Landtagskandidaten beim Bauernverband

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Großeicholzheim. (lm) Es ist sicher nicht alltäglich, wenn ein Bauernverband eine Wahlkampfaera „einläutet“, doch ganz offensichtlich ist es den Bauern im Neckar-Odenwald-Kreis besonders wichtig, sich vor den Landtagswahlen im kommenden März ausführlich über einige Ambitionen ihrer potentiellen Vertreter in Stuttgart zu informieren. So begrüßte Herbert Kempf als 1. Vorsitzender des Bauernverbands Neckar-Odenwald-Kreis auch im Namen des Fördervereins Wasserschloss neben zahlreichen Landwirtskollegen auch die Direktkandidaten Simone Heitz (Bündnis 90 Die Grünen), Georg Nelius (SPD), Peter Hauk (CDU) und Achim Walter in Vertretung von Dr. Jens Brandenburg (FPD) zu einer Podiumsdiskussion in der „Tenne“ Großeicholzheim. Für die versierte Moderation konnte Rolf Brauch (Ev. Landeskirche in Baden, Dienst auf dem Land) gewonnen werden.

Und natürlich stand die Agrarpolitik im Fokus des Abends, der auf zwei Fragen bzw. die Antworten der Direktkandidaten aufbaute. 1. Was halten Sie für die wichtigsten Punkte für die Agrarpolitik Baden-Württemberg? 2. Welche Perspektiven sehen Sie für die Landwirtschaftsbetriebe im Neckar-Odenwald-Kreis?

Während Simone Heitz als Diplom-Verwaltungswirtin und Geschäftsführerin des ev. Verwaltungszweckverbands Rhein-Neckar die Landwirtschaft am Scheideweg zwischen bäuerlicher und industrieller Bewirtschaftung sieht und betont, dass man die kleinen Bauern brauche, um die Landschaft so vielfältig zu erhalten, ist ihr doch auch wichtig Gentechnik und Landschaftsverbrauch durch Siedlungsausweitung zu verhindern und in Sachen Klimawandel zu forschen und zu informieren.

MdL Georg Nelius war es wichtig, dass die Kluft zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft überwunden wird, denn man brauche beide Bewirtschaftungsformen – auch für den Ressourcenschutz. Des Weiteren sollten Forschung und Beratung ebenso gefördert werden wie Landschafts-, Natur- und Umweltschutz.

MdL Peter Hauk sträubte sich als ehemaliger Landwirtschaftsminister gegen die permanente Bevormundung der Landwirte und war überzeugt, dass diese eigenverantwortlich entscheiden sollten welche Bewirtschaftungsform sie bevorzugen. Es gäbe bereits genügend Gesetze und Vorschriften, die von beiden eingehalten werden müssen. Außerdem sollte man dem Verbraucher zutrauen, dass er selbst entscheiden kann, wieviel Geld er für was ausgeben kann und will.

Eigenverantwortlichkeit der Landwirte war auch für Achim Walter wichtig, der überzeugt war, dass jeder einzelne Bauer im Neckar-Odenwald-Kreis so gut es ihm möglich ist, auf sein Land und sein Vieh achtet und nicht am Gängelband der Politik hängen sollte. Man müsse klar machen, dass sich nicht alle Konsumenten „biologisch“ leisten können und auch nur wenige „Biobauern“ mit ihrem Einkommen ein Auskommen haben. Er sprach außerdem das Thema „Breitbandversorgung“, die notwendig sei, wenn man verlange, dass die Agrar-Anträge nur noch digital ausgefüllt werden.

Zwar waren sich alle einig, dass die Politik für bessere Rahmenbedingungen sorgen muss, dass der Neckar-Odenwald-Kreis auf eine besonders schöne Landschaft stolz sein könne, diese aber schwer zu bearbeiten sei. Doch was besser ist und wie weniger Bürokratie möglich sein könnte, darüber gab es doch unterschiedliche Meinungen. Beispielsweise sehen die Grünen den Klimawandel bereits ebenso deutlich vor sich wie die „regionale Marke Odenwald“, die SPD würde gerne weiter dem Höfesterben entgegenwirken und die Landschaft erhalten, CDU und FDP sprachen sich gegen die Gängelung der konventionellen Landwirte aus und betonten die kapitalintensiven Investitionen.

In der intensiven Diskussion wurde deutlich, dass sich die konventionellen Landwirte durch die Förderzielsetzung der Grün-Roten Landesregierung bedeutend im Nachteil sehen gegenüber den Bio-Bauern, obwohl auch diese zu kämpfen haben mit der auswuchernden Bürokratie, unzähligen Gesetzen und Verordnungen und dem neuen EU-Förderprogramm FAKT (Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl). Grundsätzlich gibt es zwei Fördersäulen. Die erste Säule baut auf unabhängige, den EU-Richtlinien entsprechende Förderungen, die zweite Säule betrifft Umweltmaßnahmen, die der Landwirt zu je rd. 50 Prozent co-finanziert bekommt von den Ländern und der EU. Und genau hier bleibt für die konventionelle Landwirtschaft nach Meinung der Betroffenen in Baden-Württemberg derzeit kaum etwas übrig. 

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Unser Bild zeigt von links: Moderator Rolf Brauch, Simone Heitz (Grüne), MdL Georg Nelius (SPD), MdL Peter Hauk (CDU) und Achim Walter (FDP). (Foto: Liane Merkle)

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1 Kommentar

  1. Jährlich sterben in Deutschland tausende Menschen an multiresisten Keimen (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/multiresistente-keime-mehr-tote-durch-keime-als-durch-krebs-a-1036778.html) und die Bauern wundern sich, warum ihre Biokollegen besser gefördert werden? Die Viehzüchter mit massivem Einsatz von Antibiotika und der Gesetzgeber, der dies nicht verbietet, tragen Mitschuld an diesen Toten.

    Die mittlere Schätzung beträgt für Deutschland 6000 Tote pro Jahr, weltweit 700.000. Das sollte man mal in Relation zu 9/11 oder Paris betrachten. Gegen einzelne Terroristen kann man kaum etwas machen, aber Antibiotika in der Landwirtschaft könnte man von heute auf morgen verbieten. Dann würde das Fleisch teurer, was sogar der Gesundheit der Menschen zugute käme und auch den Bauern, denn ihr Produkt wird hochwertiger. Zur Zeit ist Fleisch Ramschware.

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