„In Mudi herrscht a Wertschaftskrise“

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(Foto: Liane Merkle)

Mudau. (lm) „An jeder Ecke in Mudi wird man darauf hingewiesen, in Mudi herrscht a Wertschaftskrise“, doch die Aktiven der KG Mudemer Wassersucher folgten ihrem Motto und „ließen sich die Stimmung net vermiese“. Im Gegenteil, sie hatten alles gegeben an ihren beiden Prunksitzungen, waren mit Herzblut bei der Sache gewesen, hatten ein super Programm zusammengestellt und wurden belohnt mit einer Bombenstimmung, Schunkelrunden, La Olas, Raketen, stehende Ovationen und Gesang auf der Bühne und im Saal. Man hatte sogar einige Lösungsansätze gegen die „Wertschaftskrise“ gefunden.

Und ganz sicher hatten sich die Wassersucher als Gastgeber bestens gewährt. Denn an den beiden Sitzungen hatten sich nicht nur Abordnungen aus allen Ortsteilen, sondern auch aus Osterburken, Waldstetten, Zwingenberg, Hettigenbeuern, Hettingen, Amorbach, Walldürn und Limbach im Narrentempel eingefunden, auch um dem Mudemer Prinzenpaar die Ehre zu erweisen. Denn nicht nur die Sitzungspräsidenten Carlo Götz und Ralf Späth, die ihre gelungene Moderation mittels Hut-Modenschau unterstrichen, sahen Ihre Lieblichkeit, Prinzessin Kerstin II. (Müller), und seine Tollität, Prinz Moritz I. (Sacher) als echte Kracher.

Der tosende Applaus bei ihrer Proklamation sprach Bände, und als sich dann noch Queen-Mum (Angelika Sacher) in würdevoller Haltung „very amused“ über Upperhouse and Lowerhouse äußerte, gab es fast kein Halten mehr. Eindeutig war Moritz I. „Thronfolger von Geburt“, der alles für seine charmante Biene „Kerstin II.“ tut, außer Hausarbeit. Doch beide können stolz sein auf das närrische Gen, weshalb sie auch die Faschenaacht künftig nicht mehr schon um acht Uhr verbrennen wollen. Außerdem plädieren sie für mehr nächtliche Beleuchtung in den Straßen und Gassen ihres Reiches nachdem Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger ihnen mittels Schlüsselübergabe die Regierungsgeschäfte während der närrischen Zeit übergeben hatte.

Gleichzeitig übte er sich als potentieller künftiger Wirt seiner „Mini-Bar“ in der Gastronomenrolle. Wie sehr den Mudauern ihre vielen gut gehenden Wirtschaften fehlen, die dem Ort einst bis weit über seine Grenzen hinaus einen hervorragenden Ruf gegeben hatten, wurde in fast jeder Bütt deutlich. Ortsscheller Angelo Walter ging in seinem Debüt als Redner über das Ortsgeschehen darauf ein. Er wusste aber auch über „im Klo eingesperrte“ Busfahrer oder Hightec-Kinderwagen in der Schlossauer Strasse zu berichten.

 Uwe Lenz erhielt als „en Meenzer“ stehende Ovationen für seine Ausführungen über Orts- und Weltpolitik, wobei er bestätigte, dass der Zimmermann Fischer nicht mit Helene verwandt ist und dass in Mudi am Bahnhof kein ICE hält, nichts mit dem Bahnstreik zu tun hat. Die Stammtischbrüder „Bambel“ alias André Mechler und „Polo“ Marco Scheiwein kamen zusammen mit ihrem „Wert“ Richie Neubrand zu der Erkenntnis, dass „Fast Food“ fast was zu essen und besser als nicht zu trinken sei, aber auch, dass man nach dem Öffnen eines Flaschenbiers sicher sein könne, der erste beim Trinken zu sein. Und wenn sie früher Sex, Drugs and Rock’n Roll hatten, so sei es heute Laktoseintoleranz, ABC-Pflaster und Helene Fischer.

Als „Zwee Wahlbeobachter“ erinnerten Hubert Sämann und Siegfried Walz von den „Dumbocher Turmspatzen“ an die Mammutwahl im letzten Jahr und stellten die Daseinsberechtigung ihres eigenen Ortschaftsrates in Frage, nachdem zunächst zwar ein OV-Stellvertreter da war, dieser aber nicht wusste, wen er vertritt. Doch inzwischen könne sich Herbert Scharmann in diesem Amt selbst vertreten. Musikalisch und verbal top präsentierten sich Timo Huberty, Michael Volk, Jürgen Kieser und Markus Wellm als „vier halbe Ganzherrn, die zamm zwee ganze Halbherrn senn“, die ihre Angst zum Ausdruck brachten, noch alle Mudauer Kneipen zu verlieren. „Zwick mi, ‚s lässt mir kei Ruh‘, die Wertschaftslage im Oart spitzt sich zu“. Sie outeten sich aber durchweg als absoluter Fanclub ihres  Prinzenpaares, hatten vielen erfahren und wollten noch mehr wissen. Visuell bereichert wurden die grandiosen Textbeiträge durch bunte und ideenreiche Choreographien der diversen Tanzgruppen, die sichtlich viel trainiert hatten. Den Startschuß hierzu gaben mit einem schwungvollen „Samba de Janeiro“ die kessen Mädels der Minigarde, bevor Tanzmariechen Caro Bianco artistische Glanzleistung mit Charme und Temperament auf die Bühne zauberte.

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Mit dem Schautanz „Kreuzfahrt ins Glück“ glänzte die Prinzengarde der KaGeMuWa und erinnerte gekonnt an die beliebte gleichnamige Sonntagabendsendung. Als Highlight war sicher der Schautanz „Kleopaatra, Diva und Königin“ von der TSG Walldürn zu sehen, der gewohnt professionell präsentiert wurde und dem die Wassersuchergarde im Genre des Gardetanzes in nichts nachstand, ebenso wie die Freggergarde der Hettemer Fregger und die Elferratsgarde der Stadt Osterburken. Mit dem „Stuhl des Manitu“ setzte die Schautanzgruppe der KaGeMuWa dem viereinhalbstündigen Programm dann einen gelungenen Schlusspunkt voll Humor und tänzerischem Können. Eingerahmt waren das Programm und jeder einzelne Programmpunkt durch die jeweils passenden Ein- und Auszugsmärsche, die sich Dirigent Ralph Müller hatte einfallen lassen und die die Mudauer Trachtenkapelle gekonnt intonierte.

Eine schöne Tradition bei der Mudauer Prunk- und Fremdensitzung ist die Verleihung des Jahresverdienstordens, die zum 45. Mal erfolgte. Als neuen Würdenträger hatte man Ralf Lorenz erkoren, der von 1993 bis 2007 aktiv bei den Prunksitzungen tätig war, 1995 als Prinz fungierte und seither als Elferrat. Außerdem war er Präsident der KG und ist im Präsidium des Narrenrings vertreten. Im Beisein des 1. Vorsitzenden Helmut Korger jr., des Wassersuchers „Noby“ Münch des Prinzenpaares Kerstin II. und Moritz I. sowie der Sitzungspräsidenten Ralf Späth und Carlo Götz überreichte die Melanie Schork als Vorjahresträgerin des Ordens diesen an Ralf Lorenz, der damit der 4. Verdienstordensträger seiner Familie ist. Eine weitere Würdigung erfuhr Ralph Müller, der seit 20 Jahren seine Mudauer Trachtenkapelle während der Prunksitzungen dirigiert und dafür von der Prinzessin mit dem Notenschlüssel-Orden ausgezeichnet wurde.

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