Adelsheim: JVA-Schulrektor in Ruhestand

Udo Helbig: „Lernen ist wie ein Meer ohne Ufer“

Adelsheim. (bd) Eine 37jährige „Gefängnis-Karriere“ nimmt in Adelsheim ihr Ende; nach über dreieinhalb Jahrzehnten im Jugendstrafvollzug wurde Sonderschulrektor Udo Helbig in die Freiheit des Ruhestands entlassen. Anstaltsleiterin Katja Fritsche konnte zur Abschiedsfeier in der Schule der JVA neben Kolleginnwewn und Kollegen aus allen Diensten zahlreiche Ehrengäste begrüßen, neben Helbigs Frau Christa Professor Dr. Hermann vom Kultusministerium Baden-Württemberg, Professor Dr. Bleher von der PH Ludwigsburg, Landrat Dr. Brötel, die Bürgermeister Gramlich und Burger sowie zahlreiche Schulleiterkollegen/innen der umliegenden Schulen.

„Das Lernen ist wie ein Meer ohne Ufer“- mit einem Konfuzius-Zitat begann Fritsche ihre Würdigung von Helbigs Wirken und zeichnete seine Tätigkeit nach. Seit 1978 habe er im Jugendgefängnis gelehrt und gelernt und sei im „flow“ also im Fluss, in Bewegung geblieben. 2004 sei er zum Sonderschulrektor und Schulleiter der JVA-Schule  ernannt worden, „seither haben Sie 751 Hauptschulabschlüsse, 82 Realschul-und 22 Werkrealschulabschlüsse sowie eine schriftliche Abiturprüfung geschafft!“. Neben diesen Highlights habe es in all den Jahren sicher viele lehrreiche Erfahrungen gegeben, Helbig könne nun gelassen auf seine Zeit im Jugendvollzug zurück blicken. Sie habe ihm für alles Geleistete und in der pädagogischen Abteilung des Jugendvollzugs erreichte zu danken und wünschte ihm von Herzen einen unruhigen Ruhestand, „bei dem Sie sich im uferlosen Meer des Lernens treiben lassen können. Da Sie sich in der DLRG engagieren und gerne auf Kreuzfahrt gehen, gehe ich davon aus, dass Sie seefest sind“. Neben der Pflege seiner Hobbies –  „Passion für schnelle Autos, ein Herz für Tiere und Fußball“ empfahl sie ihm sich von seiner Frau gelegentlich „Nachhilfe“ in beruflich bedingt zu kurz gekommenen Lebensbereichen erteilen zu lassen und der Familie für „verlässliche Ganztagesbetreuung“ zur Verfügung zu stehen.

Bevor Helbig dann von Fritsche endgültig in die großen Ferien entlasse wurde war dem Beamtenrecht Genüge zu tun, unter dem Beifall des Auditoriums übergab sie die Ruhestandsurkunde und dankte für die „dem Land treu geleisteten Dienste“.

Persönlich undim Namen des Kollegiums wie der gesamten Belegschaft wünschte sie alles erdenklich Gute für Ihren neuen Lebensabschnitt, „mögen Sie sich fühlen wie ein Fisch im Wasser, im Meer ohne Ufer, wie es Konfuzius beschreibt.“

Landrat Dr. Achim Brötel, den auch eine persönliche Freundschaft mit dem langjährigen Osterburkener CDU-Vorsitzenden verbindet, brachte seine Wertschätzung und seinen Dank auch im Namen des Neckar-Odenwald-Kreises m Ausdruck. Er betonte die Besonderheiten der Schule und des Unterrichtens in der JVA, wo jungen Männern mit vielfältig negativen Schulerfahrungen durch individualisiertes Lernen häufig erstmalige Erfolgserlebnisse ermöglicht würden, die in beeindruckender Zahl in kurzer Zeit mit erfolgreichen Schulabschlüssen belohnt würden. Daher verdiene Udo Helbig diese Feier und nach Meinung des Juristen Brötel „könne verantwortet werden zu erproben, ob dem Absolventen nun ein rechtschaffener Lebenswandel gelinge“ und Helbig aufgrund guter Führung entlassen werden.

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Der Geehrte ging dann den schweren Gang ans Rednerpult und verhehlte nicht, dass er sich vor diesem Tag, an dem er die „Großfamilie Vollzug“ verlassen müsse, durchaus gefürchtet habe. Er blickte zurück auf glückliche wie auch belastende Tage im Beruf, die schon in der launig-tierischen Präsentation des Kollegiums bebildert worden waren. Er betonte wie gerne er „Lehrer aus Leidenschaft“ und Schulleiter in der komplexen Organisation JVA war, dass er dabei „an die hervorragende Arbeit meines Vorgängers Herbert Pönitz“ habe anknüpfen können habe die Arbeit enorm erleichtert. Die Aufgabe seines „geliebten Berufes und der Verlust des guten Gefühles gebraucht zu werden“ falle ihm nicht leicht, ebenso wie der Abschied von seinen Kolleginnen und Kollegen, insbesondere Frau Eschelwek als seiner tatkräftigen Vertreterin und Schulsekretärin Annegret Meister als „gutem Geist der Schule“. Abschließend dankte er seiner Frau Christa, ohne die sein erfolgreicher Berufs- und Lebensweg nicht denkbar sei, deshalb freue er sich trotz der Wehmut auf den neuen Lebensabschnitt mit der Familie, vielen gemeinsamen Reisen und dem neuen Freiraum.

Schließlich umarmte er noch die beiden Schüler, die die Feier musikalisch mit Geige und Klavier umrahmten, „das habe ich mir gewünscht, denn ihr habt erst in der Haft die Instrumente erlernt und gezeigt was in Euch steckt“.

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(Foto: pm) 

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