Historischen Grenzstein der Nachwelt erhalten

Seckach. (lm) „Ein besonderer Stein innerhalb der Gemarkung befindet sich im Hühnerwäldchen. Dieser Stein bezeugt mit dem Mainzer Rad den früheren Besitzstand, vermutlich den der Herren von Henneberg. Um diese Abbildung rankt sich auch eine Sage mit geschichtlichem Hintergrund.

So erzählt man sich: Nach den Zeiten der Pest war das Dorf verarmt, ausgehungert und fast menschenleer. Aus dieser Not heraus war es ein Anliegen der Wenigen aus dem Dorf, einen Teil ihres Waldes mit dem Waidachshof für eine Glucke mit jungen Hühnchen einzutauschen.“ So steht es im Heimatbuch „1200 Jahre Seckach“ von Berthold Schmitt geschrieben.

Und dieser besondere Stein wäre bei Rückearbeiten zwischen Seckach und Waidachshof fast für immer verloren gewesen. Dank der Initiative von Werner Keller (Waidachshof) konnte der Stein mit Unterstützung von Martin Müller und in Absprache mit Revierleiter Armin Walzel für die Nachwelt gesichert und wieder an seinem Originalplatz aufgestellt werden.

Wie wichtig die Markierung von Grenzen für die Menschen ist, zeigt unsere Geschichte – egal in welcher Epoche. Während in der Frühzeit natürliche Grenzmerkmale wie z.B. Flüsse oder markante Landschaftsteile diesem Zweck dienten, wurde später von den Römern die Sitte der Grenzsteinsetzung übernommen.

Das Wort „Grenzstein“ scheint jedoch neueren Datums zu sein, denn zunächst verwendete man die Bezeichnungen „Bann“ und „Mark“. Abgeleitet davon sind Begriffe wie „verbannen“ oder „Gemarkung“. Neben einem Wappen, einem Namen oder einer Nummer fanden sich auf diesen Steinen auch Einkerbungen, die den weiteren Grenzverlauf zeigten. Änderte sich der Grenzverlauf, setzte man sogenannte Eck- oder Hauptsteine, während die dazwischen stehenden Steine den Namen „Läufer“ trugen.

Zwangsläufig verlor diese Art von Grenzziehung mit der Entwicklung der modernen Vermessungsmethoden ihre Bedeutung und die Steine verschwanden daher vielfach aus dem Landschaftsbild. Glücklicherweise blieb dieses Schicksal dem Läufer im Hühnerwäldchen erspart.

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Unser Bild zeigt von links: Martin Müller und Werner Keller mit dem „geretteten“ und neu aufgestellten Grenzstein. (Foto: Liane Merkle)

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