Mit zwei Eseln auf dem Winterhauch

Waldbrunn (mh) Die Schwedin Helena Kågemark und der Italiener Carlo Magnani wandern von Italien nach Schweden und schaffen dabei ein Baum-Netzwerk. Am Dienstag machten sie Station auf dem Kastanienhof Krämer in Waldbrunn.
Ein Jahr haben sich die die Kunstschaffenden Helena Kågemark und Carlo Magnani Zeit gegeben um mit ihren zwei Eseln, der Stute Aurora Alba und dem Hengst Toni, die rund 2000 km von Albiano Magra in der Toskana nach Göteborg in Schweden zu wandern.

Die Idee zur Wanderung entstand spielerisch, die Umsetzung erfolgt bewusst langsam im Tempo der Vierbeiner. Man möchte die Zeit neu begreifen und ein Baum-Netzwerk schaffen, anhand dessen die Route auch Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten noch nachvollziehbar sein soll. Zu diesem Zweck verbünden sich die beiden Künstler durch geschenkte Baumsetzlinge mit ihren Beherbergern, die sie diesen zur Pflege überlassen. Sie setzen damit einen Kontrapunkt in einer hektischen, leistungsorientierten Welt, in der man in drei Stunden dieselbe Strecke auch mit dem Flugzeug zurücklegen kann. Mit ihrer Reise möchten Kågemark und Magnani auch auf den Flüchtlingsstrom vom letzten Jahr aufmerksam machen, wo Menschen gezwungen waren zu Fuß zu gehen, weil sie keine anderen Fortbewegungsmittel benutzen konnten.

Der entstehende Baum-Pfad, von Übernachtungsplatz zu Übernachtungsplatz, windet sich bereits durch den Nord-Osten Italiens, die Schweiz und Süd-Deutschland. Die Abenteurer haben dabei Flüsse überquert, Grenzen überschritten und hohe Pässe ebenso bezwungen wie steile Treppen – für Esel ein fast unüberwindbares Hindernis. Dabei sind ihnen die beiden Tiere nahe gekommen und ans Herz gewachsen. Besorgt hält das Paar Ausschau nach guten Übernachtungsmöglichkeiten, mit Auslauf und Weide für die Esel.

Den fanden sie dieser Tage bei Heike und Kurt Krämer auf dem Kastanienhof in Waldbrunn. Da der Winterhauch sich von seiner besten Seite zeigte und es regnete, quartierte die Ferienhofbesitzerin die beiden kurzerhand und kostenfrei in eine ihrer Wohnungen ein. „Üblicherweise übernachten Helena und Carlo bei ihren Eseln im Zelt. Da sie sich aber so liebevoll um ihre Wegbegleiter gekümmert haben und uns so viele wunderbare Geschichten erzählen konnten, wollte ich ihnen gerne etwas Gutes tun“, erzählt Heike Krämer.

Kurt und Heike Krämer haben ihren Baumsetzling – eine Buche – sehr gerne in Pflege genommen und päppeln das Bäumchen die nächste Zeit noch ein bisschen, bis es gestärkt, auf einer der Koppeln rund um den Ferienhof seinen endgültigen Standort finden kann, wie Kurt Krämer berichtet.
Für Helena Kågemark und Carlo Magnani ging es am nächsten Morgen weiter Richtung Hessen und dann nach Norden Richtung Lübeck, Dänemark mit Ziel Göteborg – immer zwölf Beine, einen Schritt nach dem anderen.

Für Heike und Kurt Krämer stand nach der Verabschiedung fest: „Wie freuen uns Teil dieser Wanderung und Teil des Baum-Pfades zu sein. Wir werden sehr gut auf unser Bäumchen aufpassen, dass er zu einer großen und starken Buche wird, die an die Esel, Helena, Carlo, und ihre Idee erinnert.“

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Unser Bild zeigt von links: Carlo Magnani, Kurt Krämer, Heike Krämer, Helena Kågemark sowie die zwei Esel Aurora Alba und Toni. (Foto: Marina Hofherr)

 

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