Großeicholzheim: „Die Kunst bleibt im Dorf!“

Kunst der Ahnen, Kunst erahnen!
 

 
 Großeicholzheim. (lm) Mit der Sonderausstellung „Die Kunst bleibt im Dorf! Kunst der Ahnen, Kunst erahnen!“ zeigte sich die Museumsöffnung im Wasserschloss erstmals von einer ganz anderen Seite und lud ein zu einer original Großeicholzheimer Kunst-„Zeitreise“. Moderne Kunst verschiedenster Techniken im Ausstellungsmix mit Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, wobei es zahlreiche familiäre Brücken gab, ebenso wie heimatliche und ganz sicher thematische. Denn es ging um die Darstellung des Menschen, also um Gesichter, um Studien der Anatomie als Detail oder Akt, Empfindungen, Haltungen usw.
 
 Die Künstlerfamilie Fehr ging auf den Zeichner und Lithographen Jakob Fehr (1821–1900) zurück. Einer seiner Söhne, Julius (1855–1900) studierte Kunst und erlangte in seinem relativ kurzen Leben eine bemerkenswerte Entfaltung in der Öl-, Portrait- und Genremalerei. Außerdem gab er sein Talent an alle drei Töchter weiter. Olga wurde Malerin in New Hampshire, Elisabeth heiratete nach Belgrad und wurde die Mutter eines jugoslawischen Kunstmalers und Karikaturisten und Ida Fehr eine bekannte Fotografin. Leider verstarb auch sie im Alter von 45 Jahren.
 
 Doch viele Ihrer Exponate waren am vergangenen Sonntag im Museum im Wasserschloss zu bewundern und „gleich nebenan“ die Fotos und Bilder von zwei ihrer Enkelinnen, Ramona Trunk und Carmen Striehl, die ihre Großmutter zwar nie kennengelernt hatten, doch maßgeblich von ihren Werken geprägt und begeistert waren.
 
 Günter Schmitt-Haber, Vorsitzender des Vereins „Großeicholzheim und seine Geschichte“ (GusG) führte in die Ausstellung ein und führte die Entwicklung der beiden Fehr-Nachkommen und ihrer Freundin Margarete Kegelmann mit ihrer kreativen Art und Ader sowie ihren Einfallsreichtum zurück auf „die Begeisterung daran, diese ganz eigene Sprache für sich selbst zu entdecken, war es, was die drei Großeicholzheimerinnen schon früh miteinander verband“, Diese Begeisterung und die Verbidnung durch heimatliche Wurzeln, Freundschaft und Kunst habe sich bis heute bei allen dreien gehalten und sie hätten sich in der Kunstschule und Atelier „Wimpfen am Berg“ bei Nik Golder vor einigen Jahren auf den Weg gemacht, ihre eigene, individuelle Formensprache zu finden.
 
 Für Margarete Kegelmann stand die Bildhauerei im Mittelpunkt und sie absolvierte ein berufsbegleitendes Studium an Institut für Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie Bochum. In ihren Skulpturen erfährt das eigentlich Ungreifbare im Menschen durch die Plastizität von Gesichtsmimik als Spiegel der Gefühle und Empfindungen sowie durch den Ausdruck von Spannung, Ruhe, Gleichmütigkeit, Aufmerksamkeit oder Bewegung eine dreidimensionale köprerliche Präsenz und interpretiert das Verhältnis zu Raum und Betrachter. Entsprechend schafft sie auch in ihren Zeichnungen und Bildern eine fast greifbare Körperhaftigkeit.
 
 Ramona Trunk dagegen arbeitet in ihren Bildern – Öl, Acryl oder Pastell – mit einer kraftvollen und ausdrucksstarken Farbensprache. In ihren Bildern erreicht sie Harmonien aus der Einheit von Farbwirkung, Farbverlauf, Kontrasten und Leuchtkraft, die durch die Darstellung von Körperhaltung oder Mimik dringen. Sie vermitteln Eindrücke und Stimmungen als charakteristische Momentaufnahmen wie sie auch in ihren Fotografien zu finden sind. Ihre Schwester Carmen Striehl zeigt in ihren in Acryl gearbeiteten Bildern vor allem stimmungsvolle Szenen.
 
 Bei ihren Werken kann der Betrachter ein intuitives Raumempfinden erfahren, das ihn einlädt – belebt von Spiegelungen und deutlich abgegrenzten Licht- und Schattenbereichen in eine Wechselwirkung zwischen Betrachtung und Nachempfinden einzutreten. Bei ihrer experimentellen Malerei kommt sie dabei ganz ohne die Abbildung des Menschen selbst aus, so dass der Betrachter direkt aufgefordert wird, die Szene in der Anschauung nachzuempfinden.
 
 Nach dieser genauen Vorstellung, hatten die überaus zahlreich erschienenen Ausstellungsbesucher, darunter auch Bürgermeister Thomas Ludwig und Ortsvorsteher Reinhold Rapp, genügend Hintergrundwissen für ausführliche Gespräche und Diskussionen mit den drei Künstlerinnen, die sich dieser Herausforderung nur zu gerne stellten.
 


Unser Bild zeigt von links: Ortsvorsteher Reinhold Rapp, Margarete Kegelmann, Carmen Striehl und Ramona Trunk, Günter Schmitt-Haber und Bürgermeister Thomas Ludwig. (Foto: Liane Merkle)

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