Als „Marieles“ Leben „unwert“ war

Veranstaltungsreihe der Johannes-Diakonie im Gedenken an die Opfer der NS-„Euthanasie“ vor 75 Jahren

Mosbach. (pm) Im Mosbacher Gartenweg, im Haus mit der Nummer 5, wohnte Maria Zeitler die ersten Jahre ihres Lebens. Dann erkrankte das 1911 geborene „Mariele“ an einer Hirnhautentzündung. Es blieb in der Folge eine Behinderung. Die Eltern brachten die Dreijährige in der heutigen Johannes-Diakonie unter. Nicht weit von zu Hause wussten sie ihre Tochter gut versorgt. Jahre später, im Dritten Reich, wurde aus dem „Mariele“ plötzlich im Verständnis der Nationalsozialisten „lebensunwertes Leben“. Die junge Frau wurde in die Vernichtungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb gebracht und dort im September 1940 ermordet. Die junge Maria Zeitler ist damit eines der über 200.000 Opfer der sogenannten NS-„Euthanasie“, derer die Johannes-Diakonie heute, 75 Jahre später, in einer Reihe von Veranstaltungen gedenkt.

„Meine Tante ,Mariele‘ – Erinnerung an eine Unbekannte“, so lautet der Titel eines Vortrags von Prof. Dr. Dr. Norbert Gross am Mittwoch, 16. September, um 19 Uhr im Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises in Mosbach. Norbert Gross, der Neffe von Maria Zeitler, verbrachte die ersten Lebensjahre kriegsbedingt bei seinen Großeltern in Mosbach. Persönlich gekannt hat er sie nicht, da sie vor seiner Geburt ermordet wurde. Ihr Schicksal war und ist aber Familiengespräch bis in die jüngste Zeit. Er besitzt heute noch, selten genug, die vollständigen Originalurkunden, die ihre von den Behörden kunstvoll verheimlichte Ermordung belegen.

Theresa Baur, Alexa Kern und Johanna Hornbach, Schülerinnen des Mosbacher Nicolaus-Kistner-Gymnasiums, haben unter Anleitung ihrer Lehrerin Christine Eggers vor vier Jahren die Lebensgeschichte von Maria Zeitler erforscht und die Verlegung eines „Stolpersteins“ für sie initiiert. Sie werden an diesem Abend über ihre damalige Arbeit berichten. Eröffnet wird der Vortragsabend im Hauptgebäude des Landratsamts durch Landrat Dr. Achim Brötel.

Am 13. und 20. September gedenkt die Johannes-Diakonie in zwei Gottesdiensten der Opfer der Euthanasie-Aktion, insbesondere der insgesamt 262 Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtungen in Mosbach und Schwarzach, die 1940 und 1944 deportiert und schließlich getötet wurden. Am 13. September beginnt der Gottesdienst im Luthersaal in Schwarzach um 9.30 Uhr. Am Sonntag, 20. September, findet der zentrale Gedenkgottesdienst um 10.30 Uhr in der Mosbacher Johanneskirche statt.

Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe findet am Samstag, 26. September, eine Fahrt zur Gedenkstätte Grafeneck bei Münsingen auf der Schwäbischen Alb statt. Interessierte melden sich bitte beim Pfarramt der Johannes-Diakonie in Mosbach, Telefon 06261 88-245.

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Ein Gedenkstein an der Johanneskirche auf dem Gelände der Johannes-Diakonie erinnert an die Ermordeten. (Foto: pm)

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