Als Odenwälder „Wirtschaftsflüchtlinge“ waren

Der Odenwald und die Neue Welt – Auswanderungen nach Nordamerika

Gottersdorf. (pm) Im Rahmen seiner Living-History-Veranstaltungen in Kooperation mit dem „Studienkreis Militärgeschichte e.V. bietet das Odenwälder Freilandmuseum in Walldürn-Gottersdorf von Freitag 2.Oktober bis einschließlich Sonntag, 4.Oktober 3 Tage lang eine wirklichkeitsnahe Vorführung zur Geschichte der Auswanderung in die „Neue Welt“.

Schon immer war die Aussicht auf die Verbesserung der Lebensumstände eine wesentliche Veranlassung für die Bewohner strukturschwacher Landstriche, das Bündel zu schnüren und die Heimat zu verlassen. Insbesondere von Amerika, der sog. „Neuen Welt“, versprach man sich eben diese Verbesserung. Vom Badischen Odenwald aus gab es nicht nur die individuelle Auswanderung, sondern das Großherzogtum Baden entschloss sich im 19. Jahrhundert sogar einmal, mit der Gemeinde Ferdinandsdorf ein ganzes Dorf nach den USA „amtlich“ zu verschiffen. Für viele Odenwälder war das Elend insbesondere im 19. Jahrhundert so groß, dass sie die damals gewagte, langwierige Reise per Dampf- oder Segelschiff unternahmen und damit oft auch die Familie hinter sich ließen. Neben diesen „Wirtschaftsflüchtlingen“ gab es aber auch die wegen politischer Motive Auswandernden, etwa nach dem Scheitern der 1848er Revolution. Wegen all dieser Ausgewanderten begann auch für den Odenwald und seine Bewohner eine Beziehung zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika, die bis heute anhält. Und diese Motive, aus denen heraus Deutsche damals auswanderten, legen natürlich Vergleiche zu den heute zu uns aus anderen Kontinenten Flüchtenden sehr nahe.

Die „Multiperiod-Veranstaltung bezieht in 4 Stationen bzw. Zeitinseln mehrere Gebäude des Freilandmuseums ein. Die Belebung der einzelnen Zeitinseln erfolgt durch erfahrene Living-History-Interpreten, die dem Museumsbesucher in ihrer historischen Rolle begegnen und ihn in die von ihnen verkörperte Zeit versetzen.

Die 4 Zeitinseln beleuchten die unterschiedlichen Aspekte und die Folgen der Auswanderung. Hautnah ist zu erleben, welche Gründe im Wandel der Zeit deutsche Familien oder Einzelpersonen zur Auswanderung nach Amerika getrieben haben, was sie in der „Neuen Welt“ erwartete und ob sich der Traum vom besseren Leben bewahrheitete.

Die erste Zeitinsel thematisiert Auswanderung im 18.Jahrhundert. Damals treibt der Wunsch nach einer Verbesserung der Lebensverhältnisse und nach persönlicher Freiheit viele Deutsche dazu, ihr Land zu verlassen. In Nordamerika gibt es genug Land für jeden, der bereit ist, die Ärmel hochzukrempeln. Kein Fürst untersagt hier das Schlagen von Holz oder die Jagd. Die Station zeigt Siedler, die ein Stück Land gerodet, ein Haus gebaut und ein Feld angelegt haben. So ist beispielsweise aus einem Odenwälder Taglöhner ein tragendes Mitglied der deutschen Gemeinde in der neuen Welt geworden. Die zweite Zeitinsel setzt die aus politischen Gründen erfolgende Auswanderung nach der gescheiterten Revolution 1848 in Szene. Als Folge dieses Scheiterns sind viele Deutsche gezwungenermaßen geflüchtet und siedeln in Nordamerika. Sie möchten in einem Land ohne monarchische Unterdrückung leben. Diese Ausgewanderten nehmen in großer Zahl am Amerikanischen Bürgerkrieg 1861-1865 auf Seiten der Nordstaaten, die die Sklaverei abschaffen wollen, teil. Sie wollen die Werte, wegen denen sie ihre alte Heimat verlassen haben, verteidigen. Die dritte Zeitinsel thematisiert die Auswanderung aus wirtschaftlicher Not, wie sie für den Badischen Odenwald besonders charakteristisch war. Hierzu werden direkt historische Quellen herangezogen, die dem Odenwälder Freilandmuseum in Bezug auf die Familiengeschichte des Kleinbauernhofs aus Neckarburken vorliegen. Dieser Teil der Familiengeschichte wird szenisch im Haus umgesetzt. Eine vierte Zeitinsel und ihr Szenario widmen sich schließlich der Wiederkehr von Nachkömmlingen der deutschen Auswanderer, die sich unter den GIs der US-Truppen im Jahr 1945 befinden und die mit zur Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus beitragen. Auch wenigstens rudimentär vorhandene Sprachkenntnisse haben dabei so manches erleichtert.

An allen drei Tagen werden kurze Führungen und Erläuterungen zu den Zeitinseln angeboten, an die sich entsprechende Spielszenen anschließen; und zwar freitags und samstags jeweils zur vollen Stunde von 11 – 16 Uhr und sonntags von 11-15 Uhr. Die Zeitinseln können aber auch auf eigene Faust erkundet werden.

Das Museum ist, ebenso wie die Museumsgaststätte, von 10-17 Uhr geöffnet.


(Foto: pm)

Infos im Internet:
www.freilandmuseum.com

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2 Kommentare

  1. Und dann kommt bestimmt bald, dass man diesen Artikel als Beispiel einer Argumentation nutzen kann, wenn es um die heutigen Fluten von Flüchtlingen geht. Einfach nur lächerlich.

    • stimmt rebecca, das wäre lächerlich, denn heute sind es kriegsflüchtlinge, nicht diese deutschen loser von damals, die ihre heimat nur aus wirtschaftlichen gründen verließen aus gier nach mehr wohlstand. oder wie hast du deine einlassung gemeint?

      was wäre denn, wenn du in syrien leben würdest. wärst du dann nicht auch mit deinem balg geflohen, um sein leben zu retten?

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