Zwei neue Glocken für Großeicholzheim

 Fahrt der katholische Kirchengemeinde Großeicholzheim zum Guss ihrer beiden neuen Glocken in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe

Glockenguss 01

Die Glockengießer der Fa. Bachert in Karlsruhe leiten die flüssige Bronze in die Form der Großeicholzheimer „Marienglocke“. Während sich die Form mit dem flüssigen Metall füllt, entströmen Gase und Luft, welche sogleich abgefackelt werden. (Foto: privat) 

Großeicholzheim. (pg) Eine ganz besondere und unvergessliche Fahrt unternahm kürzlich eine Gruppe der katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius Großeicholzheim: 35 Personen machten sich am Freitag, dem 6. Februar gemeinsam auf den Weg nach Karlsruhe, um dem Guss der beiden neuen Bronze-Glocken in der bereits seit 1725 als Familienbetrieb geführten Glockengießerei Bachert beizuwohnen.

Bereits auf der Hinfahrt mit dem Bus erhielten die Teilnehmer einen kurzen Überblick über Namensgebung, Inschriften und Bildmotive der zwei neuen Glocken. So wird die größere Glocke mit einem voraussichtlichen Gewicht von 450 kg und einem Durchmesser von ca. 88 cm den Namen „Christusglocke“ sowie die Inschrift „Unum in Christo Jesu – Eins in Christus Jesus (Gal 3,28)“ tragen. Auf der kleineren ca. 230 kg schweren „Marienglocke“ mit einem Durchmesser von 74 cm soll bald die Aufschrift „Ave Maria – Sei gegrüßt, du Begnadete! (Lk 1,28)“ zu lesen sein.

In Karlsruhe angekommen, begrüßte Firmenchefin Christiane Bachert die Großeicholzheimer Abordnung und gab u.a. zahlreiche Erläuterungen zur Gießerei sowie zum klanglichen Aufbau einer Glocke. Ein von der Glockengießerei Bachert eigens erstellter informativer Kurzfilm zeigte außerdem die einzelnen Arbeitsschritte, die zwischen der Idee und der fertigen Glocke liegen. Die Besucher waren mehrheitlich sehr überrascht darüber, wie aufwändig und langwierig das komplizierte Verfahren der Glockenherstellung im traditionellen Lehmformverfahren doch ist. Im Anschluss an diese Informationen begab sich die Gruppe dann zum eigentlichen Ort des Geschehens: der sich in einer scheunenähnlichen Halle befindlichen Gießgrube. Zusammen mit den Formen von fünf weiteren Glocken waren die Formen der beiden Großeicholzheimer Glocken  bereits vor mehreren Tagen auf den Boden der Gießgrube gehoben und anschließend  schichtenweise mit Erde bedeckt und festgestampft worden

Die Besucher konnten daher neben dem riesigen, brodelnden Schmelzofen mit der heißen Bronze „nur“ noch ein großes Feld aus Erde sehen, auf dessen Oberfläche sich sieben Gusslöcher für die sieben Glocken sowie die zum Leiten der flüssigen Bronze gemauerten Rinnen befanden. Dass der Schmelzofen die für den  Gießvorgang erforderliche Temperatur von ca. 1.100 Grad noch nicht erreicht hatte, schürte die Spannung der anwesenden Besucher weiter an. Damit diese Temperatur erreicht werden konnte, waren die Glockengießer um Firmenchef Albert Bachert bereits seit 4 Uhr morgens im Einsatz. Mit großen Fichtenstämmen, die beim Kontakt mit der heißen Bronze in Flammen aufgingen, wurde das flüssige Metall seither immer wieder umgerührt.

Glockenguss 02

Für die 35-köpfige Gruppe aus Großeicholzheim wird die Teilnahme am Guss der beiden neuen Glocken ein einmaliges und unvergessliches Ereignis bleiben. (Foto: privat)

Um ca. 16 Uhr war der große Moment dann schließlich gekommen und nun musste alles ganz schnell gehen: Nach einem kurzen gemeinsamen Segensgebet der anwesenden Pfarrer von insgesamt vier Kirchengemeinden und dem Besprengen der Gießgrube mit Weihwasser durch Pfr. Schneider, wurde der sprudelnden und zischenden Bronze freien Lauf gelassen. Durch entfernbare und wiederverschließbare Abteilelemente wurde die Bronze im Rinnensystem der Gießgrube so gelenkt, dass eine Glocke nach der anderen gegossen werden konnte, was je nach Größe der Glocke ca. 3 Minuten dauerte. Dabei kündigte das Personal der Gießerei immer an, welche Glocke aus welcher Gemeinde gerade an der Reihe war. Die beiden Großeicholzheimer Glocken waren Nr. 2 und Nr. 5. Für einen kurzen Moment des Nervenkitzels bei der Besuchergruppe aus Großeicholzheim sorgte die Tatsache, dass beim Guss der Christusglocke ein besonders lautes „Glucksen“ und Brodeln zu hören war. Doch wie Frau Bachert später versicherte, sei dies vermutlich auf eine entweichende größere Luftblase zurückzuführen und kein Grund zur Beunruhigung. Mit einem Zwinkern fügte sie noch hinzu, dass die Großeicholzheimer Christusglocke hierdurch vielleicht ein wenig temperamentvoller als ihre Glockengeschwister werden würde. Mit dieser erleichternden Auskunft im Gepäck konnten sich die anwesenden Vertreter der kath. Kirchengemeinde Großeicholzheimer beruhigt auf den Nachhauseweg machen und rundeten diesen einmaligen Tag schließlich mit einer gemeinsamen Einkehr ab.

Es wird nun ca. 2 Wochen dauern bis die Bronzeschmelze in den Gussformen erkaltet und komplett erstarrt ist. Gegen Ende des Monats werden die beiden neuen Großeicholzheimer Glocken dann aus der Gießgrube ausgegraben, gründlich gereinigt und vom Erzbischöflichen Glockeninspektor überprüft werden. Erst dann wird man sicher sagen können, ob der Guss – wie in ca. 92 Prozent der Fälle – gelungen ist (oder wiederholt werden muss). Die feierliche Weihe der beiden Glocken wird vor Ort in Großeicholzheim stattfinden und ist für Ostermontag, den 6. April vorgesehen.

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Ein lautes „Glucksen“ und Brodeln während des Füllens der Form der (wohl doch nur etwas temperamentvolleren) „Christusglocke“ führte bei der Großeicholzheimer Gruppe zu einem kurzen Moment der Verunsicherung.  (Foto: privat)

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