Mudau: Sechsstündige Marathon-Prunksitzung

Mudau. (lm) Wie wichtig den Halbherrn eine gute Kampagne ist, zeigte sich in den beiden ausverkauften Prunk- und Fremdensitzungen der Karnevalsgesellschaft Mudemer Wassersucher, deren sechsstündiges Marathon-Programm sicher als Ausgleich für die relativ kurze fünfte Jahreszeit 2016 dienen sollte. Es war dem stimmungsgeladenen bunten Publikum eine Selbstverständlichkeit, den einziehenden Honoratioren der Narretei, angeführt von Wassersucher Noby Münch und Ortsscheller Angelo Walter, den ihnen zustehenden Respekt zu erweisen.

Schnell füllte sich die Bühne mit Prinzenpaar, Jungwassersucherrat, Wassersucherrat, Garden und Abordnungen aus Amorbach, Igersheim, Hettigenbeuern, Seckach, Walldürn, Zwingenberg, Hainstadt, Limbach und Hettingen. Nicht weniger herzlich begrüßte das Moderatoren-Team Ralf Späth und Carlo Götz die Abordnungen der Ortsteile – Bajassen, Eckenarren, Elzhepfer, Turmspatzen, Turmwächter und Weckgrubber. Das „Hajo, des is es A un‘s O von Mudi“ war nicht nur ein Motto nach dem Geschmack von Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger, der das A tatsächlich geübt hatte. Auch Pfarrer Klaus Vornberger fand Gefallen an Alpha und Omega, die Sitzungspräsidenten fanden die Buchstaben in „Herta und Carlo“ wieder und kamen in ihrer humorvollen Motto-Erläuterung – teilweise gesanglich unterstützt von Jürgen Kieser und Markus Wellm – zu der Erkenntnis, dass man den richtigen Gebrauch der beiden Buchstaben im Mudauer Dialekt als Zu’greister unmöglich lernen könne. Aus ganz praktischen Gründen beschäftigten sich Ihre Lieblichkeit Prinzessin Silvia I. (nicht die von Schweden) und Seine Tollität Prinz Wolfgang IV. (Radauscher) mit der örtlichen Infrastruktur und dem Gedanken, den Regierungssitz endgültig in Steinbacher Straße zu verlegen.

Da sich beide nicht nur bestens im Gesundheitswesen auskennen und würdige Vertreter von A und O – also Mudau und Waldhausen – sind, genügte dem Narrenvolk als zusätzliche Tauglichkeitsprüfung ihrer neuen Regenten ein lustiges Liederpuzzle, das beide mit Bravour bewältigten. Nach dem Vorbild von „Wer wird Millionär“ stellte im Zuge der Rathausschlüsselübergabe auch der vorübergehend entmachtete Bürgermeister seine detaillierten Ortskenntnisse unter Beweis. Und dass Angelo Walter inzwischen sein Amt als Ortsscheller bestens ausfüllt, zeigte nicht nur sein neues Amts-Outfit oder sein kräftiges Schellen, sondern sein gekonntes Ausplaudern bisher weniger bekannter Orts-News wie z.B. die Tatsache, dass die Damen-Toiletten im Sportheim nur dauerbesetzt sind, weil nur hier Internet-Empfang möglich ist, oder dass der Besuch der Katholischen Kirche inzwischen als Geheimtipp gilt, der örtliche Fahrlehrer sich über Fahrkünste seiner Ehefrau wundert oder der TSV-Vorsitzende Rückwärtsrollen vom Altpapier-Hänger übt. Seltsame Diebstähle waren ihm ebenso zu Ohren gekommen wie der Irrtum eines Mudauers, die Straße durch den Langenelzer Wald als Rennstrecke über die B27 hinaus zu sehen.

Die erste „La Ola“ des Abends heimste Tanzmariechen Cara Bianco ein, die als charmanter und unglaublich beweglicher Wirbelwind als Augenschmaus-I-Tüpfelchen nach dem Schautanz der KaGeMuWa-Minigarde mit ihrer „Reise in ein fernes Land“ bezauberte. Denn auch diesen 15 ebenso reizenden wie temperamentvollen Geishas hatte keiner widerstehen können. Die ausführliche Beschreibung, was einen richtigen Gardetanz ausmacht, hätten sich die Moderatoren Herta und Carlo sparen können, wenn die 16 hübschen Mädels der Prinzengarde demonstrierten das nicht nur elegant, sondern absolut perfekt. Etwas, das im Deutschunterricht der sogenannten Linguisten (Sprachkenner) Marco Scheiwein, André Mechler, Richard Neubrand und Uwe Lenz bewußt fehlte. Denn die Grammatik des Deutschlehrers passte eher in die Sparte Türkisch-Deutsch, das dem Mudemer Marco zwar leicht über die Lippen ging, aber das „Und“ doch sehr verwirrte und den Richtung Schloßau wohnenden André mehr als nur irritierte.

Dennoch einigte man sich schließlich auf das Mudauer ABC, weil es mindestens vier R weniger hat als das Schloßauer. Auch für den neuen Penny-Markt fanden sie Alternativ-Standorte entweder direkt auf dem Kreisel oder auch im Rathaus als „Mini-Markt mit Knappem Angebot“. „Jetzt erschd recht“ dachten sich die Mitglieder der gemischten Mudauer Tanzgruppe in Erinnerung an ein letztes Jahr verstorbenes Mitglied und präsentierten u.a. zu „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ einen ganz schön pfiffigen Rollatoren-Tanz, bevor sich „Josefine“, alias Ehrenmitglied Josef Friedel, perfekt gestylt gemäß ihrem Beuteschema auf die gar nicht so einfache Suche nach einem rüstigen Rentner ohne Altlasten machte. Zweifelsfrei stand für sie dabei fest, dass von den Trägern der Mudemer Fastnacht einer träger ist als der andere.

Als einzige Gastgruppen überzeugten visuell „Unter Piratenflaggen“ die gemischte Schautanzgruppe der TSC Walldürn und verbal das Waldstettener „Ehepaar Dummhofer“ in Person von Holger Löffler und Johannes Becker. Die vier halbe Ganzherrn Timo Huberty, Michael Volk, Jürgen Kieser und Markus Wellm, „die zamme zwee ganze Halbherrn senn“ und das Ortsgeschehen seit einigen Jahren gekonnt erzählend und singend glossieren, wurden in diesem Jahr vom Ersatz-MGV der „Maulaffen“ Ralf Hauk, Rainer Kistner, Reiner Münch, Rolf Mechler, Ralph Müller und Klaus Erich Schork unterstützt, die den ausgefallenen Drei-Königsgottesdienst in der Halle nachholten und dabei u.a. sangen „O liewer Gott, helfe em Pfarrer“, damit die „Kerchedüür in Mudi net zu bleibt“.

Entsprechend „verzweifelt andächtig“ kam in ihren Fürbitten das „erhöre uns“ für die einzige Kirchenbesucherin in Steinbach „bewahre sie vor einem Kanon“, für die Sitzungspräsidenten um kurze, fehlerfreie und zusammenhängende Ansagen, um Taktgefühl der Musik und vieles mehr. Natürlich waren ihnen auch viele weitere „Fehltritte“ im Ortsgeschehen nicht verborgen geblieben und dennoch kamen sie zu dem Schluss „Gemeinde Mudau, welch ein Schatz, Sünde hat bei uns kein Platz“. Stimmt!

Dafür waren aber sowohl die TSV-Tänzer mit ihrem genialen Strumpfhosen-Tanz als auch die Mädels der KaGeMuWa-Wassersuchergarde mit ihrem zünftigen Schautanz „Besuch auf dem Oktoberfest“ echte Augenweiden. Wie stolz die Wassersucher auf ihre Sitzungskapelle sind, die den Abend unter Stabführung von Ralph Müller und Ralf Breunig kurzweilig und abwechslungsreich zu den Beiträgen und dazwischen mit Schunkelrunden und La Olas und abschließend mit Tanzmusik bereicherte, zeigte sich glasklar, als die Sitzungspräsidenten zur Würdigung der Führungsriege selbst zu Blasinstrumenten griff.

06 Prunksitzung KaGeMuWa 2016 270116

(Foto: Liane Merkle)

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