Neckar-Odenwald-Kreis – Erster Familienbericht

Mosbach. (ots) Premiere im Kreistagsausschuss für Gesundheit und Soziales: Erstmals vorgestellt wurde ein von Mitarbeitern des Landratsamtes zusammengestellter Familienbericht für den Neckar-Odenwald-Kreis. Das Lebensmodell Familie, unter das alle Paare, Alleinerziehenden und Lebensgemeinschaften mit Kindern unter 18 Jahren fallen, ist gerade im Ländlichen Raum noch immer hoch im Kurs, so lautete eines der zentralen Ergebnisse der Arbeitsgruppe. Bedingung hierfür ist aber, dass der bereits deutlich vorangetriebene Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten für Kinder aller Altersstufen fortgesetzt werde. Beantragt hatte die Erstellung des Berichts die CDU-Kreistagsfraktion.
 
 Begrüßt wurden die Ausschussmitglieder zu der Sitzung am vergangenen Montag im Mosbacher Rathaus von Landrat Dr. Achim Brötel. „Die Erstellung des Berichtes war aufgrund der Komplexität des Themas, aber auch mangels aktuellster Daten kein leichtes Unterfangen“, so der Landrat. Auch Peter Fieger, Leiter der Gruppe, wies eingangs darauf hin, dass man zum Teil auf Daten des Zensus 2011 habe zurückgreifen müssen.
 
 Vorgestellt wurde zunächst die statistische Entwicklung, nach der, wie Horst Teuber deutlich machte, die Bevölkerung im Landkreis bis zum Jahr 2035 tendenziell sinken werde, während sie im Vergleich in Baden-Württemberg durchschnittlich eher steigt. Allerdings schränkte Teuber ein, dass der Zuzug von Migranten in den Zahlen nicht berücksichtigt sei. „Hierdurch ist eine deutliche Verjüngung der Landkreisbevölkerung zu erwarten.“ Bereits jetzt habe der Neckar-Odenwald-Kreis die prognostizierte Linie schon verlassen. Diese Entwicklungen müssten zur Bewertung des Berichts, aber auch bei zukünftigen Weichenstellungen berücksichtigt werden.
 
 Die Familienstrukturen im Landkreis stellte dann Pascal Heffner vor. Auffällig sei dabei, dass es im Landkreis im Vergleich zu Werten auf Ebene des Landes überdurchschnittlich viele Alleinerziehende gebe. Woran das liege, könne man nicht ohne Weiteres ableiten, dass diese aber besonders auf Betreuungsmöglichkeiten angewiesen sind, sei offensichtlich. „Erfreulicherweise gibt es sowohl bei den Kindertagesstätten, als auch bei den Betreuungsangeboten der Tagespflege wie auch bei den Schulen nach wie vor ein gutes, flächendeckendes Angebot“, so Heffner. Besonders hervorheben müsse man die Betreuungsplätze für unter dreijährige Kinder, denn diese wurden innerhalb von zehn Jahren verzehnfacht. Mit 31 Prozent Versorgungsquote sei man hier absolut im Soll. Auch Schulsozialarbeit sei inzwischen flächendeckend vorhanden.
 
 Dass der Ländliche Raum für Familien große Chancen biete, verdeutlichte dann Angelika Bronner-Blatz. So würden Familien in überdurchschnittlich großen Immobilien leben, die sie oft auch besitzen. Auch die durchschnittlichen Baulandpreise seien mit 70 Euro pro Quadratmeter weniger als halb so teuer wie im Landesschnitt. Weniger gut versorgt sei der Kreis hingegen bei Kinder- und Augenärzten, während es bei Hausärzten aktuell nahezu keine Unterschiede gebe.
 
 Weiterhin zeigte der Bericht eine gut aufgestellte Schul- und Berufsschullandschaft. Dabei steige wie überall die Quote der Abiturienten stetig, allerdings geringer als im Land, da mehr Schüler an eine der sechs beruflichen Schulen wechselten. Auch an Berufsausbildungsstellen mangele es in der Regel nicht, aber, so der Hinweis der Arbeitsgruppe, sehr wohl zum Teil an der Qualifikation der Jugendlichen. Erfreuliches ergab der Blick auf den Arbeitsmarkt, der finanziellen Grundlage jeder Familie. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sowohl am Arbeitsort als auch am Wohnort sei seit 2005 kontinuierlich gestiegen. Die vielen Vereine und das gute Kulturangebot sorgten ebenfalls dafür, dass sich Familien im Landkreis wohlfühlten.
 
 Lob für den Bericht gab es aus allen Kreistagsfraktionen. Dieser stelle eine wichtige Gesamtschau dar. Auch zeige er, wie vielfältig das Lebensmodell Familie sei und wie breit entsprechend das Angebot sein müsse. Auch eine Fortschreibung des Berichts wurde angefragt, wobei hier die Arbeitsgruppe darauf hinwies, dass dies erst nach dem nächsten Zensus im Jahr 2021 Sinn mache. Der Bericht wurde den Ausschussmitgliedern für die Fraktionsarbeit zur Verfügung gestellt.
 
 Im weiteren Verlauf der Sitzung beschäftigte sich der Ausschuss mit der Förderung eines Projektes, das junge Flüchtlinge an beruflichen Schulen ab 2017 unterstützen soll. „Die Schulen leisten in diesem Bereich hervorragende Arbeit, aber dennoch stoßen die bestehenden Systeme an ihre Grenzen. Hier kann das neue Projekt, über das zunächst circa 20 ausgewählte Flüchtlinge individuell betreut werden, passgenau ansetzen“, sagte Dr. Brötel. Durchgeführt wird das Projekt vom Kolping Bildungswerk in Tauberbischofsheim. Aufgrund der hälftigen Förderung durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) müsse der Kreis 33.000 Euro beisteuern. Ab dem kommenden Jahr werden dann die jungen Migranten eine individuelle Betreuung bekommen. Wie wichtig diese Gruppe auch für den zukünftigen Arbeitsmarkt in der Region sein wird, habe gerade der Familienbericht gezeigt, so der Landrat. Als höchst sinnvoll wurde das Projekt daher von den Kreisräten bewertet, die der Umsetzung zustimmten.
 
 Mit Blick auf die kommende Kreistagssitzung vorberaten wurde die Neuausrichtung der Sportförderung im Kreis ab dem Jahr 2017. Die eng mit den Sportkreisen abgestimmte Veränderung wurde notwendig, da in der Vergangenheit Kreismittel zur Förderung des Baus von Sportstätten mangels Vorhaben verfielen. „Es ist ein bewusstes Signal, dass wir diese Mittel zukünftig nicht einfach einsparen, sondern uns aktiv bemühen, sie ihrem Zweck zuzuführen“, betonte Dr. Brötel. Das neue Modell, das auf Empfehlung des Ausschusses nun so in den Kreistag am 25. Juli eingebracht werden wird, sieht vor, die Sportstättenbauförderung einzustellen und die frei werdenden Mittel anderen Säulen der Sportförderung zuzuschlagen.
 

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