Schwarzach: Tifos Zirkustraum wurde wahr

Für die Schwarzbach Schule der Johannes-Diakonie trat die Zirkusfamilie Schubert noch einmal auf

 Schwarzach. (pm) Eine Zirkusvorstellung allein für seine Mitschüler – das war Tifos großer Traum. Jetzt wurde dieser wahr. Dafür hat sein Großvater, Zirkusdirektor Dominik Schubert, die Familie zusammengerufen – drei Jahre nachdem der Vorhang für immer gefallen war. Für Tifo und seine Mitschüler aber machte sich die Familie Schubert noch einmal mit dem Zirkuszelt auf zum Standort Schwarzach der Johannes-Diakonie. Auch die Kinder und Jugendlichen der Außen- und Partnerklassen der hiesigen Schwarzbach Schule waren eingeladen, die alte Zirkuskunst aus nächster Nähe mitzuerleben und das Staunen neu zu lernen. Von nah und fern strömten die Klassen herbei.

Erst hatte Tifo seine Mutter im Spaß gefragt, dann im Ernst, und dann immer öfter: „Komm, lass uns eine Zirkusvorstellung für meine Schule machen.“ Schließlich sprach die Mutter ihren Vater an, Direktor des ehemaligen Zirkus Central. Bis ins Spätmittelalter lässt sich die Geschichte der Familie als Gaukler und Artisten zurückverfolgen, seit 1479 zeigt sie ihre Künste an vielen Orten. Doch vor drei Jahren war damit Schluss, zu schwierig war das Geschäft geworden. 

Aber Tifo gab nicht nach. Der 14-Jährige wollte zeigen, woher er kommt und was seine Familie und er alles draufhaben. Ebenso wollte er seinen Freunden, Mitschülern und Lehrkräften eine Freude machen. Längst bestand eine gute Beziehung zwischen seiner Familie und der Schwarzbach Schule. Von daher war der erste Schritt zu einer Zirkusvorstellung an der sonderpädagogischen Einrichtung nur einen Anruf fern. Weil Tifo hartnäckig blieb, klingelte irgendwann tatsächlich das Telefon im Rektorenbüro. Danach trommelte der Großvater die Familie zusammen, und die sagte umweglos: „Klar machen wir mit.“ Schließlich machte sich ein 18-köpfiger Tross aus der Nähe von Nürnberg auf nach Schwarzach, auch Schwiegersohn Oliver Michelis-Ohlinger, Direktor des Zirkus „Olivier“, reiste mit. Nur die Tiere waren daheim auf dem Kalber Gnadenhof für Zirkustiere geblieben, auf dem Familie Schubert unter anderem Ponyreiten anbietet und eine Zirkusschule betreibt.

Ein Tag Zeltaufbau, ein weiterer Tag Proben, dann öffnete die Schubert-Familie noch einmal den Vorhang. Aus Schwarzach, Eberbach, Waldbrunn bis aus Buchen – von vielen Außenklassen-Standorten der Schwarzbach Schule strömten 300 Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen herbei, um es hautnah mitzuerleben: Jonglage mit Fackeln, Clownerie, Feuerspucken, Menschenpyramiden, Seilakrobatik hoch oben unter dem Zirkusdach und vieles andere mehr. Das Staunen und der Applaus der Schüler waren riesig. Aber es ging noch lauter: „Tifo, Tifo, Tifo!“ feuerte das Publikum seinen Mitschüler beim Jonglieren und bei der Lasso-Artistik an. Doch beim Messerwerfen stockte ihnen der Atem – denn beherzte Lehrkräfte und der mutige Schulleiter stellten sich vor die Holzwand, auf die ihr Schüler zielte und die Messer losschnellen ließ.

Das alles begeisterte nicht nur die Schüler. Eine Gänsehaut hatte auch Dominik Schubert. Lange war seine Familie nicht mehr mit dem Zirkuszelt aufgebrochen und geschlossen aufgetreten. Nach der Vorstellung hatte der Direktor Tränen der Rührung und Freude in den Augen. „Der Zirkus stirbt und damit ein Stück alte Kultur“, erzählte er. Doch an diesem Tag zeigte sie sich wieder lebendig, frisch und jung.

Mit der Zirkusvorstellung ging Tifos Wunsch in Erfüllung. Für andere Schüler begann damit erst das Träumen. „Für die Mädchen und Jungen war es fantastisch“, begeisterte sich Rektor Steven Reres: „Davon werden sie noch lange träumen – alle unsere Schüler und ihre Mitschüler mit und ohne Behinderung unter einem bunten Dach.“ Sein großes und herzliches Dankeschön an Familie Schubert war stellvertretend für alle Kinder. Die Metzgerei Stahl  aus Schwarzach und die Bäckerei Banschbach aus Aglasterhausen unterstützten die Bewirtung der Gäste und Artisten.

 Zirkus Menschenpyramide

Die Familie Schubert brachte die Schüler der Schwarzbach Schule und ihrer Kooperationsschulen mit ihren Vorführungen zum Staunen. (Foto: Adler-Witkowski)

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