Neckarsulm: 150 Flüchtlinge in Turnhalle

Sporthalle und Spielfeld der Christian-Schmidt-Schule dienen als vorläufige Unterkunft für 150 Asylbewerber – Landratsamt Heilbronn informiert über Unterbringung von Flüchtlingen in Neckarsulm

Neckarsulm. (snp)  Das Landratsamt Heilbronn plant auf dem Gelände der Christian-Schmidt-Schule in Neckarsulm zusätzliche Unterkünfte für Flüchtlinge. Auf dem Kleinspielfeld der Technischen Schule soll eine Gemeinschaftsunterkunft in Containerbauweise errichtet werden. Zusätzlich will der Landkreis auch die Sporthalle der Schule mit Flüchtlingen belegen. Dadurch steigt die Zahl der in Neckarsulm untergebrachten Asylbewerber noch in diesem Jahr auf insgesamt etwa 310. Die Sozialdezernentin des Landkreises, Susanne Hennig, und Bauamtsleiter Andreas Jägerhuber stellten die Planungen jetzt im Einzelnen der Öffentlichkeit vor. Oberbürgermeister Joachim Scholz begrüßte mehr als 400 Besucher zu einer Informations-veranstaltung, zu der die Stadt in den Kultursaal der Ballei eingeladen hatte.

„Es ist eine Völkerwanderung, die wir erleben“, beschrieb OB Scholz die aktuelle Situation. In diesem Jahr werden in Deutschland mehr als 800.000 Flüchtlinge erwartet. Davon muss Baden-Württemberg nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“, der die Verteilung auf die einzelnen Bundesländer regelt, mehr als 100.000 Menschen aufnehmen. Dies entspricht einem Anteil von rund 13 Prozent. Der Anteil, der auf den Landkreis Heilbronn entfällt, beträgt laut Susanne Hennig 3,7 bis 3,8 Prozent. Nach ihren Angaben sind derzeit 1.900 Flüchtlinge in rund 90 Unterkünften in fast allen 46 Landkreiskommunen vorläufig untergebracht. OB Scholz betonte, dass es sich hierbei nicht um endgültige Standorte, sondern angesichts des enormen Zeitdrucks um Notlösungen handele. Auch Susanne Hennig wies auf die Ausnahmesituation hin: „Wir müssen auch Notunterkünfte requirieren, um Obdachlosigkeit zu vermeiden.“

Zweigeschossige Containeranlage auf dem Schulgelände geplant 

Trotz der Notsituation wolle der Landkreis die Menschen „so unterbringen, dass sie sich noch wohlfühlen“, versicherte Andreas Jägerhuber. „Wir versuchen, dies so menschenwürdig wie möglich darzustellen.“ Auf dem Kleinspielfeld neben dem Schulgebäude der Christian-Schmidt-Schule sollen 70 bis 74 Personen in einer zweigeschossigen Containeranlage untergebracht werden. Ein innenliegendes Treppenhaus und zwei Mittelflure erschließen insgesamt 37 Zimmer. Der Neubau umfasst zudem Küchen-, Sanitär- und Technikräume, einen Abstellraum für Kinderwagen, einen Gemeinschaftsraum und einen Raum, den der Freundeskreis Asyl Neckarsulm für Betreuungsangebote nutzten kann. Eine Zaunanlage trennt die Unterkunft vom Schulgebäude. Sie sorgt dafür, dass „der Schulunterricht ohne Einschränkungen funktioniert“, wie Andreas Jägerhuber versicherte. Unterrichtsausfälle werde es nicht geben. Allerdings kann die Neckarsulmer Sport-Union die Sporthalle außerhalb des Schulbetriebs nicht mehr nutzen.

In der Sporthalle sollen etwa genauso viele Menschen wie in der Containeranlage Unterkunft finden. In die Halle werden kleinere, abschließbare Abteile mit Doppelstockbetten eingebaut, die eine gewisse Privatsphäre bieten. Die sanitären Einrichtungen mit Kochgelegenheit und Gemeinschaftsraum werden in einem separaten Container ausgelagert.

Das Landratsamt werde am Tag in den neuen Unterkünften ständig präsent sein, kündigte Sozialdezernentin Hennig an. Nachts schaue ein Sicherheitsdienst nach dem Rechten. Anfang Oktober will der Landkreis mit dem Bau der Containeranlage auf dem Kleinspielfeld beginnen. Die Baugenehmigung wurde seitens der Stadt bereits erteilt. Spätestens Anfang November soll die Sporthalle belegt werden.

Bislang sind 160 Asylbewerber in Neckarsulm untergebracht, die meisten davon in der bereits erweiterten Containeranlage im Gewerbegebiet Rötel. Als mögliche weitere Asylbewerberunterkunft ist das ehemalige Kreiskrankenhaus am Plattenwald im Gespräch.

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Freundeskreis Asyl unterstützt Flüchtlinge

Unterstützt und betreut werden die Asylsuchenden nicht nur vom Landratsamt, sondern auch vom Freundeskreis Asyl Neckarsulm. Margit Hansen stellte die Aktionen des Arbeitskreises vor. Seit 1992 engagieren sich die Mitglieder ehrenamtlich für Asylsuchende, unterstützen und begleiten sie bei Behördengängen und Arztbesuchen, helfen bei der Arbeits- und Wohnungssuche, betreuen Familien mit Kindern, bieten Spielenachmittage, Deutschkurse und Hausaufgaben-Betreuung an und fördern Patenschaften. „Wir haben vor 20 Jahren 640 Asylsuchende in der Kaserne begleitet, und werden das auch jetzt meistern“, erklärte Margit Hansen. „Wir wollen als Freundeskreis zur Integration beitragen.“ Sie bescheinigte der Neckarsulmer Bürgerschaft eine große Hilfsbereitschaft und berichtete von einer wahren Flut an Sachspenden. „Wir freuen uns sehr, dass die Neckarsulmer so spendenfreudig und hilfsbereit sind.

Informationen zur Arbeit des Freundeskreises finden Interessierte im Internet unter www.freundeskreis-asyl-neckarsulm.de. Wer mithelfen möchte, kann sich an folgende Adresse wenden: Freundeskreis Asyl, Stuttgarter Straße 29, 74172 Neckarsulm, Tel. 0159/038 515 83, E-Mail: info@freundeskreis-asyl-neckarsulm.de.

 Infoabend Asyl1

Bei einer städtischen Informationsveranstaltung in der Ballei berichteten Vertreter des Landkreises Heilbronn über geplante neue Flüchtlingsunterkünfte in Neckarsulm: (v. li.) die städtische Integrationsbeauftragte Julia Bruns, Kreisbauamtsleiter Andreas Jägerhuber, Sozialdezernentin Susanne Hennig und OB Joachim Scholz.    (Foto: SNP)  

Infos im Internet:

www.freundeskreis-asyl-neckarsulm.de

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