Mülben überzeugt durch Jugend

Mülben. Auch vom strömenden Regen ließen sich heute viele Mülbener jeden Alters nicht davon abhalten, die Landeskommission für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ in ihrem Winterhauchdorf zu begrüßen. Mit Landrat Dr. Achim Brötel war der Neckar-Odenwald-Kreis und mit Bürgermeister Markus Haas die Gemeinde Waldbrunn vertreten, als Ortsvorsteher Timo Bachert, die Kommission mit dem Vorsitzenden Dr. Konrad Rühl, Ingrid Bisinger (beide vom (Ministerium Ländlicher Raum und Verbraucherschutz (MLR), Susanne Hirzler (Bund Deutscher Landschaftsarchitekten Baden-Württemberg), Heinz Hofmann (Städtetag Baden-Württemberg), Waltraud Allgaier (Landfrauen und Bauernverband Baden-Württemberg), Sigrid Erhardt (Landesverband Obstbau, Garten und Landschaft), Werner Bucherer (Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg), Maximilian Fischer (beide Verkehrsministerium), Ute Ellwein (Landkreistag Baden-Württemberg), Dr. Anton Hegele (Landesnaturschutzverband), Werner Oeldorf (Tourismus-Marketing Baden-Württemberg) und Annette Staiger (Protokollantin) im Bürgersaal des Ortsteils begrüßen durfte. Ein besonderer Gruß ging auch an alle Mülbener, die in so großer Zahl erschienen waren, dass weitere Stühle herbeigeschafft werden mussten und am Ende nur noch Stehplätze übrig waren.

Nachdem Bürgermeister Markus Haas und Landrat Dr. Achim Brötel die Anwesenden ebenfalls begrüßt hatten, übernahm eine vierköpfige Gruppe mit Michael Münch (Leitbild und wirtschaftliche Initiativen), Timo Bachert (Soziale und kulturellen Aktivitäten), Sophia König (Baugestaltung und Entwicklung) und Ernst Stephan (Grüngestaltung und das Dorf in der Landschaft) die Präsentation aller Aktivitäten und Herangehensweisen, die im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ dazu geführt hatten, dass man sich nicht nur über Kreis- und Bezirksebene, sondern sogar für den Landesentscheid qualifiziert hatte. Auch wenn man innerhalb des kleinen Winterhauchorts schon zuvor viele gemeinsame Projekte gestemmt hat, wurde doch deutlich, dass die Dorfgemeinschaft an der Teilnahme noch einmal gewachsen ist.

So habe man zwar schon seit 20 Jahren ein Dorffest, veranstalte Seniorennachmittage, Nikolaussingen, Maibaumstellen und diverse andere Feiern. Durch das gemeinsam entwickelte Leitbild „Natürlich wohnen und urlauben“ und die Bestandserhebung, die viele Errungenschaften und Alleinstellungsmerkmale wie die größte deutsche Stutenmilchfarm als größtem Demeter-Betrieb im ganzen Landkreis, und den Kurpark als schönste Grünanlage im Ländlichen Raum sein die Identifikation mit dem Dorf noch intensiver geworden. Dass man auch aufgrund vieler, engagierter junger Menschen durchaus zukunftsfähig sei, hatte sich ebenfalls im Verlauf des Wettbewerbs offenbart.

Michael Münch hob in seiner Präsentation des „Leitbilds und wirtschaftlicher Initiativen“ die erfolgte ELR-Grobanalyse hervor, die gemeinsam mit einem Ingenieurbüro vielfältige innerörtliche Potenziale ermittelt habe. Außerdem wurde erkennbar, dass die drei örtlichen Demeter-Betriebe die Landwirtschaft und dadurch die Kulturlandschaft seit vielen Jahren nachhaltig und damit ökologisch prägen. Ein verantwortlicher Umgang mit den natürlichen Ressourcen sei somit auf lange Sicht garantiert. Dass man auch bei der Energiegewinnung zukunftsfähig aufgestellt sei, zeigen laut Münch die vielen Photovoltaikanlagen und die im Rahmen des Wettbewerbs errichtete und eingeweihte Schnelllade-Tankstelle für Elektroautos. Hier habe man Naturschutz, vertreten durch den NABU Waldbrunn, und die einheimische Wirtschaft und Gastronomie, an einem Strang gezogen. Außerdem habe man beim BürgerEnergie-Wettbewerb der Metropolregion Rhein-Neckar eine Machbarkeitsstudie gewonnen, die derzeit die Realisierung eines Nahwärmenetzes erkundet wird. Mit den bereits genannten Landwirtschaftsbetrieben, drei gastronomische Betrieben, die sich der regionalen Küche verschrieben haben sei man wirtschaftlich hervorragend aufgestellt, zeigte sich Michael Münch sicher. Zahlreiche touristische Highlights wie Kurpark, die Katzenbuckel-Therme im Nachbarort, die medizinische Versorgung im Ärztehaus, die Vorhaltung von Bildungseinrichtungen, ein weiträumiges Wanderwegenetz mit dem neu konzipierten Katzensteig sowie dem Höllbach-Pfad, Sautrieb und Eselspfad sowie Felsenhaus und Max-Wilhelms-Höhe zeige das ganze Spektrum. Daher sei das Leitbild „Natürlich wohnen & urlauben“ nur folgerichtig gewesen.

Geplant seien mehr Konzerte auf der Naturbühne im Kurpark, ein Wanderweg-Leitsystem, Stellplätze am Wanderparkplatz, eine Nette Toilette im Kooperation mit den Gastwirten und ein Beleuchtungskonzept für den Park, schloss Michael Münch seine Ausführungen.

Ortsvorsteher Timo Bachert nahm anschließend die „Sozialen und kulturellen Aktivitäten“ in den Fokus seiner Ausführungen. Neben einer bestehenden, intakten Dorfgemeinschaft mit mehreren Vereinen wie dem Schützenverein, dem Männergesangsverein mit zwei Chören, den Segelflugverein LSV Hoher Odenwald, und einer neunen Yoga-Gruppe, die sich im Rahmen des Wettbewerbs zusammengefunden hat, prägen auch die Freiwilligen Feuerwehr und die Fichtensteller das örtliche Leben. Mit unzähligen Veranstaltungen, zu denen auch die in Mülben beheimateten Waldbrunner Stutenmilch- bzw. Mostwochen gehören, bereichert der kleine Ortsteil auch den Veranstaltungskalender der gesamten Winterhauchgemeinde. Ein „Dorftreff für jung und alt“, dessen Ursprung ebenfalls auf den Zukunftswettbewerb zurückgeht, führt wöchentlich Mülbener aller Generationen im Bürgersaal zusammen, wo dann gemeinsam gebastelt oder gespielt wird. Auch der Nachwuchs beteiligt sich schon rege an der Gemeinschaft und zeigt bei diversen Höhepunkten im Jahresverlauf sein einstudiertes Programm. Ein Bücherregal mit Koch- und Backtauschbörse im Pavillon des Kurparks sowie eine gerade erst eingeweihte Boulebahn zeugen von vielfältigem Engagement, lobte Bachert seine Mitbürger. Mit einem sogenannten Neubürgerbrief will man auch Zugezogenen Einwohnern das Vereinsleben näherbringen und gerade im Hinblick auf die Flüchtlingsproblematik auch Integration fördern.

Sophia König nahm anschließend die örtliche „Baugestaltung und Entwicklung“ unter die Lupe. Nachdem die bereits erwähnte ELR-Studie den Bestand an Gebäuden und an Potenzialflächen erfasst hatte, wurde offensichtlich, dass ortsbildprägende Gebäuden aufgrund von Neuansiedlungen nach dem 30-jährigen Krieg im Schweizer Baustil errichtet sind. Auch Neubaugebiete fügen sich in das gute Gesamtbild ein. Im Rahmen des Wettbewerbs will man künftig verstärkt darauf hinwirken, historische Gebäude zu erhalten bzw. durch Umbauten und Nutzungsänderungen neu zu beleben. Mit dem Kurpark als einzigartiger Ortsmitte, verfüge man über ein Herzstück, andere nennen den Park Mülbens grüne Lunge, wurde durch diverse Aktivitäten aufgewertet und zu einem Kommunikationszentrum mit verschiedenen Treffpunkten und Einrichtungen erweitert. Um sich auch Besuchern attraktiv zu präsentieren, wurden rund um das Dorf 43 Ruhebänke instandgesetzt und markiert. Durch die Reaktivierung von Wanderwegen sind weitere Attraktivitätssteigerungen für Einheimische, aber insbesondere für Touristen geplant.

Ernst Stephan stellte abschließend die „Grüngestaltung und das Dorf in der Landschaft“ vor. Neben den vielen landschaftsprägenden Streuobstwiesen, Hecken und Feldinseln seien die Grünflächen innerhalb des Dorfs mit der originellen Parkanlage sowie die beiden Seen auf Mülbener Gemarkung von enormer ökologischer Bedeutung, die es zu schützen und zu erweitern gelte. So wurde in Kooperation mit dem Landschaftserhaltungsverband (LEV) eine alte Christbaum-Plantage gerodet und ein Feuchtbiotop für Amphibien, aber auch Vögel und Insekten sowie Kleinsäuger in Angriff genommen.  Der Höllbach, der in einem Flora-Fauna-Habitat-Gebiet liegt, soll ein Lehrpfad auf den artenreichen Lebensraum aufmerksam machen und für dessen Schutz werben. Müllsammelaktionen und neuen Strategien zur Müllvermeidung wie Infoplakate, Aktionen mit Schulkindern soll präventiv wirken und damit eine neue Nachhaltigkeit mit sich bringen. Die besondere Zukunftsfähigkeit zeige sich bei den bereits erwähnten Stutenmilch- bzw. Mostwochen. Sei es doch bei den kulinarischen Wochen hervorragend gelungen, Natur- und Landschaftsschutz mit Ökonomie und Tourismus zu verbinden.

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Nach den Kurzpräsentationen wurde den Kommissionsmitgliedern anhand gut bestückter Infotafeln weitergehende Aspekte aufgezeigt. Höhepunkt war dann der Rundgang durch Mülben. Trotz strömenden Regens schlossen sich immer mehr Mülbener an, sodass nach Stationen am Waldbrunner Hof, der E-Tankstelle, der Schweizer Straße, dem Feuerwehrgerätehaus, dem Hotel-Restaurant Drei Lilien, dem Kurgestüt Hoher Odenwald, dem Friedhof, der Markgrafenstraße mit den Demeter-Höfen Ihrig und Edelmann über 50 Einwohner die Kommissionsmitglieder in den Kurpark begleiteten. Dort wurden sie bereits von Heidi Weis und Heike Müller und der vielköpfigen Kindergruppe erwartet, die auf der Freilichtbühne einen kleinen Ausschnitt ihres Dorffest-Programms präsentierten.

Mit einem Umtrunk, zu dem Ziegenfrischkäsebrot und Odenwälder Most vom Gasthaus Engel serviert wurde, dankte Kommissionssprecher Dr. Konrad Rühl für die sehr gelungene Vorstellung des Ortsteils. Beeindruckt sein man neben den vielfältigen Projekten insbesondere von der Tatsache, dass der Wettbewerb von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und damit von vielen jungen Menschen getragen werde. Dies sei nicht immer so und zeige, dass Mülben auf jeden Fall Zukunft habe, war sich die Kommission einig.

Bereits am kommenden Freitag stehen die Gewinner des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ 2015/16 fest. Der Gewinner wird im November in Bühl ausgezeichnet und nimmt dann am Bundeswettbewerb teil. Insgesamt sind in Baden-Württemberg neun Dörfer im Landesentscheid. Neben Mülben ist dies mit Hirschlanden eine weitere Ortschaft im Neckar-Odenwald-Kreis.

500Vorfuehrung im Kurpark
Auf der Naturbühne im Kurpark zeigt die Kindergruppe trotz starken Regens einen kleinen Ausschnitt des Dorffest-Programms. (Foto: Hofherr)

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