vielen Interessierten wichtige Standards der Patientenversorgung näher.
Frisch gestärkt durch ein hervorragendes Mittagessen – zubereitet durch Mitglieder des DRK Hardheim, welche auch den ganzen Tag ehrenamtlich für ausreichend Kaffee sorgten – ging es in den Nachmittag.

Wie wichtig es ist, bei allen Bemühungen um den Patienten die eigene Sicherheit nicht zu vernachlässigen, zeigte Michael Kiefner, Rettungsdienstleiter beim DRK-Kreisverband Mosbach auf. Mannigfaltige Gefahren – offensichtlich oder verdeckt – können die Patientenversorgung beeinträchtigen, aber schlimmstenfalls auch zu Schädigungen bei den eingesetzten Helfern führen. Gerade die Anfahrt zur Einsatzstelle und die Tätigkeit auf und an Straßen sowie das Risiko von Infektionen nannte er als Beispiele, warum die Ausstattung mit der notwendigen Einsatz- und Schutzkleidung unumgänglich ist.

Der Kommunikation an Einsatzstellen widmete sich Henning Waschitschek, Rettungsassistent und Mitglied des Notfallseelsorge-/Notfallnachsorgeteams im Neckar-Odenwald-Kreis. „Wir können nicht nicht kommunizieren“, mahnte er die Anwesenden, auch für die Wirkung von Gesten gerade auf Angehörige von Notfallpatienten sensibel zu sein. Selbstverständlich müsse der Patient im Mittelpunkt der Handlungen stehen, doch könnten Familienmitglieder oft mit geringem Aufwand besser über den Verlauf und den Grund von Maßnahmen informiert werden.

Auch wenn einige glückliche Umstände ein schlimmeres Unglück verhinderten, gibt es doch viele Lehren aus dem Zugunglück in Mannheim am 01.08.2014 zu ziehen. Aus der Sicht des Fachberaters Rettungsdienst berichtete Dr. jur. Andreas Pitz, Leiter der Koordinierungsstelle Rettungsdienst der Stadt Mannheim über dieses Ereignis, das bundesweit Aufmerksamkeit erregte. Gerade die Zusammenarbeit von Rettungskräften aus verschiedenen Bereichen stellte neben der Arbeit im Bahnbereich eine besondere Herausforderung dar.
Ganz wichtiges Element der Veranstaltung war auch der Austausch der Teilnehmer untereinander. Im Rahmen einer kleinen Ausstellung unterstützender Firmen konnten zusätzliche Informationen eingeholt werden.

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