Weihnachtsbrief von Landrat Dr. Achim Brötel

Achim Broetel

Landrat Dr. Achim Brötel. (Foto: pm)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

so wie es aussieht, werden wir auch dieses Jahr wohl keine weißen Weihnachten haben. Es ist einfach zu warm dazu. Verkehrte Welt? Das kann schon sein. Der Klimawandel lässt grüßen.

Eine verkehrte Welt gibt es aber auch noch in ganz anderen Zusammenhängen. Ich denke dabei etwa an die wirtschaftliche Entwicklung auf der einen und unsere eigene Wahrnehmung davon auf der anderen Seite. Beides passt nämlich oft nicht zusammen. Allein seit 2008 sind im Neckar-Odenwald-Kreis rund 3.000 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze neu entstanden. Die Arbeitslosenquote liegt bei sehr guten 3,6 %. Trotzdem nehmen viele von uns das anders wahr. Warum eigentlich? So sieht jedenfalls kein Landkreis aus, der sich im Niedergang befindet. Vielleicht müssen wir alle deshalb einfach auch wieder ein neues Selbst-Bewusstsein entwickeln.

Draußen in der Welt stellen sich die Dinge derzeit aber bei weitem nicht so positiv dar. Über 50 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Krieg, Bürgerkrieg, Verfolgung und Not bestimmen das Bild. Diese Menschen brauchen unsere Hilfe und Unterstützung. Und: Wir stellen uns der Verantwortung. Das ist zweifelsohne eine große Herausforderung. Es ist zugleich aber auch eine humanitäre Verpflichtung. Im Moment entstehen dazu im gesamten Kreisgebiet weitere Flüchtlingsunterkünfte. Die Solidarität der Städte und Gemeinden ist groß. Vor allem aber bin ich stolz, dass uns so viele Ehrenamtliche aus allen Teilen der Bevölkerung dabei unterstützen. Nur so kann es letztlich auch gelingen. Wir alle sind gefordert, uns bei der Bewältigung dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe aktiv mit einzubringen. Darauf vertraue ich auch im kommenden Jahr.

Vor 12 Monaten war die finanzielle Schieflage der Neckar-Odenwald-Kliniken noch das alles beherrschende Thema. Inzwischen können wir erfreulicherweise aber sagen: der Patient befindet sich wieder auf dem Weg der Besserung. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten zusammen mit Geschäftsführer Norbert Mischer trotz nach wie vor schwieriger Rahmenbedingungen eine wirklich hervorragende Arbeit. Der dauerhafte Erhalt unserer Häuser in kommunaler Trägerschaft ist und bleibt dabei unser wichtigstes Ziel. Dabei schließe ich das Belegkrankenhaus in Hardheim, das in finanzieller Hinsicht von der Gemeinde allein getragen wird, ausdrücklich mit ein. Für was wir kämpfen, kann man vor allem dort ganz gut sehen, wo private Träger das Sagen haben. Wohnortnahe Versorgungsstrukturen mit einem menschlichen Gesicht bleiben dabei zunehmend auf der Strecke. Die Tatsache, dass unsere Belegungszahlen steigen, zeigt, dass die Menschen im Neckar-Odenwald-Kreis zu ihren Krankenhäusern stehen. Das stimmt mich zuversichtlich. Trotzdem sind wir noch nicht über dem Berg. 2015 werden wir über ein medizinisches Gesamtkonzept beraten. Wenn der Rahmen erst einmal steht, geht es dann daran, das Ganze auch mit weiterem Leben zu erfüllen.

Die Bewältigung des demographischen Wandels bleibt auch weiterhin eine Daueraufgabe. Sobald dieses Stichwort fällt, denken wir aber immer noch allzu oft geradezu reflexhaft nur an ältere Menschen. Das ist zwar sicher nicht falsch. Der erfreulich starke Anstieg der Seniorinnen und Senioren steht eigentlich aber erst am Ende einer Kette. Wer den demographischen Wandel stoppen oder ihn gar umkehren will, muss nämlich gerade umgekehrt bei den Jüngeren ansetzen, Paaren wieder Mut zu Kindern machen und die Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessern. Auch da ist in den vergangenen Jahren im Neckar-Odenwald-Kreis schon unglaublich Vieles geschehen. Trotzdem: Es gibt nichts, was nicht noch besser werden könnte.

Erfreulicherweise finden sich aber genauso Themen, bei denen der Neckar-Odenwald-Kreis schon jetzt ganz oben steht. So sind wir etwa nach wie vor alleiniger Tabellenführer in der baden-württembergischen Landesliga der Erneuerbaren Energien. 2012 lagen wir noch bei einem Eigenversorgungsgrad im Strombereich von 40 %. Heute sind es bereits 50 %. Niemand im Land kann mehr vorweisen. Das ist ganz praktische Arbeit für den Klimaschutz, aber auch für eine neue Wertschöpfung in der Region und für die Region.

Mit Blick auf die Zukunft wird der weitere Ausbau der Breitband-Versorgung ein zentrales Thema sein. Schnelles Internet für alle ist heute längst eine wichtige Standortvoraussetzung. Auch da ist in den vergangenen Jahren schon wertvolle Grundlagenarbeit geleistet worden. Jetzt gilt es aber, darauf aufzubauen und so richtig Gas zu geben. Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an einem neuen Modell. Wenn das gelingt, was wir vorhaben, wird es zweifelsohne ein neuer Quantensprung sein. Drücken wir uns gegenseitig die Daumen, dass es klappt.

Auch in diesem Jahr waren es vor allem wieder die Menschen und die persönlichen Begegnungen, die uns im Neckar-Odenwald-Kreis getragen haben. Den vielen Ehrenamtlichen, die sich in wirklich bewundernswerter Weise für das Gemeinwohl einsetzen, danke ich sehr herzlich. Wenn es so etwas wie ein Markenzeichen für unseren Kreis gibt, dann ist es gerade dieses unglaublich wichtige bürgerschaftliche Engagement.

Von Jochen Klepper stammen die berühmten Worte „Der Du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen“. Das will ich Ihnen gern mit auf unseren gemeinsamen Weg in das neue Jahr geben. Gehen wir es deshalb auch 2015 wieder voller Zuversicht und Freude an. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien von Herzen eine besinnliche Weihnachtszeit, sowie Gottes Segen und dann einen guten Start in ein hoffentlich für uns alle gesundes, glückliches und friedvolles neues Jahr 2015.

Auf Weihnachtskarten oder Geschenke haben wir erneut verzichtet und den entsprechenden Betrag stattdessen dem Förderverein unseres Frauen- und Kinderschutzhauses zur Verfügung gestellt.

Ihr

Dr. Achim Brötel

Landrat

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