Entwicklungshelfer auf eigene Faust

„Leben braucht Wasser“ inspiziert Pumpen in Peru

Seckach. (lm) Sechs Wochen dauerte die Inspektionsreise von Bernhard Heilig und Manfred Glittenberg, die sich als Vorsitzende des Seckacher Förderkreises „Leben braucht Wasser“ nicht nur gegenüber den „Ärmsten der Armen in Peru“, sondern auch gegenüber ihren Freunden, Gönnern und Sponsoren verantwortlich fühlen. Aus diesem Grund hatten sie zu einem ausführlichen Infoabend in den großen Sitzungssaal des Seckacher Rathauses eingeladen und waren vermutlich selbst am meisten über die ausgesprochen gute Resonanz überrascht.

Sechs Wochen hört sich lange an, aber Peru ist mindestens so groß wie seine Armut, das Bildungsniveau aber leider so niedrig, dass jede Neuerung schon aus Gründen des Verständnisses, aber auch der Mentalität, bedeutend mehr Zeit in Anspruch nimmt als in Europa. Vor allem war es keine Touristikreise, sondern Überprüfung der bereits installierten Projekte wie die 200 Pumpen für Mocupe oder die beiden betreuten Schulen mit ihrer neuen Wasserversorgung sowie Suche nach neuen Projektpartnern, Projekten und Mitstreitern – und das alles auf eigene Kosten und dem Standard der jeweiligen Gastgeber angepasst.

So anstrengend das Ganze auch war, die beiden „Entwicklungshelfer auf eigene Faust“ zeigten sich mit dem Ergebnis der Reise mehr als zufrieden. „Wir haben tolle Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft kennen gelernt.“ So konnten sie beispielsweise Alvaro Rubina, der ihnen eigentlich nur als Dolmetscher und Fahrer empfohlen war, für die Sache des Förderkreises „Leben braucht Wasser“ gewinnen. Ein Gewinn in mehrfacher Sicht, denn Rubina hat in Deutschland studiert und gearbeitet, ist mit einer deutschen Frau verheiratet und weiß daher nicht nur wie seine Landsleute „anzupacken“ sind, sondern auch wie die Deutschen „ticken“.  

Mit Begeisterung, und schon jetzt überwältigendem Erfolg hat er den ehrenamtlichen Job als Vorsitzender des dort neu eingerichteten Förderkreis-Ablegers „La vida necesita agua“ übernommen. Die Reise hat den Verantwortlichen aber auch klar gemacht, dass es nicht nur darum geht, so viele Einfachstpumpen wie möglich zu installieren, sondern vielmehr darum, so vielen Menschen wie nur möglich den realistischen Zugang zu gutem Trinkwasser zu ermöglichen. Darum steht das neue kurzfristige Ziel des Förderkreises bis 2016 auch unter dem Motto „Trinkwasser für 1.000 Menschen in Peru“, und zwar je nach örtlichen Gegebenheiten mittels Pumpen und/oder Rohrbrunnen, Wasserbecken, Tanks usw. Des Weiteren sollen zwei Mitarbeiter von „La vida necesita agua“ qualifiziert werden, in einer jährlichen Inspektionsreise die bereits installierten Pumpen zu warten. Weiterer Sachverstand wird für die Verbesserung und Sicherung der Wasserqualität von Nöten sein und um auch tiefere Brunnen bohren zu können, hat der Förderkreis in Seckach bereits eine robuste hydraulische Bohrmaschine angeschafft, die noch in diesem Jahr die Reise nach Peru antritt und dort nach einer ausführlichen Schulung der örtlichen Mitarbeiter zum Einsatz kommt.

Als weitere Herausforderung sehen die Vorsitzenden neben der „Beschaffung“ der jährlich notwendigen 30.000 Euro vor allem die umfangreichen Projekte. Vordringlich scheint ihnen die Schulung vom Umgang mit Wasser und Hygiene an den Schulen, damit das Wissen über die Kinder auch in die Familien gelangen kann. Es steht die Verbesserung der bisherigen Pumpen in Qualität und Preis an, weiter habe man Anfragen für drei weitere regionale Pumpenprojekte wie in Mocupe verwirklicht.

Bernhard Heilig und Manfred Glittenberg konnten sich im Rahmen ihrer Inspektionsreise aber auch von Erfolg anderer Hilfsprojekte überzeugen, die aus der Region unterstützt und gefördert werden. So z.B.  von der Organisation „Arco iris“ in La Paz in Bolivien, die sich für Straßenkinder einsetzt und vom jährlichen Erlös des Fastenessens in St. Marien Adelsheim profitiert. Ein weiterer Besuch galt kirchlichen Schulen für geistig behinderte Kinder in Arequipa (Peru), die seit vielen Jahren von der ökumenischen Eine-Welt-Gruppe Adelsheim-Osterburken unterstützt werden, und deren große Bedeutung von Mitgründerin Mechthild Hagen vorgestellt wurde.

Viel Beifall erntete dieser Info-Abend, in dem auch die schlanke Struktur des Förderkreises vorgestellt wurde, die man künftig auf einen „breiteren Sockel“ stellen will, bei dem „freie“ Mitarbeiter genauso zum Einsatz kommen sollen wie „Projektleiter“, „Dauermitstreiter“ oder fördernde Mitglieder.

Wer sich unabhängig davon in die Arbeit des Förderkreises einbringen will, darf gerne eine Spende überweisen auf das Konto „Förderkreis Leben braucht Wasser e.V.“ bei der Sparkasse Neckartal-Odenwald, BLZ 674 500 48, Konto-Nr. 1001 221 363. 

Infos im Internet:

www.lebenbrauchtwasser-ev.de/

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