Waldbrunn ist mehr als die Summe der Ortsteile

Markus Haas bei der Neujahrsansprache

Bürgermeister Markus Haas lobt im Rahmen  seiner Neujahrsansprache den Zusammenhalt über die Ortsteilgrenzen hinaus. (Foto: Hofherr)

Waldbrunn. Nachdem die Sternsinger ihren Segen gebracht hatten, konnte Bürgermeister Markus Haas zum traditionellen Neujahrsempfang der Gemeinde Waldbrunn neben vielen Bürgern auch zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Funktionäre der örtlichen Vereine begrüßen. Anschließend ging das Rathauschef zunächst auf das vergangene Jahr ein, das die Dörfer auf dem Winterhauch zu mehr gemacht hat, als die Summe seiner sechs Ortsteile.

Neben dem Höhepunkt Kommunalwahl mit dem Ergebnis eines kleineren, aber dafür auch „jüngeren und weiblicheren“ Gemeinderat, seien es die 650-Jahrfeier im Ortsteil Schollbrunn und die Teilnahme des Ortsteils Mülben am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gewesen, die im Jahr 2014 bewegt hätten. Beide Aktionen hätten einen enormen Zusammenhalt innerhalb der Dorfgemeinschaften, aber auch über die Ortsteilgrenzen hinaus offenbart. So haben alle sechs Dörfer zu einem unvergesslichen Festwochenende im Juni in Schollbrunn beigetragen, während der Dorfwettbewerb in Mülben ein völlig neues Wir-Gefühl belebt habe.

Neben diesen Punkten sei man auch in der Daseinsvorsorge weitergekommen, stellt Haas weiter dar. So habe man mit dem Waldbrunn-Express eine Mobilitätshilfe nicht nur für Senioren ins Leben gerufen und sei mit der Schaffung einer neuen Kleinkindbetreuung im Kindergarten Oberdielbach einem Wunsch vieler Eltern nach einem verbesserten Angebot nachgekommen. Waldbrunn sei daher für alle Generationen eine mehr als lebenswerte Gemeinde, die stets darum bemüht sei, die Infrastruktur auszubauen. Hierzu gehöre auch die Bildung einer Kooperationsklasse zwischen Winterhauch-Schule und Schwarzbach Schule, durch die gewährleistet werde, dass körperlich und geistig behinderte Kinder wohnortnah unterrichtet werden können. Damit habe man einen Beitrag zur Inklusion geleistet, betonte Bürgermeister Markus Haas.

Aber auch weniger Erfreuliches sparte das Gemeindeoberhaupt in seiner Ansprache nicht aus. So habe man schweren Herzens zustimmen müssen, dass künftig keine weiterführenden Klassen an der Winterhauch-Schule in Strümpfelbrunn unterrichtet werden. Aufgrund der Schülerzahlen habe man aber gemeinsam mit Limbach und Fahrenbach einen Antrag auf Gemeinschaftsschule gestellt. Mit der Sanierung des Dachs der Katzenbuckel-Therme, die möglicherweise aufgrund von Baumängeln erforderlich werde, sei ein weiteres Punkt, der Sorge bereitete,  so Haas.

Sei es normalerweise üblich, um Rahmen der Neujahrsansprache auf lokale Gegebenheiten einzugehen, müsse man bei der aktuellen Weltlage mit Krieg, Bürgerkrieg, Verfolgung und Not, die Millionen von Menschen zur Flucht aus ihren Heimatländern zwinge, auch globale Ereignisse in den Fokus nehmen, blickte Bürgermeister Markus Haas über den Tellerrand hinaus. Außerdem wirke sich die große menschliche Not auch auf den Neckar-Odenwald-Kreis und damit die Gemeinde Waldbrunn aus, war doch die Unterbringung von Flüchtlingen ein wesentliches Handlungsfeld. Um Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung Sicherheit zu gewähren und damit einer humanitären Verpflichtung nachzukommen, habe sich die Winterhauchgemeinde dieser Verantwortung gestellt und sich bei dieser Aufgabe aktiv eingebracht. In Abstimmung mit dem alten und dem neuen Gemeinderat, der einem Verwaltungsvorschlag einstimmig folgte, habe man Wohnraum anmieten und zwei verfolgten Familien aus Pakistan bzw. Syrien Unterkunft gewähren können, so Haas.

Gemeinsam habe man viel erreicht, so das Gemeindeoberhaupt weiter. Diese erfolgreiche Politik wolle man auch im neuen Jahr fortsetzen, wagte Haas einen Ausblick. Das Jahr 2015 werde ein Jahr der Planung und Richtungsbestimmung sein. Um Waldbrunn weiterhin zukunftsfähig und attraktiv halten, gehe man den Ganztagesbetrieb in der Winterhauch-Schule an. Nur durch entsprechende Angebote und Familienfreundlichkeit könne man die Zukunftsfähigkeit sichern, zeigte sich Haas überzeugt.

Um den begonnenen Weg der Haushaltskonsolidierung fortzusetzen gelte es, zwischen Wünschenswertem und Machbarem zu differenzieren. Alles war geplant und angedacht werde, stehe daher unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit.

Vor diesem Hintergrund komme dem bürgerschaftlichen Engagement in der Gemeinde, in Vereinen, Kirchen und Initiativen eine besondere Bedeutung zu. Viele Aufgaben, die von der Gemeinde finanziell nicht stemmen seien,  würden durch ehrenamtliches Wirken engagierter Bürger erfüllt, lobte Markus Haas, für den dadurch auch die Lebensqualität gesteigert werde. Aus diesem Grund sei es ihm ein großes Anliegen, dieses Wirken, die Tatkraft, die Ideen und die positive Energie für das Gemeinwesen öffentlich zu würdigen.

Offensichtlich werde das enorme Potenzial anhand einiger Beispiele, die mit der Neugestaltung des Blumenbeetes am Friedhofskreuz in Strümpfelbrunn, den unzähligen Arbeitsstunden des Instandhaltungsteams Weisbach, die eifrige Mithilfe bei den Vorbereitungen zur 650-Jahrfeier in Schollbrunn oder die Renovierungen an der Friedhofskapelle in Oberdielbach.

Der Einsatz für das Allgemeinwohl im Rahmen der genannten, aber auch im Rahmen vieler ungenannter Projekte und Arbeitseinsätze rund um Waldbrunn zeige, das alle Waldbrunner Ortsteile durch das gemeinsame Zusammenwirken Zukunft habe.

Die Gemeinsamkeit und das Engagement der in Waldbrunn lebenden Menschen stärke die Kommune und bilde eine gute Basis für das Jahr 2015, schloss Bürgermeister Markus Haas seine Ansprache.

MdB Alois Gerig hob in seinem Grußwort hervor, dass man in Deutschland seit 70 Jahren in Frieden und großem Wohlstand lebe. Daher sei man in der Pflicht und in der Lage, verfolgten Menschen zu helfen. Für Fremdenfeindlichkeit und Parteien, die sich gegen Europa formieren habe er daher kein Verständnis. Sei es doch dieses Europa, das den 70 Jahre anhaltenden Frieden garantiere.

Auch Kollegin Dr. Dorothee Schlegel sprach sich deutlich gegen Fremdenhass aus und lobte ebenso das ehrenamtliche Engagement in der Kommune. Häufig seien Bürger schneller in der Lage, auf Herausforderungen zu reagieren, so Schlegel.

Für Landrat Dr. Achim Brötel ist das ehrenamtliche Engagement der Bürger in den sechs Waldbrunner Ortsteilen ebenfalls bewundernswert. Dies sei ein Pfund, mit dem der ländliche Raum wuchern könne, sei es doch zugleich auch eine große Chance auf dem Weg in die Zukunft. Außerdem zeige dies, dass der Neckar-Odenwald-Kreis soziale Strukturen habe, die in den Städten für viel Geld erst geschaffen werden müssen. Dennoch blicke man von dort mit einer gewissen Arroganz auf die Dörfer im Odenwald, so der Landrat weiter. Bürgersinn sei also noch kein Fremdwort, sondern vielmehr Ausdruck einer hohen Identifikation der Menschen mit ihrer Heimat. Das werde in Waldbrunn sehr deutlich, lobte Brötel. Beispielhaft sei hierfür das enorme Engagement in Mülben im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“. Er sei jedoch sicher, dass nicht nur Mülben diese Zukunft habe, sondern alle Dörfer, in denen etwas dafür getan wird.

Abschließend ging Brötel auf die besonderen Herausforderungen ein, die im Jahr 2015 anstehen. Er nannte dabei ebenfalls die Unterbringung von Flüchtlingen, wo sich Waldbrunn vorbildlich eingebracht habe, aber auch die medizinische Versorgung. Neben den Neckar-Odenwald-Kliniken in kommunaler Trägerschaft, sei die flächendeckende  haus- und fachärztliche Versorgung enorm wichtig. Mit dem Bau eines Ärztehauses in Strümpfelbrunn sei die Winterhauchgemeinde hier einen absolut zukunftsweisenden Weg gegangen, um den Waldbrunn sicherlich beneide werde, so Brötel abschließend.

Es folgten Ehrungen langjähriger Kommunalpolitiker, Blutspender und erfolgreicher Sportler und Künstler (s. ges. Berichte), bevor Bürgermeister Markus Haas zum Umtrunk und Imbiss lud.

Für die musikalische Umrahmung des Neujahrsempfangs war das Bläserquintett Hoher Odenwald um Edwin Petschenka verantwortlich.

 Neujahrsempfang Waldbrunn

In der Winterhauch-Halle konnte Bürgermeister Markus Haas (5.v.li.) zahlreiche Gäste begrüßen. Darunter Amtsvorgänger Bürgermeister Klaus Schölch (2.v.li.), Landrat Dr. Achim Brötel (6.v.li.) MdB Alois Gerig (8.v.li.) und MdB Dr. Dorothee Schlegel (10.v.li.). (Foto: Hofherr)

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