Igersheim: Flüchtlinge ins Gewerbegebiet

 Igersheim. (pm) Auch die Gemeinde Igersheim hat jetzt einen Standort für die vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen benannt. Im Gewerbegebiet Neuseser Tal, gleich rechts an der Neuseser-Tal-Straße, könnte auf einem freien Baugrundstück eine Wohncontaineranlage für maximal 60 Menschen entstehen und bereits im November bezogen werden. Am Dienstag, 13. Oktober, um 19 Uhr werden der Landkreis und die Gemeinde eine gemeinsame Informationsveranstaltung in der Erlenbachtalhalle anbieten. Dort können sich alle interessierten Bürger umfassend informieren.
 
 Hintergrund der aktuellen Entscheidung ist die Flüchtlingskrise in Deutschland. Nach einem gesetzlich festgelegten Schlüssel weist das Land Baden-Württemberg dem Main-Tauber-Kreis, wie allen anderen Stadt- und Landkreisen auch, jeden Monat eine bestimmte Zahl an Flüchtlingen zur vorläufigen Unterbringung zu.
 
 Nach den aktuellen Prognosen müssen bis zum Jahresende kreisweit mindestens 1.200 Plätze zur vorläufigen Unterbringung bereitstehen. Die Landkreisverwaltung strebt deshalb inzwischen an, mittelfristig in allen Städten und Gemeinden des Main-Tauber-Kreises – außer Wertheim – Unterkünfte zur vorläufigen Unterbringung von Flüchtlingen einzurichten. Inzwischen stehen bereits in Bad Mergentheim, Tauberbischofsheim, Lauda-Königshofen, Külsheim und Assamstadt insgesamt rund 700 Plätze zur Verfügung. Dies bedeutet, dass bis zum Jahresende noch mindestens 500 Plätze fehlen.
 
 In Kürze kommen als erste Schritte weitere Unterkünfte in Lauda, Gerlachsheim, Weikersheim und Boxberg-Wölchingen hinzu. In Wertheim betreibt das Land Baden-Württemberg darüber hinaus seit kurzem eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, die mit rund 600 Personen belegt ist. Deshalb lässt die Landkreisverwaltung Wertheim bei ihren Planungen außen vor.
 
 Anfang August hatte Landrat Reinhard Frank wegen des hohen Zustroms an Asylsuchenden die Kommunen im Landkreis dazu aufgefordert, geeignete Standorte oder Liegenschaften zu benennen. Besonders in den Fokus gerückt hatte er dabei die nächstgrößeren Gemeinden, die noch keine Unterkunft für die vorläufige Unterbringung haben. Hierzu gehört auch Igersheim.
 
 Der jetzt vorgeschlagene Standort im Neuseser Tal erfüllt nach Auffassung des Landratsamtes die Vorgaben des Flüchtlingsaufnahmegesetzes in idealer Weise. Die notwendige Infrastruktur wie Einkaufsmöglichkeiten und ÖPNV-Anschluss ist in unmittelbarer Nähe vorhanden, auch zum Ortskern mit Arztpraxen und weiteren Geschäften ist es nicht weit. Die Landkreisverwaltung wird auch in der geplanten Unterkunft in Igersheim in bewährter Weise für eine professionelle soziale Betreuung der Flüchtlinge und einen Hausmeisterdienst sorgen. In Königshofen und Assamstadt hat sich jetzt bereits gezeigt, dass in modernen Wohncontaineranlagen gute Unterkünfte geschaffen werden können.
 
 „Es ist klar, dass die Aufgabe der vorläufigen Unterbringung durch den Kreis bei diesen Zahlen nicht nur in den größeren Kommunen erfüllt werden kann. Da sind alle Städte und Gemeinden gefordert!“, erklärt Bürgermeister Frank Menikheim. Ohnehin seien die Flüchtlingsströme eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, in der jeder seine Aufgabe erfüllen sollte. So müssten auf Bundes- und auf europäischer Ebene rasch Antworten gefunden werden, wie der Zustrom verringert und die Verteilung geregelt werden kann. „Auf Landesebene, in den Kreisen und in den Kommunen müssen wir uns um eine gute, menschenwürdige Unterbringung kümmern und die Menschen, die hier bleiben dürfen, natürlich auch möglichst schnell integrieren“, bekräftigt der Bürgermeister. Er hoffe daher, dass sich auch in Igersheim viele Menschen ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung engagieren und damit die Arbeit der Kreisverwaltung unterstützen werden. Dies ist bisher an allen Standorten von Gemeinschaftsunterkünften im Main-Tauber-Kreis in vorbildlicher Weise der Fall. Bereits jetzt hat der Arbeitskreis Asyl des BürgerNetzWerks in Igersheim ein kleines Helfernetzwerk aufgebaut. Dennoch sind weitere Freiwillige sehr willkommen, denn für ein gutes Einleben der Asylsuchenden und Flüchtlinge in Igersheim wird noch viel mehr freiwillige und ehrenamtliche Unterstützung benötigt.

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