jo! Ihr pünktlich – wir sicher!

In Kooperation mit der Johannes Diakonie starten wir heute die Kolumne „jo! – meinung“. Dabei werden wir Beiträge der Autor_innen der Zeitschrift „jo! – das meinungs-starke Magazin“ von Menschen mit Behinderung für Menschen mit Behinderung der Johannes-Diakonie Mosbach veröffentlichen. Es ist ein festes Team von Menschen mit Behinderung, die in der Johannes-Diakonie an verschiedenen Standorten wohnen, arbeiten oder auf eine andere Weise mit der Johannes-Diakonie zu tun haben, die  für Texte und Bilder sorgen.

Die Autor_innen werden aus ihrer Sicht erzählen, wie sie „Behinderung“ empfinden und welche Themen bewegen. Motto: Es gibt viele Menschen ohne Behinderung, die über Behinderte schreiben. Wir wollen aber selbst schreiben, weil wir Experten für Behinderung sind und unsere eigene Meinung haben.

Wir freuen uns, den Kolleg_innen von „ „jo! – das meinungs-starke Magazin“ eine Plattform bieten zu können. Heute starten wir mit einem Kommentar von Mario Kark, der in der Zieglersmühle in Mosbach lebt.

Ihr wollt pünktlich sein – Wir wollen sicher ankommen!

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Wenig Rücksicht nehmen die Schleichwegnutzer an der ZIeglersmühle in Mosbach. Immer wieder wird es für Mario Kark und seine Mitbewohner sogar gefährlich, weil die Fahrer rasen. (Foto: jo!)

Es gibt ein Problem an der Zieglersmühle in Mosbach, wo wir zwölf Bewohner leben. Da rasen Autos vorbei, obwohl sie das gar nicht dürfen. Die Autos kommen aus Neckarburken und fahren ins Industrie-Gebiet. Das fängt hinter den Werkstätten am Sportplatz an. Die Autofahrer schaffen im Industrie-Gebiet. Die fahren eine Abkürzung dahin und nicht unten auf der Hauptstraße B27. Da ist morgens immer Stau an einer Ampel, wo es nach Mosbach reingeht.

Fremde Autos dürfen an der Zieglersmühle aber nicht fahren. An der Einfahrt steht ein Schild, dass hier nur die fahren dürfen, wo hier wohnen. Aber auch Traktoren, die Feuerwehr und Krankenwagen.

Es ist gefährlich, wenn wir morgens zur Arbeit in die Werkstätten gehen. Oder zum Einkaufen in die Stadt. Die Autos rasen so schnell, dass sie nicht rechtzeitig bremsen können. Außerdem ist die Straße eng, da sieht man nichts. Auch die Autos sehen uns nicht. Wir gehen dann langsamer, weil wir vorsichtig sind. Und wenn ein Auto kommt, gehen wir schneller und müssen dann zur Seite springen. Manche, wo hier wohnen, können aber nicht so schnell laufen. Eine Mitbewohnerin musste mal bei Regen von der Straße springen, weil ein Auto angerast kam. Die ist dann in den Matsch gefallen, weil das Auto sie nicht gesehen hat. Wir haben Angst, wenn wir auf die Straße gehen. Das ist gefährlich.

Ich habe schon zwei Autofahrer angehalten. Denen habe ich gesagt, sie dürfen da nicht langfahren. Eine Autofahrerin war höflich und hat sich entschuldigt. Andere sind nicht so höflich. Ein Autofahrer hat gesagt: Was machst du da? Du hast mir nichts zu sagen! Deshalb muss die Polizei oder der Bürgermeister etwas machen.

Ich bin ich zur Polizei gegangen. Und zum Ordnungsamt. Die haben gesagt: Wir kucken danach. Aber es ist nichts geschehen.

Das ist für uns gefährlich, aber auch für Spaziergänger und Mitarbeiter der Johannes-Diakonie. Vor kurzem ist bei uns ein Mitarbeiter von einem Auto angefahren worden. Jetzt fährt die Polizei jeden Tag Streife oder versteckt sich an der Straße. Die haben schon Autos angehalten. Eine Frau musste eine Strafe zahlen, 20 Euro. Die hat sich geärgert. Das ist mir aber zu wenig. Wenn ich Polizist wäre, hätte ich 150 Euro als Strafe verlangt, wenn die rasen. Die Polizei hat auch Jugendliche im Auto verfolgt. Da haben wir uns kaputtgelacht. Ich habe gedacht, die von „Alarm für Cobra 11“ aus dem Fernsehen sind hier unterwegs. Endlich, endlich, endlich haben die Autofahrer was abgekriegt! Darüber haben wir uns gefreut.

Ich wünsche mir, dass hier nicht mehr gerast wird. Und dass die Polizei immer wiederkommt. Wir können das mit dem Anhalten nicht immer machen, weil auch wir arbeiten gehen. Das ist der Job der Polizei. Oder es muss eine Schranke an der Straße gebaut werden. Dann kriegen Schlüssel nur die, wo hier fahren dürfen.

Die Autofahrer rasen, damit sie pünktlich zur Arbeit kommen. Wir brauchen deshalb länger zur Arbeit. Und manchmal sind wir froh, dass wir überhaupt da ankommen.

Mario Kark

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