Adelsheim: Wohngruppenvollzug ausweiten

Fachtag PPC zieht positives Zwischenfazit – Baden-Württemberg Stiftung fördert Modellprojekt von JVA Adelsheim und Christlichem Jugenddorfwerk
 

  (bd)Ein gutes Jahr nach dem Start eines von der Baden-Württemberg Stiftung mit 840.000 Euro geförderten, bundesweit einmaligen Modellprojekts in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Adelsheim konnte beim zweiten „Fachtag ppc“ für die Mitarbeitenden aus JVA und CJD eine positive Zwischenbilanz gezogen werden.
 
 Seit Frühjahr letzten Jahres wird mit jungen Strafgefangenen daran gearbeitet, eine so genannte ‚fördernde Gruppenkultur‘ in einem Hafthaus des geschlossenen Vollzugs der baden württembergischen Jugendstrafanstalt aufzubauen. Ziel ist, die Jugendlichen in den Haftwohngruppen anzuleiten, ihre Konflikte gewaltfrei zu lösen und subkulturelle Einflüsse der Jugendlichen untereinander so weit wie möglich zu vermeiden. Insgesamt steht soziales Lernen im Mittelpunkt, auch für die Zeit nach der Entlassung. Umgesetzt wird das Projekt in Kooperation mit Kräften des Projekt Chance im CJD Creglingen, wo im ‚Strafvollzug in freien Formen‘ der pädagogische Ansatz der ‚Positive Peer Culture‘ (positive Jugendkultur) bereits seit 2003 Erfahrung Anwendung findet. Sowohl Mitarbeiter wie Teilnehmer des JVA-Projekts wie auch Professor Dr. Christian Schrapper von der mit der Projektevaluation beauftragten Universität Koblenz – Landau schilderten differenzierte Eindrücke und Erkenntnisse.
 
 Als interessierte Gäste begrüßte Maida Dietlein, stellvertretende Anstaltsleiterin des Jugendgefängnisses und Projektverantwortliche, besonders Birgit Pfitzenmaier, Leiterin der Abteilung ‚Gesellschaft und Kultur‘ der Baden-Württemberg Stiftung sowie ihren Kollegen Sven Walter; den Territorialreferenten des Justizministeriums Baden – Württemberg Ronny Stengel sowie Adelsheims Amtsgerichtsdirektor, Vollstreckungsleiter Klaus Schrader.
 
 Pfitzenmaier verwies in ihrem Grußwort darauf, dass die Landesstiftung nicht nur das örtliche Modellprojekt, sondern auch weitere innovative Vorhaben mit Straffälligen unterstütze, von der bereits das erfolgreiche Eltern – Kind – Projekt eine Regelfinanzierung erreichen konnte.
 
 Georg Horneber, Leiter des Projekt Chance und seine CJD-Kollegin Angela von Manteuffel referierten den theoretischen und praktischen Ansatz der „ppc“. Den Anstoß aus der JVA habe man gerne aufgegriffen, deren engagierte Akteure nun die wichtigste Ressource für den Erfolg seien, da auch diese sich einer Kultur gegenseitiger Wertschätzung und Achtung mit den Jugendlichen verschrieben hätten. „Respekt als Antwort und Prinzip“ (RAP) laute die Grunddevise im Umgang mit herausforderndem Verhalten. Junge Menschen, auch solche die Anstrengungen verursachten, werden in Verantwortung gebracht, um positive persönliche Entwicklung zu ermöglichen und zu stabilisieren. Zentrales Ziel vor allem die respektvolle Auseinandersetzung miteinander und das gewaltfreie Lösen von Konflikten.
 
 Bewohner und Betreuer der beiden zwölfköpfigen Wohngruppen im Haus E I schilderten lebendig und reflektiert wo sie die Stärken des Modells sehen, verzichteten aber auch nicht auf Kritik. Sozialarbeiterin Kristina Holderbach und Justizobersekretär Andreas Melcher plädierten nach den gemachten Erfahrungen dafür, den Wohngruppenvollzug auszuweiten.
 
 Professor Dr. Christian Schrapper befasste sich mit den bisher objektiv messbaren Effekten und Auswirkungen des Adelsheimer PPC-Projektes wie auch dem subjektiven Befinden der Teilnehmer und Mitarbeitenden. Eindeutig erkennbar seien deutlich positive Auswirkungen auf das Zusammenleben im Gefängnis, was sich in einer signifikanten Abnahme von Vorfällen, die zu Disziplinar- und Erziehungsmaßnahmen führten, ausdrücke, aber auch in einem als positiv empfunden Gruppenklima. Dies spräche sehr für die Fortführung des Projektes, bei dessen Beforschung im zweiten Jahr vertiefende Einzelfallstudien und die Überprüfung des Resozialisierungserfolges in den Blick genommen würden.
 
 Maida Dietlein leitete über in eine inspirierte Diskussion, in deren Anschluss zahlreiche Besucher die Wohngruppen des Projektes in Augenschein nahmen.
 
 

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