Festhalten am Lenker und an Gott

Dritte geistliche Radwanderung im Evangelischen Kirchenbezirk Mosbach durch das Schefflenztal

Schefflenztal. (pm) Die Sonne und der Himmel haben es gut mit den 20 Personen gemeint, die sich am vergangenen Sonntag sportlich motiviert auf ihre Drahtesel geschwungen und sieben Kirchen und deren Historie kennen gelernt haben. Mit einem Gottesdienst begann Pfarrer Martin Sommer in Auerbach die Fahrradtour nach dem Kirchenlied „kommt lasst uns gehen und treten“. Einige Gemeindeglieder ließen es sich nicht nehmen, anschließend Ausführungen zu ihrer Kirche zu erfahren. „Da geht man jahrelang in die Kirche. Aber manchen besonderen Stein, manche Inschrift nimmt man erst wahr, wenn etwas dazu gesagt wird.“ Dieser Kommentar zeigt, wie wichtig es ist, die Kirchengebäude immer wieder neu zu entdecken, Gebäude, die unsere Vorfahren in den letzten vielen Jahrhunderten erbaut, renoviert, erweitert und auch grundlegend verändert haben.

In Oberschefflenz läuteten die Glocken den ankommenden Radfahrenden entgegen, die mit einer kurzen Andacht durch Karlheinz Lindemuth begann. Die Kirche war ursprünglich in Kreuzesform gebaut, was an den Fenstern und Türen noch zu erkennen ist.  Und die Orgel ist auf der Seitenempore, um den auf der Empore sitzenden Gottesdienstbesucher einen besseren Blick auf Pfarrer und Altarraum zu ermöglichen. In Mittelschefflenz läuteten die wahrscheinlich bestklingendsten Glocken in ganz Baden. Erläutert wurde, wie schwierig es war, den durch einen Sturm verbogenen Hahn auf der höchsten Kirchturmspitze im Schefflenztal mit vereinten Kräften vieler Bewohner wieder ins Lot zu bekommen.  Und manch einer entdeckte bei der vor wenigen Jahren durchgeführten Kirchenrestauration ungeahnte Fähigkeiten.

Neben der Sonnenuhr wurde auch das denkmalgeschützte Mauerwerk um den Kirchhof besichtigt. Weiter ging es nach Unterschefflenz. Dort erläuterte H. Ernst die Entstehung dieser wahrscheinlich ältesten Kirche im Schefflenztal, in deren Altarraum wenige alte Fresken freigelegt wurden. Auf alten Bildern war zu erkennen, wie Gestühl und Inneneinrichtung den Jahrhunderten angepasst wurde. Im Blickfeld des Gottesdienstraumes mit Ausrichtung auf die wunderbar geschnitzte Kanzel wurde erläutert, warum es früher drei Kirchen und drei Schulen in der Gemeinde gab. Ebenso was es mit den Sünderbänken auf sich hatte, die aus der ehemals lutherischen Gemeinde in den heutigen Kirchenbau gebracht wurden. Und warum „Pressbitter“ auch heute noch ein geflügeltes Wort im Ort ist. Gelingende Ökumene  in Schefflenz wurde daran verdeutlicht, dass die Nachbarkirche schon auch einmal den Läutedienst mit versieht oder bei Renovierungsarbeiten die jeweils andere Kirche für den eigenen Gottesdienst genutzt wird.

Durch den kühlenden Wald ging es weiter nach Billigheim, in die ehemals als Notkirche nach dem Zweiten Weltkrieg am Bodensee erbaute evangelische Kirche. Sie wurde 1964 nach Billigheim gebracht, nachdem durch nachkriegsbedingte Flüchtlingsströme die Zahl der evangelischen Gemeindeglieder, die erst nach dem Eisenbahnbau in den Ort kamen, stark angestiegen ist. Dass auch in den Rathäusern Gottesdienste gefeiert wurde, war geradezu üblich. 20 Jahre später wurde der Gemeindesaal angebaut. Vorausschauend, denn der Zuzug in den 1990-er Jahren ließ die Kirchengemeinde wiederum wachsen. In Allfeld erwartete Alfred Latte die Gruppe. 

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„Die geistlichen Radwanderungen haben damit nun erstmals in einer katholischen Kirche Rast gemacht, was Zukunft haben könnte“, so die Prädikantin und Mitinitiatorin dieser Radtouren Dr. Dorothee Schlegel, die als Sportkreisvorsitzende den Aspekt Kirche und Sport in den Blick genommen hat. Auf die Politik ging sie in der Historie der Sulzbacher Kirchengemeinde ein, deren wechselvolles Dasein geprägt war von der Zeit vor und nach dem 30-jährigen Krieg. Dass Sulzbach während der Bauernkriege dem Stift Mosbach Abgaben verweigert hat, mit Gewalt aber wieder zu ihren Pflichten gezwungen wurden, war zu erfahren. Bei der um 1752 eingeweihten Holzkirche sollen Frauen und Männer ein halbes Maß Wein erhalten haben.

Zum Ende dieses Radfahrtages wurde nochmals kräftig gesungen, bevor erste Ideen für das kommende Jahr in den Raum gestellt wurden. Es soll wieder im Sommer sein – bei Wind und Wetter und sportlich über Berg und Tal.

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(Foto: pm)

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