Auf Wertheims Vereine ist Verlass

120 Vertreter bei Oberbürgermeister-Gespräch zur LEA

Wertheim. (pm) Es wurde wieder einmal eindrucksvoll bewiesen: Auf Wertheims Vereine ist Verlass. Wenn sie gebraucht werden, sind sie da. Rund 120 Vertreterinnen und Vertreter aus 85 verschiedenen Organisationen sind am Mittwochabend der Einladung von Oberbürgermeister Stefan Mikulicz in den Arkadensaal gefolgt. Und obwohl es in dieser Veranstaltung eigentlich nur um ein erstes Ausloten von Kooperationsmöglichkeiten gehen sollte, standen nach knapp eineinhalb Stunden schon eine ganze Reihe von Vorschlägen und Ideen im Raum, wie sich die Vereine bei der Betreuung der Flüchtlinge in der Landeserstaufnahmeeinrichtung am Reinhardshof (LEA) einbringen können – und wollen.

Er sei überzeugt, wiederholte Mikulicz nach der Begrüßung was er schon bei anderer Gelegenheit mehrfach gesagt hatte, „dass es in der Lea nicht nur bei der Verwaltung der dort lebenden Menschen bleiben kann. Wir können viel mehr tun, ihnen menschliche Wärme entgegenbringen und das Gefühl geben, dass sie in Sicherheit sind“. Sehr deutlich unterschied der Oberbürgermeister zwischen den Aufgaben, für die das Land und die von ihm beauftragten Dienstleister zuständig sind und dem, was die Stadt, ihre Bürger und die Vereine tun können. Hierbei handele es sich um das „Quäntchen mehr, den Kontakt von Mensch zu Mensch“. Klar sei ihm aber auch, „wir dürfen nicht zu viel von Ihnen verlangen“.

Das, was man in Wertheim erlebt habe, „war von Anfang an einzigartig“, sagte Petra Gänsler von der Firma „European Homecare (EHC)“ und in der Lea Ellwangen Leiterin der Einrichtung. Auch in Wertheim hat EHC das „Hotelmanagement“ übernommen, das heißt, man ist zuständig für die Unterkünfte der Bewohner, die von EHC „Gäste“ genannt werden, für das Essen, aber auch für den Betrieb einer Ambulanz. Wie das mit der Kinderbetreuung am Reinhardshof laufe, wisse man noch nicht, „das wird sich zeigen“, so Gänsler, die mit ihren Kolleginnen Carmen Randolf und Alexis Konan zu der Veranstaltung gekommen war. Sie berichtete, dass es in Ellwangen einen hauptamtlichen Sportkoordinator und fast täglich ein sportliches Angebot gebe, denn „die Flüchtlinge brauchen einfach ein bisschen Auslauf“. Bei einer Belegung mit rund 600 Personen seien die Aufgaben in der Kleiderkammer „noch nicht so komplex“, das werde sich aber ändern. Für neu ankommende Flüchtlinge solle es „Paten“ geben, die diese dabei unterstützen sollen, sich in der Lea zurechtzufinden, ihnen aber auch zeigen, „wie verhalte ich mich in Deutschland“. Ganz speziell die syrischen Flüchtlinge seien „erpicht darauf, Deutsch zu lernen“. Möglichkeiten des Engagements sah Petra Gänsler auch in Näh-, Strick- oder Häkelkursen für die Frauen. Und aus ihrer Erfahrung mahnte sie, „es gibt immer dann Ärger in so einer Einrichtung, wenn die Leute sich ungerecht behandelt fühlen“. Deshalb dürfe es keine, gefühlte oder tatsächliche, Bevorzugung einzelner Flüchtlinge geben. Abschließend stellte Gänsler klar, dass EHC den Betrieb in der als Notunterkunft vorgesehenen Polizeiturnhalle nicht übernommen hätte, da man diese als völlig ungeeignet angesehen habe.

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„Wir sind jetzt an einem Punkt, wo so langsam, langsam die Organisation anläuft. Die Not ist einigermaßen im Griff“, stellte Rainer Lotz, einer der Vorsitzenden des Vereins „Willkommen in Wertheim“ fest. Der Betrieb laufe „immer weniger reibungsvoll“ ab, der Übergang sei aber schwierig. EHC sei an einem reibungslosen Ablauf interessiert, zeigte Lotz ein gewisses Verständnis für eine eigene Art des Herangehens an die Aufgabe. „Wir haben aber anders angefangen“, sagte er. Deutlich machte Lotz, dass man es „nicht mit einem 100-Meter-Lauf, sondern mit einem Marathon zu tun“ habe. Es sei wichtig, dass die Unterstützung anhalte. Von „Willkommen in Wertheim“ wird derzeit vor allem die Kleiderkammer betrieben, man habe auch eine Art Kinderbetreuung aufgebaut und es finden erste Sprachkurse statt.

Die Sozialbetreuung in der Lea soll von den Wohlfahrtsverbänden Caritas und Diakonisches Werk gewährleistet werden. Birte Vehrs, Bereichsleiterin Beratung beim Caritasverband im Tauberkreis und Wolfgang Pempe, Geschäftsführer des Diakonischen Werks im Main-Tauber-Kreis, erläuterten die jeweiligen Vorstellungen und den Stand der Dinge. „Es wird nicht funktionieren, wenn alles nur Profis machen. Wir brauchen Ehrenamtliche auf Dauer“, unterstrich Pempe. Ein wichtiger Ansprechpartner vor Ort wird Alex Schuck sein, der vor allem in Richtung „Vereine, Stadt, Umfeld und Jugendhäuser“ tätig sein soll, wie es hieß.

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Oberbürgermeister Stefan Mikulicz.  (Foto: pm)

 

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