Freie Wähler besuchen AWN Buchen

Buchen. (pm) Da sich der Kreistag regelmäßig mit der Abfallentsorgung durch die kreiseigene Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWN) beschäftigt, wollte sich die Fraktion der Freien Wähler wieder einmal direkt vor Ort in Buchen von Geschäftsführer Dr. Mathias Ginter über die anstehenden Aufgaben und Herausforderungen informieren lassen. Insbesondere war das Augenmerk hierbei auch auf die Entwicklung der Abfallgebühren gerichtet.

Fraktionsvorsitzender Uwe Stadler begrüßte zu dieser Sitzung neben Dr. Ginter und den vollzählig erschienenen Fraktionsmitgliedern auch den Vorsitzenden des Kreisverbandes, Bruno Herberich. Er dankte bereits vorab für die Möglichkeit, nach der Information zur AWN auch die Fraktionssitzung hier abhalten zu können, sowie für den bereitgestellten Imbiss und die Getränke.

Sodann gab Dr. Ginter einen ausführlichen Überblick über die aktuelle Arbeit und die künftigen Aufgabenstellungen. Zuerst ging es dabei um die Schaffung neuer Verfüllabschnitte auf der Deponie Sansenhecken, wobei man insbesondere den gestiegenen Anforderungen an die Basisabsicherung Rechnung zu tragen habe. Es muss ausgeschlossen werden, dass Stoffe aus den Müllablagerungen ins darunterliegende Erdreich oder gar ins Grundwasser gelangen. Ebenso wichtig sind die Deponieabdichtung nach oben sowie deren optische Gestaltung. Da die Genehmigung zum Betrieb der Deponie noch aus den 80-ziger Jahren stamme, wolle man ein neues Planfeststellungsfeststellungsverfahren nach den aktuellen Vorgaben durchführen.

Ein Thema, das insbesondere die Kommunen schon seit längerem beschäftigt, sind die ebenfalls drastisch gestiegenen Anforderungen an die Grüngutentsorgung. Die dabei vom Gesetzgeber geforderte Hygienisierung erfordert einen solchen Aufwand, dass z.B. der Maschinenring dies nicht mehr wirtschaftlich darstellen kann. Deshalb wird derzeit an einem Konzept gearbeitet, bei welchem die AWN die Entsorgung zukünftig selbst übernehmen will.

Als weiteres Zukunftsprojekt stellte Dr. Ginter die Verarbeitung von Biomasse zu Pflanzenkohle vor. Diese Pflanzenkohle dient nicht der Energiegewinnung, sondern ist vielmehr ein Material, welches z.B. als Einstreu (Bodensubstrat) bei der Tierhaltung verwendet werden kann, weil es zu einer deutlichen Verbesserung der Hygiene beiträgt. Außerdem ist Pflanzenkohle auch als Aktivkohle für Filteranlagen geeignet, erreicht in Ackerböden eine dauerhafte Bindung von Kohlendioxiod und kann damit die Atmosphäre entlasten.

Breiten Raum nahmen sodann die Informationen über das in Hardheim und Rosenberg laufende Pilotprojekt „Restmüllarme Abfallwirtschaft“ ein. Mit dem vor wenigen Wochen eingeführten roten Störstoffsack werden nicht kompostierbare Stoffe in Ergänzung zur Bioenergietonne und zur trockenen Wertstofftonne separat erfasst. Die Fraktionsmitglieder hinterfragten hierbei jedoch kritisch die geänderten Abfuhrzeiten, da der vierwöchige Rhythmus als zu lang erscheint. Dr. Ginter wies hierzu darauf hin, dass der 14-tägige Rhythmus eigentlich nicht normal sei. In anderen Landkreisen läge dieser schon seit Langem bei vier Wochen. Man sammle jetzt erst einmal Erfahrungen, wobei für besondere Fallkonstellationen (z.B. Gewerbebetriebe) auch Einzellösungen gesucht werden könnten. Im Übrigen prognostizierte Dr. Ginter, dass die Müllentsorgung in Zukunft mehr und mehr individualisiert werde.

Abschließend wurde dann noch ein speziell für die Freien Wähler sehr wichtiges Thema diskutiert. Bekanntlich erhält die AWN aus dem gescheiterten Projekt der MBA (Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlung) in größerem Umfang jährliche Ausgleichszahlungen. Diese Einnahmequelle wird aber in absehbarer Zeit versiegen, weshalb man sich in der Fraktion die Frage stellt, wie dieser finanzielle Ausfall kompensiert werden kann. Allein durch höhere Abfallgebühren? Diese Befürchtung konnte Dr. Ginter mit guten Argumenten entkräften: man habe eine Reihe von Maßnahmen geplant bzw. bereits begonnen, um den Betrieb insgesamt noch wirtschaftlicher zu gestalten und wird deshalb nicht zu exorbitant hohen Gebührenerhöhungen gezwungen sein. Leichte Anpassungen im Rahmen der Preissteigerung seien aber sicherlich nicht zu vermeiden.

Nach diesen ausführlichen Erläuterungen, wurde Dr. Ginter mit dem besten Dank verabschiedet und man widmete sich der weiteren Fraktionsarbeit.

Zuerst informierte der Kreisverbandsvorsitzende Herberich über die Arbeit des Kreisvorstandes. Nach der letzten Jahreshauptversammlung kam es zu personellen Änderungen in der Vorstandschaft, die er nochmals benannte. Ein weiteres wichtiges Thema sei die Vorbereitung auf die nächste Kommunalwahl in drei Jahren. Bereits heute gelte es, sich über mögliche Kandidaten Gedanken zu machen. Um insbesondere auch junge Menschen sowie Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern, bedürfe es spezieller Themen, die gerade bei diesen Bevölkerungsgruppen aktuell seien. Um Vorschläge wird gebeten.

Auch solle es künftig im Vorfeld der Kreistagsfraktionssitzungen Vororttermine geben, um die Arbeit der Fraktion noch besser in den Blickpunkt der Bürger zu stellen. U.a. ist geplant, vor der Oktobersitzung das kommunale Krankenhaus in Hardheim zu besuchen. Ein weiterer wichtiger Termin ist der 01.04.2017, an welchem das 60-jährige Jubiläum des Kreisverbandes begangen wird, vielleicht in Kombination mit dem jährlichen Workshop. Bereits am 16.11. dieses Jahres wird derweil in Heidersbach eine Infoveranstaltung über die modifizierte Gemeindeordnung stattfinden.

Sodann wurde durch die jeweiligen Mitglieder noch aus den Ausschüssen Verwaltung und Finanzen, Wirtschaft Umwelt und Verkehr, Gesundheit und Soziales und Jugendhilfeausschuss sowie aus den kreiseigenen Gesellschaften berichtet.

Bezüglich der Situation der Flüchtlinge zeigte man sich insgesamt erleichtert, dass es zu einer spürbaren Entspannung gekommen sei, was sich auch in der Tatsache widerspiegele, dass zahlreiche bereits beschlossene Baumaßnahmen des Kreises vorerst gestoppt werden konnten, was nicht zuletzt eine beträchtliche Verringerung der geplanten Neuverschuldung ermögliche.

Stolz dürfe man darüber hinaus auf die Tatsache sein, dass es im Neckar-Odenwald-Kreis nicht notwendig wurde, Sporthallen für die Unterbringung von Flüchtlingen heranzuziehen. Vielmehr konnte der Schul- und Vereinssport ohne jegliche Einschränkungen durchgeführt werden.

Weiter gilt wie bisher ein besonderes Augenmerk der Entwicklung der Neckar-Odenwald-Kliniken und des Wohn- und Pflegezentrums Hüffenhardt – in finanzieller wie in personeller Hinsicht.

Abschließend ging es noch um die Vorbereitung der Stellungnahmen zu den anstehenden Themen in der kommenden Kreistagssitzung, wo die Freien Wähler ihren jeweiligen Standpunkt darlegen werden.

Die Redebeiträge sind im Übrigen auch jeweils auf der Homepage der FW unter www.freie-waehler-nok.de nachzulesen.

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen: