Europa kann Frieden stiften

Ein europäischer Blick auf das ehemalige Jugoslawien vom Bundestagsabgeordneten Josip Juratovic aus Heilbronn bei SPD 60 plus in Mosbach
Josip Juratovic, seit 2005 Bundestagsabgeordneter für die SPD, ist in Koprivnica (Jugoslawien, heute Kroatien) geboren. Er ist Koordinator der bundesweiten Friedensinitiative der ehemaligen Jugoslawen „Novi-Most” (Neue Brücke). Als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses der SPD-Fraktion ist er unter anderem Obmann im Unterausschuss der Vereinten Nationen, stellvertretender Vorsitzender der Parlamentariergruppen des Bundestages und hat daher Kontakte in den Parlamenten südwesteuropäischer Staaten, dem Kaukasus und dem Westbalkan.

Er kennt die Geschichte dieses Raumes und seiner Bewohner. Fremdbestimmung sei laut Juratovic das Schicksal der Region von Alters her. Wechselnde Mächte bestimmen die Geschicke des gesamten Raums in den vergangenen 2000 Jahren. Auf die Herrschaft der Römer folgte die Abhängigkeit vom Byzantinischen Reich. Und nach der Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen hat dieser Raum im Einflussbereich auch von Venedig und Österreich gelegen.
Ebenso prägten die unterschiedlichen religiösen Ausrichtungen diese Regionen. Serbisch-Orthodoxe in Serbien stehen Katholiken in Kroatien gegenüber. Ehemalige Christen sind dem Islam beigetreten, was sich heute teilweise wieder umkehrt.
Heutzutage gäbe es immer noch Unruhe und Feindschaft, es herrsche Unsicherheit und Zukunftsangst. Die jüngere Generation habe keinen Blick auf die Gemeinschaft. Verantwortung werde auf andere abgeschoben, auf Europa.

Laut Juratovic häufen sich Berge von Schwierigkeiten, „es gibt fast keine Administration, dafür überall Korruption“.
Der EU-Beitritt Kroatiens sei ein erster Schritt zu mehr Stabilität und Frieden in diesem Raum. Gut wäre daher eine Erweiterung der EU in Richtung des westlichen Balkans. Voraussetzung dafür sei aber, so der Politiker, der Beitritt der dortigen Länder zur NATO. Hier zeige sich aber deutlich der Interessenskonflikt zwischen den Einflusssphären der USA und Russlands. Nach dem Systemzusammenbruch habe es keine neue Perspektive für diesen Teil Europas gegeben, kritisiert der Abgeordnete. Stattdessen bringe jede Veränderung neue Unsicherheit. Auch junge Politiker tun laut Juratovic nichts für die neuen Staaten, sondern nur für sich selbst und ihre Anhänger.

„Die Bevölkerung ist pro-europäisch, schaut aber nicht nach Brüssel, sondern nach Berlin“‚ weshalb Hunderttausende teilweise missbräuchlich Asylanträge gestellt hätten.

MdB Juratovic sieht alle diese Schwierigkeiten, verweist als Lösung auf Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach dem zweiten Weltkrieg. Dieser Versöhnungsgedanke müsse ins ehemalige Jugoslawien getragen werden, damit der „Balkan“ nicht zu uns kommt, sondern vor Ort eine Zukunft hat, wünscht sich Juratovic.

Juratovic positioniert sich dabei klar gegen eine Zersplitterung des Balkans: „Kleinstaaterei führt zum Niedergang“, seine These. Wie die jüngere Geschichte Europas zeige, führten Zusammenschlüsse zu dauerhaftem Frieden. Das sehen wir an unserer 70 Jahre andauernden Friedenszeit.
Juratovic schließt demzufolge mit dem Zitat eines Bosniers: „Es ist wichtiger den Nachbarn zu achten als den eigenen Bruder.”

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