Weihnachtsbrief von Landrat Dr. Achim Brötel

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

schon wieder neigt sich ein Jahr mit schnellen Schritten seinem Ende entgegen. Irgendwie hat es fast den Anschein, als ob die Zeit in unseren Händen zerrinnt. Vor Weihnachten pulsiert das Leben noch einmal so richtig. Über die Feiertage selbst wird es für viele dann aber doch deutlich ruhiger. Mehr Zeit für die Familie und Freunde, aber auch zum Rückblick auf das, was war.

Wir haben es wieder einmal geschafft, mag sich mancher dabei vielleicht denken. Ja, in der Tat. Und ich bin sicher: wir werden es auch weiterhin schaffen. Nicht, weil die Bundeskanzlerin das so vorgegeben hat, sondern weil die letzten Wochen und Monate allen Unkenrufen zum Trotz gezeigt haben, was für eine bewundernswerte gesellschaftliche Kraft in uns allen steckt. Auf die Menschen im Neckar-Odenwald-Kreis ist einfach Verlass. Wenn ich sehe, wie viele auf ehrenamtlicher Basis, aber auch im Hauptamt mitgeholfen haben, um den großen Zustrom an Flüchtlingen zu bewältigen, erfüllt mich das wirklich mit tiefer Dankbarkeit, aber auch mit Stolz. So etwas ist nicht überall in gleicher Weise möglich. Bei uns geht es aber. Dafür sage ich allen, die an dieser großen Aufgabe mitgewirkt haben und weiter mitwirken, deshalb von Herzen vielen Dank.

Inzwischen leben über 2.000 Flüchtlinge bei uns, etwa 650 davon in der Bedarfsorientierten Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in der Kaserne in Hardheim. Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, weil sie dort für sich und ihre Familien keine Zukunft mehr sahen. Die ihr eigenes Leben riskiert haben, um wenigstens bei uns in Frieden leben zu können. In einer Welt, die für viele von ihnen zunächst völlig fremd ist, und mit einer Sprache, die sie nicht verstehen.

Umgekehrt geht es uns aber ganz ähnlich. Auch wir verstehen diejenigen, die unsere neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger sind, nicht sofort. Auch für uns ist da vieles fremd. Aber wir können beide voneinander lernen, wenn wir bereit sind, aufeinander zuzugehen. Dazu will ich Sie deshalb herzlich ermuntern. Nicht umsonst ist die Sprache der Schlüssel für jede Form der Integration. Wir müssen wesentlich mehr miteinander, dafür aber weniger übereinander reden. Noch immer geht es in erster Linie zwar darum, den Neuankömmlingen ein Dach über dem Kopf zu gewähren. Trotzdem müssen wir aber auch schon jetzt an morgen und übermorgen denken. Sprachförderung, berufliche Qualifikation und gesellschaftliche Integration werden dabei die bestimmenden Themen der Zukunft sein.

Niemand kann verlässlich vorhersagen, wie sich die Zahlen im kommenden Jahr weiter entwickeln werden. Das gilt erst recht für den Familiennachzug, mit dem sicher verstärkt zu rechnen sein wird. Aber: Der Rückblick macht auch Mut. Gerade die jüngsten Informationsveranstaltungen vor Ort haben gezeigt, dass es einen breiten Konsens gibt, geflüchteten Menschen Schutz und Beistand zu gewähren. Auch wir würden umgekehrt darauf vertrauen, wenn wir einmal in die Situation kämen, unser Land verlassen zu müssen. Daran sollten wir deshalb gelegentlich ebenfalls wieder einmal denken.

Natürlich gibt es aber auch noch andere Themen, die uns umtreiben. Ja, es ist sogar ganz wichtig, dass nicht eine Aufgabe alle anderen komplett überlagert. Wenn wir unsere Zukunft aktiv gestalten wollen, müssen wir vielmehr sämtliche Bereiche im Blick behalten.

So wird schon in wenigen Wochen die nächste Ausbaustufe unseres großen Breitbandprojekts beginnen. Schnelles Internet im gesamten Neckar-Odenwald-Kreis. 30 MB für mindestens 95 % aller Anschlüsse, private wie gewerbliche gleichermaßen. Die Glasfaser rückt auf diese Weise immer näher an die Endkunden heran. Das gibt uns die Möglichkeit, künftig noch sehr viel größere Bandbreiten anbieten zu können. Und: ich bin froh, dass die Telekom als Siegerin aus unserem europaweiten Ausschreibungsverfahren hervorgegangen ist. Gemeinsam wollen und werden wir jetzt den Beweis antreten, dass es durchaus möglich ist, auch im ländlichen Raum einen flächendeckenden Breitbandausbau zu realisieren. Der Neckar-Odenwald-Kreis soll damit nicht zuletzt zum Modell für andere werden. Zugegebenermaßen ein hoher Anspruch. Daran lassen wir uns aber auch messen – und das schon Ende 2017, also in gerade einmal zwei Jahren. Städte, Gemeinden und der Landkreis investieren gemeinsam mit der Telekom in die digitale Zukunft. Ein spannendes Projekt, auf das ich mich auch persönlich sehr freue.

Ein ganz zentraler Zukunftsfaktor ist auch die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung. Die Menschen haben ein Recht darauf, möglichst wohnortnah die Hilfe zu bekommen, die sie brauchen. Bisher ist uns das immer noch gelungen. Es wird künftig aber zunehmend schwerer werden, frei werdende Arztsitze nachzubesetzen. Deshalb wollen wir auf diesen Aspekt im Rahmen der Kommunalen Gesundheitskonferenz auch ein ganz besonderes Augenmerk legen. Im stationären Bereich sind die Neckar-Odenwald-Kliniken mit ihren beiden Krankenhausstandorten in Mosbach und Buchen, sowie das kommunale Belegkrankenhaus in Hardheim meiner festen Überzeugung nach künftig sogar wichtiger denn je. Klar ist aber auch: Es wird immer ein Kampf bleiben, dieses wichtige Stück Daseinsvorsorge vor Ort zu erhalten, solange sich die Grundstrukturen der Krankenhausfinanzierung nicht nachhaltig zu Gunsten kleinerer Häuser ändern. Und: Wir alle haben es selbst in der Hand. Anhaltend hohe oder weiter steigende Patientenzahlen sind nämlich das beste Argument überhaupt für den Erhalt unserer Häuser. An diesem Ziel arbeiten wir deshalb gemeinsam und mit Nachdruck.

Damit will ich es für heute ganz bewusst bewendet sein lassen, allerdings nicht schließen ohne ein herzliches Wort des Dankes an Sie alle. Das Beste sind und bleiben nämlich die Menschen, die im Neckar-Odenwald-Kreis leben. Ihnen fühle ich mich persönlich auch weiterhin in ganz besonderer Weise verpflichtet.

Dieser Tage habe ich einen irischen Segensgruß gelesen, den ich Ihnen zum Weihnachtsfest gerne mitgeben will: „Möge in dieser Heiligen Nacht der Friede Dein erster Gast sein, und möge das Licht der Weihnachtskerzen dem Glück den Weg weisen in Deinem Haus“. Das soll zugleich auch mein Wunsch für das gesamte neue Jahr 2016 sein. Hoffen wir deshalb gemeinsam, dass der Friede dann ebenfalls unser erster Gast sein und vor allem auch bleiben möge.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien von Herzen eine besinnliche Weihnachtszeit, sowie Gottes Segen und dann einen guten Start in ein hoffentlich für uns alle gesundes, glückliches und friedvolles neues Jahr 2016.

Auf Weihnachtskarten oder Geschenke haben wir erneut verzichtet und den entsprechenden Betrag in diesem Jahr statt dessen der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit im Kreis zur Verfügung gestellt. Dort ist jeder Euro gut angelegtes Geld.

Ihr

Dr. Achim Brötel

Landrat

© www.NOKZEIT.de



4 Kommentare zu Weihnachtsbrief von Landrat Dr. Achim Brötel

  1. Die neusten Zahlen vom Integrations-
    ministerium aus Stuttgart für Baden-
    Württemberg.
    Frau Integrationsministerin Bilkay
    Önay Spd/exGrüne meldet Stand 14.Dez.
    2015 172.457 registrierte Asylanten.

    Ende Juni ging die Grün/Rote Landes-regierung von Herr Kretschmann/Grüne
    und Nils Schmidt/Spd noch vom 50.000
    Asylanten aus.
    Zu der heutigen Zahl von 172.457 muss
    noch 40.000 bisher nichtregistrierte
    Asylanten hinzugezählt werden,so dass
    für das Jahr 2015 mit ca.210.000 Asy-
    lanten zu rechnen ist.

    Und nächstes Jahr gehts weiter.Dazu
    kommt noch der Familiennachzug mit
    dem Faktor 5 je Asylant mit Anerkenn-
    ung.

    Zum Vergleich,die Stadt Mosbach mit
    den 5 Stadtteilen hat 23.000 Ein-
    wohner.
    Die Stadt Buchen mit seinen 14Stadt-
    teilen hat 17.000 Einwohner.

    Frohes Neues Jahr,die Vernunft geht
    weg.

    • @ Petra Müller

      Ich wiederum würde mich freuen, wenn du auch schon vor der Flüchtlingskrise auf die Obdachlosen hingewiesen hättest. So aber wirkt das eher wie eine Geisel für deine Fremdenfeindlichkeit.

      Außerdem, was weißt du denn darüber, ob und was Mosbach für Obdachlose tut? Kläre uns doch mal bitte konkret auf, was du dazu als Gast in zahlreichen Gemeinderatssitzungen erfahren hast.

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