Großes Interesse an medizinischen Themen

Bei der 5. „Kinderhochschule Medizin“ wieder mehr als 200 Teilnehmer

Buchen/Mosbach.  (lra) An den ersten beiden Ferientagen freiwillig lernen? Für mehr als 200 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren war das keine Frage, und viele kamen zum wiederholten Mal zu den Vorlesungen der „Kinderhochschule Medizin“ in Buchen und Mosbach. Zu den Veranstaltungen konnte Privatdozent Dr. Harald Genzwürker, Ärztlicher Direktor der Neckar-Odenwald-Kliniken und Organisator der Veranstaltung, zahlreiche junge „Studierende“ begrüßen. „Ich freue mich jedes Jahr auf diese Veranstaltungen – und natürlich auch darüber, dass es uns immer wieder gelingt, wichtige medizinische Themen altersgerecht rüberzubringen.“

Den Auftakt machte Genzwürker als engagierter Notfallmediziner selbst und erklärte, wie das ist „Wenn der Notarzt kommt“. Dabei wurden die Einsatzfahrzeuge vorgestellt und die Alarmierung der Rettungskräfte erklärt. Ganz wichtig war der Notruf über die richtige Notrufnummer „112“ – die wurde gleich mehrfach geübt. Überhaupt standen neben den Maßnahmen der professionellen Rettungskräfte gerade auch die Dinge im Vordergrund, die jeder Zeuge eines Notfalls, also auch die Kinder, ergreifen können: Hilfe aktivieren, sich um den Patienten kümmern und die Helfer einweisen. In einem Video von einer Einsatzfahrt wurde gezeigt, wie wichtig es ist, den Rettungskräften Platz zu machen. „Helfen können ist cool“, motivierte der erfahrene Notfallmediziner die jungen Zuhörer und freute sich über die künftige Einbindung entsprechender Inhalte in die Lehrpläne ab Klasse 7. Natürlich durfte ein Aufruf zum Tragen von entsprechender Kleidung mit Warnfunktion nicht fehlen, damit Unfälle möglichst vermieden werden. Danach gab es wie bei allen Vorträgen noch zahlreiche Fragen der jungen Studenten, ehe in der Pause verschiedene Einsatzfahrzeuge des DRK erkundet werden konnten.

Mit der Frage „Wie viele Knochen hat der Mensch?“ beschäftigte sich Dr. Bernd Gritzbach, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Wirbelsäulenchirurgie in seiner Vorlesung. Der „Knochendoktor“ ging mit den Studierenden auf eine anatomische Reise durch den Körper: vom Schädel mit seinen alleine schon 29 Knochen über die Wirbelsäule, den Rumpf, die Hände und Arme, Füße und Beine wurden die sehr unterschiedlichen Bestandteile des menschlichen Skeletts vorgestellt und ein Gesamtergebnis von etwa 218 Knochen ermittelt. Das Ergebnis kann variieren, denn bei manchen Menschen wachsen einzelne Knochen zusammen. Faszinierend war für viele Teilnehmer, dass die Giraffe genauso 7 Halswirbel hat wie der Mensch und das Meerschweinchen, wobei bei ihr jeder Wirbel größer ist als die Nagetiere. Natürlich ging es auch um Knochenbrüche und – ganz besonders wichtig – um deren Vermeidung durch Tragen von Fahrradhelmen und Protektoren.

Dr. Rüdiger Mahler, Chefarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologe, also Spezialist für alle Fragen rund um Verdauungstrakt, nahm die Kinder mit auf die „Reise der Speise“. Wie bei allen Vorträgen gab es sozusagen durch die Hintertüre ein paar Informationen zu gesundheitsförderndem Verhalten. Zunächst wurde nämlich die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung mit angemessenen Anteilen von Eiweiß, Kohlenhydraten, Fetten, Vitaminen und Spurenelementen besprochen. Nachdem der Aufbau des Verdauungstraktes vom Mund über die Speiseröhre, den Magen, Dünn- und Dickdarm mit ihren jeweiligen Funktionen vorgestellt wurde, ging es dann tatsächlich ins Körperinnere. In Videos einer Magenspiegelung und einer Untersuchung des Dickdarms zeigte Dr. Mahler, wie diese Teile unseres Körpers „in echt“ aussehen. Die Aufnahmen, die er mit Endoskopen angefertigt hatte, faszinierten die Kinder.

Bei der vierten Vorlesung der Kinderhochschule ging es in diesem Jahr um das „Operieren durch´s Schlüsselloch“, vorgestellt von Dr. med. Christoph Ellwanger, Oberarzt aus der Klinik für Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie von Chefarzt Dr. Thomas Hüttenhain. Anhand typischer Erkrankungen, die mittels Laparoskopie oder Bauchspiegelung operiert werden können, wurde das Vorgehen erklärt. Die Entzündung des Blinddarms oder Erkrankungen der Gallenblase sind solche „Bauchprobleme“, bei denen heute typischerweise mit geringer Invasivität über 3 bis 4 kleine Schnitte operiert werden kann. Von der Diagnosestellung über die Durchführung der Operationen erläuterte der erfahrene Chirurg sein Arbeitsfeld absolut kindgerecht. Danach konnten einige Nachwuchschirurgen einen „Laparoskopie-Simulator“ ausprobieren und mussten feststellen, dass es „gar nicht so einfach“ ist, sich mit der Kamera zu orientieren und dann auch noch mit chirurgischen Instrumenten zielgerichtet zuzugreifen.

„Wir waren wieder restlos begeistert von dem Interesse und den tollen Fragen unserer Nachwuchsstudenten“, zog PD Dr. Genzwürker ein Resümee zum fünfjährigen Jubiläum der Veranstaltungsreihe. Die Termine für 2017 stehen bereits fest, am 27. und 28.07. laden die Mediziner der Neckar-Odenwald-Kliniken wieder in die Stadthalle Buchen und ins Ärztehaus Mosbach ein. „Die Themen geben wir rechtzeitig bekannt!“, verspricht Genzwürker.

Die erhobenen Eintrittsgelder oder vielmehr Spendenbeiträge kommen in vollem Umfang dem Ambulanten Kinderhospizdienst Neckar-Odenwald-Kreis zugute, dessen Vorsitzender Jürgen Kriege sich wieder über Spende von 1.000 Euro freuen konnte. Eine tolle Ferienaktion für Kinder unterstützt damit auch noch andere schwerkranken Kinder und deren Familien.
Bilder aus diesem Jahr und den Vorjahren gibt es unter www.kinderhochschule-medizin.de


_Mit großem Interesse wurden nach der Vorlesung zur Notfallmedizin die Fahrzeuge des Rettungsdienstes erkundet. (Foto: LRA)_

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