Kritik an „Restmüllfreier Abfallwirtschaft“

Gespräch mit den Pilotgemeinden am in Hardheim
  Hardheim/Rosenberg. (pm) Das Pilotprojekt „Restmüllfreie Abfallwirtschaft“ der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Neckar-Odenwald-Kreises (AWN) läuft in Rosenberg seit sechs Jahren. 2013 wurde das Gebiet auf Hardheim/Kerngemeinde erweitert, sodass nun rund 5% der Landkreisbevölkerung, was ca. 7000 Einwohnern entspricht, teilnehmen.
 
 Ende Juni wurden erstmalig verschiedenen Änderungen eingeführt, die in Teilen der Bevölkerung für Unmut und Kritik gesorgt hatten und sorgen. Wo der „Schuh drückt“ konnte die AWN über ihr Beratungstelefon oder über schriftliche Anfragen erfahren. Zudem wurden bei zwei Infoständen auf dem Hardheimer Sommerfest und dem Rosenberger Sportfest zahlreiche Gespräche geführt, Fragebögen verteilt und ausgewertet. Aber auch die Gemeindeverwaltungen waren und sind Anlaufpunkte für Rückfragen und Kritik aus der Bevölkerung.
 
 Sowohl für die Gemeindeverwaltungen als auch die AWN ist es von großer Wichtigkeit, Kritik aus der Bevölkerung zu hören, ernst zu nehmen und genau zu analysieren, wo es Probleme gibt und wie man diese lösen könnte. In dieser Woche war im Hardheimer Rathaus ein solches Gespräch, bei dem Volker Rohm und Lothar Beger, Bürgermeister und Hauptamtsleiter in Hardheim und Rosenbergs Bürgermeister Gerhard Baar anwesend waren. Von der AWN waren neben Geschäftsführer Dr. Ginter der Bereichsleiter Abfallwirtschaft Thomas Gambke und Martin Hahn, Unternehmenskommunikation, mit dabei.
 
 Ginter erläuterte zu Beginn einige wichtige Eckdaten des Pilotprojektes „Restmüllfreie Abfallwirtschaft“: Die Einführungen in beiden Gemeinden seien 2010 und 2013 reibungslos verlaufen, es bestehe eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, die ökologische und ökonomische Bilanz sei sehr gut. Mit der Einführung der fünf- statt vorher dreistufigen Abfallhierarchie im Rahmen des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes hätten sich aber Veränderungen ergeben: Bislang wurde der Inhalt der Bioenergietonne (BET) mit dem Ziel der Strom- und Wärmeerzeugung verwertet. Die nun gesetzlich geforderte zusätzliche stoffliche Verwertung fordert die Kompostierung des Inhalts der BET. Allerdings sind in der BET Stoffe enthalten, die einer Kompostierung im Wege stehen oder diese erschweren. Dazu gehören Kehricht, Medikamente, Staubsaugerbeutel, Scherben und Porzellan, Hygieneartikel, Windeln, Kleintierstreu, Einwegspritzen und Zigarettenkippen. Diese müssen deshalb über den Störstoffsack separat eingesammelt werden. Die ersten Sammlungen dieser Störstoffsäcke starteten Ende Juni.
 
 Über die drei Sammelsysteme Bioenergietonne (BET), Trockene Wertstofftonne (TWT) und die Papiertonne wurden in der Vergangenheit jeweils rund 80 – 100 kg pro Einwohner und Jahr eingesammelt. Nach Einschätzungen der AWN dürfte sich der Inhalt des soeben eingeführten Störstoffsack auf ca. 20 kg pro Einwohner und Jahr summieren – im Durchschnitt wohlgemerkt. Damit sind, so die AWN, die Störstoffe mengenmäßig im Vergleich zu den genannten Sammlungen untergeordnet. „Die Einführung des Störstoffsacks war aufgrund der gesetzlichen Vorgaben allerdings eine Notwendigkeit“, so Ginter weiter, „und keine Schikane“. Im Übrigen sei zu Unrecht kritisiert worden, dass die BET nun seltener geleert würde – das entspreche nicht den Tatsachen. Diese wird nach wie vor vierzehntägig geleert.
 
 Als Kritikpunkt war ebenso zu hören, dass der Sammelrhythmus des Störstoffsackes alle vier Wochen zu selten sei – eine viezehntägige Abfuhr wäre besser, insbesondere in den Sommermonaten und für Windelhaushalte. Aber auch die TWT sollte nach Meinung einiger Kritiker wie auch in der Vergangenheit ebenfalls alle zwei Wochen geleert werden. Darüber war man bei der AWN zumindest ein wenig überrascht, denn die letzten Jahre habe man bei der vierzehntägigen Leerung festgestellt, dass viele TWT nur halb voll gewesen seien. Nur aufgrund dessen habe man, so der Geschäftsführer Dr. Ginter weiter, diese Änderung überhaut eingeführt. In den Rathäusern ist man aktuell nicht glücklich mit dieser Änderung: Der Wegfall des Gelben Säcke aufgrund des Pilotprojektes wurde von der Bevölkerung sehr gut aufgenommen. Leider sei es nun so, dass bei den Leerungen neben den TWT immer häufiger wieder Gelbe Säcke zu sehen seien. Dies sei ein Indiz dafür, dass das Volumen offensichtlich doch nicht reichen würde. Die Bevölkerung fühle sich, so war von den Rathäusern zu hören, gegenüber den „Nicht-Pilot-Gemeinden“ regelrecht benachteiligt.
 
 Gambke informierte, dass der vierwöchentliche Rhythmus für Restmüll (was am ehesten dem Störstoffsack oder -tonne entspricht) und der TWT bzw. des Gelben Sackes den bundesweiten Empfehlungen entsprechen würde und dies in sehr vielen Landkreisen gängige Praxis sei. Allerdings müsse und wolle man, das stehe außer Frage, ein für den NOK passendes System entwickeln.
 
 Bei größerem „Störstoffaufkommen“, wie es beispielsweise in Windelhaushalten oder durch Katzenstreu der Fall ist, stellt die AWN auf Anfrage gerne eine Störstofftonne bereit, für die einmalige geringe Bereitstellungskosten und ein Pfand entstehen. Besonders wichtig war den Vertretern der AWN der Hinweis, dass sich diese Kosten auf umgerechnet nur einen Euro pro Monat belaufen würden – der Gebührenzahler erhalte aber im Gegenzug deutlich mehr Abfallvolumen. Genauso sei es problemlos möglich, weitere TWT zu beantragen.
 
 Für alle Beteiligten war es wichtig, Kritikpunkte und Meinungen aus der Bürgerschaft zu hören, um diese dann zu analysieren. „Wir wollten diese Gesprächsrunde sehr früh durchführen“, so der AWN-Geschäftsführer Dr. Ginter, „auch wenn wir nach wenigen Wochen noch keinen Gesamtüberblick haben können“. Insofern müsse man das Projekt noch einige Zeit beobachten – daran führe kein Weg vorbei und dies liege im Wesen von Pilotprojekten. Logistisch sei es kein Problem, häufigere Leerungen durchzuführen, allerdings müsse man auch immer neben den entstehenden Kosten auch den „ökologischen Fußabdruck“ berücksichtigen. Jede Sammlung verbrauche Kraftstoff und erzeuge klimaschädliches Kohlendioxid, hier gelte es abzuwiegen. Ginter schloss mit einem Dank an die Bevölkerung: Die Rückmeldungen seien wichtig und für den Erfolg des Projektes unverzichtbar. Nun müsse man die Kritikpunkte überprüfen, in den zuständigen Gremien diskutieren und bei Bedarf auch Änderungen vornehmen. Jedes abfallwirtschaftliche System funktioniere nur gemeinsam und nur zusammen mit der Bürgerschaft – daran wolle die AWN arbeiten. Für den Herbst hat wurden wieder gemeinsame Gespräche zwischen den Gemeinden und der AWN vereinbart.
 


(Foto: pm)

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